Duchesse de Luynes

Auslage der Patience „Duchesse de Luynes“

Die Duchesse de Luynes (deutsch: Herzogin von Luynes; franz.: la Duchesse de Luynes), auch „Grand Duchess“ benannt, ist eine alte französische Patience, die heute noch gespielt wird. Kartenexperte David Parlett bemerkt, „dass Dieses alte und ungewöhnliche Spiel brachte mein Klassifizierungssystem beinahe zu Fall, bis ich erkannte, dass der sogenannte Ablagestapel eigentlich eine Reserve darstellt.“ Er stuft die Patience als ein „reserved builder“ ein.

Laut Morehead & Mott-Smith dauert das Patience 15 Minuten, und die Gewinnchance liegt bei 1 zu 10 Spielen.

Geschichte

Die Patience tauchte schon 1842 im ersten französischen Patience-Buch auf. Dies war Le Livre des Patiences von „Mme de F****“, was ein Pseudonym für die Marquise de Fortia war. Das Spiel könnte nach Guyonne de Montmorency-Laval benannt worden sein, weil sie bis 1830 die Herzögin von Luynes und eine leidenschaftliche Glücksspielerin war.

Die erste englische Beschreibung findet sich in einer Übersetzung des französischen Buchs, die 1852 auftauchte. Die erste deutsche Spielregeln erschien 1857 in Durheims Werk: Die Patiencen oder Geduldspiele mit Karten gesammelt, verbessert und vermehrt durch K.J.D.

In amerikanische Quellen wird die Patience gewöhnlich als Grand Duchess (deutsch: Großherzogin) bekannt. Whitmore Jones (1888) taufte es als One to Six (deutsch: Ein bis Sechs) und wird von anderen gelegentlich kopiert. Parisienne (deutsch: Pariserin) war ursprünglich ein alternativer Name dieser Patience, später aber eine kleine Variante, die zuerst von der Gräfin de Blanccoeur (1880) beschrieben wurde.

Spielweise

Die folgende Spielregeln wurden 1857 von Durheim veröffentlicht. Sie passen zu denen von de Fortia bis auf der Ordnung der Auslage, wobei sich die Asse in der oberen bzw. Könige in der unteren Reihe finden. Bei de Fortia war das umgekehrt. Auch erlaubte de Fortia ein viertes Durchspielen des Talons, ohne dass man eine Reserve machen konnte; hier durfte man nur dreimal durchspielen.

Man braucht zwei gut gemischten Kartensätze von je 52 Karten. Vier Karten, vom Talon abgezogen, werden von der Linken zur Rechten, immer fort gezählt, in eine Reihe auf den Tisch gelegt. Dann werden die zwei folgenden verdeckt auf ein Häufchen (eigentlich eine Reserve) daneben oder beiseits gelegt, und wieder vier aus dem Spiel der Ordnung nach auf die vorigen vier Karten, sowie ebenfalls wieder zwei beiseits gelegt; und so führt man fort bis der Talon erschöpft ist. Während dem Zählen legt man bis zu vier Asse unterschiedlicher Farben auf eine oberen Reihe auf. Genauso mit den vier Königen unterschiedlichen Farben, die auf eine unteren Reihe aufgelegt werden müssen. Diese vier Asse und vier Könige bilden die Grundkarten ihrer Familien. Auf die Asse baut man die anderen Karten der Familien in aufsteigender Reihenfolge bis zum König auf. Auf die Könige kommen die Karten ihrer Familien in absteigender Reihenfolge bis zum Ass. Es ist zu bemerken, dass, während dem Abzählen der vier Karten, wenn eine davon als passende aufgelegt werden kann, dieselbe nicht zu ersetzen ist, sondern mit Zählen fortgefahren wird, bis ihre Reihe kömmt, um sie dann aufzulegen.

Ist der Talon zu Ende, so werden dann die Karten des Nebenhäufchens aufgehoben, aus demselben zuerst die passenden heraus gesucht und auf die betreffenden Ass- oder Königs-Päckchen gelegt, ebenso zugleich diejenigen Karten aus der mittlern Reihe, die dadurch passend geworden sein möchten; dann wird der Rest des Seitenpäckchens verkehrt in die Hand genommen, die vier Päckchen der mittlern Reihe, der Ordnung nach, nach Belieben, von der Rechten zur Linken oder umgekehrt, ebenfalls verdeckt, auf das Seitenpäckchen, in der Hand, gelegt, mithin aus beiden ein Päckchen formiert und man fährt fort noch einmal mit dem Zählen und auslegen. Ist der Talon bei diesem zweiten Austeilen nicht erschöpft, kann man zum dritten und letzten Mal auf gleiche Weise fortfahren.

Um das Spiel zu gewinnen, alle Karten müssen aufgebraucht sein; oben auf der ersten Reihe der vier ursprünglichen Könige die Asse und auf der dritten Reihe der Asspäckchen die Könige liegen.

Es ist jedoch gestattet, auf die Asse der ersten Reihe, wenn es der Vorteil gebietet, auch nachfolgende Karten in absteigender Linie, wie König, Dame, Buben u. s. w., zu legen, ebenso auf die dritte Reihe, wo nun die Könige oben liegen, diese aber in aufsteigender Linie, wie Ass, zwei, drei, u. s. w., welche dann bei beendigtem, gewonnenem Spiel gegenseitig ausgeglichen werden, so dass auf der ersten Reihe die Asse, auf der dritten Reihe die Könige zu liegen kommen.

Parisienne

Parisienne war zuerst nur ein neuer Name, der 1866 in Le Passe-Temps Nouveau Recueil de Patiences erschien; die eigentliche Spielregeln wurden unverändert.

1880 tauchte in Le Livre Illustré des Patiences von der Gräfin von Blannccoeur eine leicht abgewandelte Variante unter diesem Name auf. Bei dieser hat man die vier Asse und vier Könige verschiedene Farben zuerst auszuziehen und als Grundkarten auszulegen. Dies vereinfacht das Spiel, da man den Talon weiterhin viermal durchspielt konnte, wenngleich beim letzten Mal ohne die Reserve.

Diese Variante wird noch heute gespielt.

Literatur

Einzelnachweise

  1. ↑ David Parlett: „Grand Duchess“ in: The Penguin Book of Patience. Penguin. London, 1979. S. 51.
  2. ↑ Eine „Aufbau-Patience mit Reserve“, d. h. eine Patience, wobei man Karten-Familien auf die Grundkarten aufbaut mit Hilfe einer Reserve. Aber man kann nicht Sequenzen auf die Tableau-Karten bauen.
  3. ↑ Albert H. Morehead und Geoffrey Mott-Smith: Grand Duchess in: The Complete Book of Patience. Faber & Faber. London, 1950. S. 125–126.
  4. ↑ Madame de F**** [Marquise de Fortia]: „La Duchess de Luynes“ in: Le Livre des Patiences. 2. Ausg. Félix Loquin. Paris, 1842. S. 32–38.
  5. ↑ Madame de Fortia war die Ehefrau von Agricol-Joseph Fortia d’Urban.
  6. ↑ Mme de Fortia: „The Duchess of Luynes“ in: Games of Patience übersetzt von Clara de Chatelain. London, 1852. S. 25–30.
  7. 1 2 3 4 5 6 Karl Jacob Durheim: „Nr. 19. Die Herzogin von Luynes. (La duchesse de Luynes.)“ in: Die Patiencen oder Geduldspiele mit Karten gesammelt, verbessert und vermehrt durch K.J.D. Haller. Bern, 1957. 80 Patiencen. S. 40–42.
  8. ↑ Dick (1883) war der erste, der das Spiel „The Grand Duchess“ nannte. Später nannten Morehead and Mott-Smith (1950) das Spiel „Grand Duchess“.
  9. ↑ Jones (1888), S. 24–25.
  10. 1 2 Comtesse de Blanccoeur: „La Parisienne“ in: Le Livre Illustré des Patiences. 1. Serie. Haar & Steinert. Paris, 1880. 60 Spiele. 114 S.
  11. ↑ Parisienne Solitaire am bvssolitaire.com. Abgerufen am 28. August 2026.