Adelheid von Chlingensperg

Schwarzweißfoto zeigt Adelheid von Chlingensperg im Halbprofil nach links schauend mit ernstem Gesichtsausdruck, Haare zum Knoten gesteckt, dunkler Mantel mit Pelzkragen, neutraler Hintergrund, nüchterne Porträtaufnahme
Adelheid von Chlingensperg nach ihrer Verhaftung durch die Gestapo Linz 1943

Adelheid von Chlingensperg (* 12. Februar 1887 in Reichenhall als Hedwig Adelheid Brunhilde von Chlingensperg auf Berg; † 29. März 1944 im KZ Auschwitz) war eine Malerin und Grafikerin, die in Deutschland geboren wurde und in Österreich lebte und wirkte. Sie starb 1944 im Konzentrationslager Auschwitz.

Leben

Adelheid von Chlingensperg wurde am 12. Februar 1887 in Reichenhall in Bayern geboren. Sie stammte aus dem bayerischen Adelsgeschlecht der Chlingensperg und war das vierte Kind der Auguste Klara Margarete (genannt Margarete; geborene Merbach; 1853–1929) und des Archäologen Max Anton Beat von Chlingensperg auf Berg (1841–1927). Ihre Eltern hielten sich für archäologische Ausgrabungen eines Gräberfelds in Reichenhall auf. Ihre Mutter Margarete unterstütze dabei aktiv die archäologischen Forschungen ihres Mannes Max von Chlingensperg.

Adelheid von Chlingensperg erhielt ihre künstlerische Ausbildung in München bei Moritz Heymann. Das Allgemeine Künstlerlexikon führt hierzu ein Studium an der Akademie der Bildenden Künste München an, allerdings scheint sie nicht in den Matrikelbüchern der Kunstakademie auf. In München war sie Vorsitzende der lokalen Ortsgruppe des Frauenkunstverbandes, der zum Bund Deutscher Frauenvereine, der Dachorganisation der bürgerlichen Frauenbewegung, gehörte.

Wann sie von München ins Salzkammergut nach Österreich übersiedelte, ist nicht belegt. Spätestens ab 1928 lebte und wirkte sie in Altmünster am Traunsee, wo sie Mitbegründerin und Obmann-Stellvertreterin der Künstlergilde Salzkammergut war.

Adelheid von Chlingensperg wurde im April 1943 nach einer Denunziation wegen „[v]ertraulichem Umgang mit Juden und staatsfeindlichen Äußerungen“ von der Gestapo Linz verhaftet und in weiterer Folge am 29. März 1944 im Konzentrationslager Auschwitz ermordet.

Künstlerisches Schaffen

Adelheid von Chlingensperg war vor allem als Malerin von Landschaftsbildern und als Radiererin von Druckgrafiken künstlerisch aktiv.

In ihrer Münchner Zeit nahm sie regelmäßig an Gruppenausstellungen teil, wie etwa an den Verkaufsausstellungen des Kunstvereins München und an der Münchener Jahresausstellung 1916 im Glaspalast mit der Radierung Nixe am Wasserfall. 1916 wurde ihr Landschaftsbild An der Karwendelbahn in der Literatur- und Kunstzeitschrift Jugend veröffentlicht. Ein von Chlingensperg gestaltetes Exlibris wurde im selben Jahr in der Zeitschrift Exlibris, Buchkunst und angewandte Graphik mit der Beschreibung „[…] ein Blatt für Elsa Köster, eine Bildhauerin, […] unter deren Hand Stein Leben gewinnt, wie sie als Mutter das Leben gleich ihrem Material zu formen weiß“ abgedruckt. In dieser Zeitschrift wurde zudem von der Zuwendung der Künstlerin zur Grafik und der Fertigstellung einer Totentanz-Serie mit 32 Blatt berichtet.

Im Archiv der deutschen Frauenbewegung sind 21 Druckgrafiken aus dem Jahr 1917 erhalten. Diese zeigen Alltagsszenen des Ersten Weltkriegs und legen besonderes Augenmerk auf die Rolle der Frauen im Krieg. Das Titelblatt ist mit Die Frau im Weltkrieg bezeichnet und zeigt Frauen bei einer Demonstration in männlich konnotierter Berufskleidung gekleidet und Werkzeuge tragend.

1928 gestaltete sie ein Triptychon-Altarbild für die Hubertuskapelle im Ostrachtal, das die floral gerahmte Kreuzigungsgruppe in der Mitte und die Hirschlegende des Heiligen Hubertus’ an den Seiten zeigte. Das Altarbild wurde 1988 durch Vandalismus zerstört und ist heute nur als Rekonstruktion nach einem Foto erhalten. Ebenfalls 1928 schuf sie im Zuge einer Ausschreibung ein Gemälde der Brauerei Gmunden, das ex aequo Platz 1 belegte und von der Brauerei zur Vervielfältigung genutzt werden sollte.

In den 1920er- und 1930er-Jahren sind regelmäßige Teilnahmen an den Gruppenausstellungen der Künstlergilde Salzkammergut dokumentiert. In der zeitgenössischen Presse wurden vor allem ihre Landschaftsbilder, aber auch Tierbilder und Stillleben, lobend hervorgehoben.

Galerie

Grafik

Malerei

Literatur

Commons: Adelheid von Chlingensperg – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise

  1. 1 2 Chlingensperg auf Berg. In: Gothaisches genealogisches Taschenbuch der briefadeligen Häuser. Band 1. Perthes, Gotha 1907, S. 99, urn:nbn:de:hbz:061:1-604327.
  2. 1 2 3 Dankmar Trier: Chlingensperg, Adelheid von. In: Allgemeines Künstlerlexikon. Die Bildenden Künstler aller Zeiten und Völker (AKL). Band 18, Saur, München u. a. 1997, ISBN 3-598-22758-2, S. 586. (Artists of the World [abgerufen am 4. September 2026]).
  3. 1 2 3 Harry Slapnicka: Wenig Extreme in einer Zeit voller Extreme. Die bildende Kunst im Gau Oberdonau. In: Stadtmuseum Linz (Hrsg.): Kunstjahrbuch der Stadt Linz. Band 1990/91, 1990, ISSN 0454-6601, S. 134.
  4. ↑ Chlingensperg-Berg, Max von (1841–1927). In: Universitätsbibliothek Heidelberg (Hrsg.): Propylaeum-VITAE. doi:10.11588/propylaeum.vitae.6a43777d24973.
  5. ↑ Eine bekannte Forscherin gestorben. In: Salzburger Volksblatt. 21. Oktober 1929, S. 5 (onb.ac.at [abgerufen am 4. September 2026]).
  6. ↑ Aus dem Salzkammergut. In: Tages-Post. Linz 21. Oktober 1929, S. 6 (onb.ac.at [abgerufen am 4. September 2026]).
  7. 1 2 Robert Corwegh: Exlibrisschau. In: Exlibris, Buchkunst und angewandte Graphik. 26 (= N. F. 10), Nr. 2, 1916, S. 122–124 (archive.org [abgerufen am 7. September 2026] auf archive.org fälschlich 1917).
  8. ↑ Matrikelbücher. In: matrikel.adbk.de. Akademie der Bildenden Künste München, abgerufen am 4. September 2026 (Die Matrikelbücher liegen bis 1935 digitalisiert vor und sind frei zugänglich.).
  9. ↑ Adressenteil. In: Bund Deutscher Frauenvereine (Hrsg.): Jahrbuch. 1918, S. 26 (meta-katalog.eu [abgerufen am 4. September 2026]).
  10. ↑ Künstlergilde Salzkammergut. In: Neues Wiener Journal. 10. Mai 1928, S. 10 (onb.ac.at [abgerufen am 4. September 2026]).
  11. ↑ Zur Erinnerung. In: Zeitgeschichte Museum/KZ-Gedenkstätte Ebensee. Archiviert vom Original am 7. Oktober 2025; abgerufen am 4. September 2026 (österreichisches Deutsch).
  12. ↑ Kunstchronik. In: Münchner neueste Nachrichten. 19. Februar 1914, S. 3 (digitale-sammlungen.de [abgerufen am 4. September 2026]). („A. von Chlingensperg und Paul Weinhold stellen ihre Talente als Radierer in vorteilhaftes Licht.“)
  13. ↑ Münchener Jahresausstellung im königlichen Glaspalast. 1916 (digitale-sammlungen.de [abgerufen am 4. September 2026]).
  14. ↑ A. v. Chlingensperg: An der Karwendelbahn. In: Jugend. Münchner illustrierte Wochenschrift für Kunst und Leben. Band 21,1, Nr. 4, 1916, S. 63, doi:10.11588/diglit.4317.4.
  15. ↑ Chlingensperg, Adelheid von. In: meta-katalog.eu. ida, abgerufen am 5. September 2026. (Siehe auch
    Commons: Die Frau im Weltkrieg – Sammlung von Bildern
    .)
  16. ↑ Aus dem Salzkammergut. Weihnachts-Kunstaustellung in Gmunden. In: Tages-Post. Linz 6. Dezember 1928, S. 8 (onb.ac.at [abgerufen am 4. September 2026]). („[…] Adelheid von Chlingensperg ein Altarbild für ein Hubertuskirchlein im Allgäu mit der prachtvollen Darstellung der Kreuzigungsgruppe in der Mitte […]“)
  17. ↑ Theater und Kunst. Ein nachahmenswertes Beispiel. In: Grazer Tagblatt. 23. März 1928, S. 3 (onb.ac.at [abgerufen am 4. September 2026]).
  18. ↑ Aus dem Salzkammergut. Die Gmundner Ausstellung der Künstlergilde Salzkammergut. In: Tages-Post. Linz 25. August 1928, S. 5 (onb.ac.at [abgerufen am 4. September 2026]). („Adelheid v. Chlingensperg spricht in neuen Traunseebildern zum Beschauer, denen sie wieder interessante Seiten abzugewinnen weiß. Besonders gut ist ‚Traunsee von der Hafenau‘.“)
  19. ↑ Kunst, Konzerte und Vorträge. In: Wiener Salonblatt. 17. August 1930, S. 11 (onb.ac.at [abgerufen am 4. September 2026]). („Adelheid v. Chlingensperg zeigt sich diesmal als hervorragende Tiermalerin, bringt aber auch kräftig betonte Hochgebirgsszenen.“)
  20. ↑ Kunst, Konzerte und Vorträge. In: Wiener Salonblatt. 27. August 1933, S. 11 (onb.ac.at [abgerufen am 4. September 2026]). („Adelheid v. Chlingensperg bringt neben männlich [sic!] angepackten Landschaften auch gute Blumenstücke.“)
Personendaten
NAME Chlingensperg, Adelheid von
ALTERNATIVNAMEN Chlingensperg auf Berg, Hedwig Adelheid Brunhilde von (vollständiger Name)
KURZBESCHREIBUNG deutsch-österreichische Malerin und Grafikerin
GEBURTSDATUM 12. Februar 1887
GEBURTSORT Reichenhall
STERBEDATUM 29. März 1944
STERBEORT KZ Auschwitz