| Adobe FrameMaker | |
|---|---|
| Basisdaten | |
| Entwickler | Adobe Inc. |
| Aktuelle Version | 2020.0.1 (4. Januar 2021) |
| Betriebssystem | Windows |
| Programmiersprache | C/C++ |
| Lizenz | proprietär |
| deutschsprachig | ja |
| www.adobe.com | |
FrameMaker ist ein professionelles Autorenwerkzeug zur Verwaltung und printorientierten Präsentation von technischen Dokumenten, das ursprünglich von der Firma Frame Technologies entwickelt und vertrieben wurde; im Jahr 1995 hat Adobe Inc. die Firma übernommen.
FrameMaker wurde ursprünglich für das Betriebssystem SunOS der Firma Sun Microsystems entwickelt und später neben vielen Unix-Systemen auf die Plattformen Apple Macintosh und Windows portiert. Die Macintosh-Portierung wird jedoch seit 2004 nicht mehr weiterentwickelt. Heute ist FrameMaker nur noch für Microsoft Windows erhältlich.
Die Stärken des Programms liegen im Bereich technischer Dokumentationen, die viele tausend Seiten umfassen können. Im mathematisch-naturwissenschaftlichen Umfeld ist FrameMaker wegen seiner praxistauglichen Formelsatzimplementation eine brauchbare Alternative zu LaTeX. FrameMaker bietet auch eine gute Unterstützung für die Erstellung von SGML- und XML-Dokumenten.
FrameMaker ist ein Programm zum Erstellen und Bearbeiten komplexer und hochwertig gelayouteter Dokumente mit semiautomatisch generierten Verzeichnissen (Inhaltsverzeichnis, Index u. v. m.), Querverweisen, stabilem Handling importierter Abbildungen und Ausgabemöglichkeiten für alle Bedürfnisse im Bereich der anspruchsvollen technischen Dokumentation.
Die Eigenschaften von FrameMaker können durch die Programmierung eigener Plug-ins mit dem FrameMaker Developer's Kit (in C++) erweitert werden. Ähnliche Möglichkeiten bietet FrameScript (in Deutschland: ElmScript), eine Skriptsprache für FrameMaker; viele Skripte sind in einschlägigen Webseiten oder Listen frei erhältlich. Ab Version 10 bringt FrameMaker mit ExtendScript eine eigene Skriptsprache (auf Basis JavaScript) mitsamt Editor-Umgebung mit, wofür ebenfalls eine Vielzahl freier oder kommerzieller Skripte erhältlich sind.
Das Programm arbeitete bis Version 7.2 intern mit dem Macintosh-Roman-Zeichensatz und hatte daher Schwierigkeiten mit nichtlateinischen Fonts. Die Schrift-Engine von FrameMaker ist ab Version 8.0 Unicode-fähig und ermöglicht auch die Publikation z. B. indischer Texte, wenn entsprechende Fonts installiert sind. Ab Version 13.0 unterstützt FrameMaker die Publikation von Texten in Sprachen, die von rechts nach links gesetzt werden (arabisch, hebräisch).
Während seines Astrophysikstudiums an der Columbia University begann Charles „Nick“ Corfield, einen WYSIWYG-Editor auf einer Sun-2-Workstation zu schreiben. Die Anregung stammte von seinem Zimmernachbarn Ben Meiry, der einen Markt für ein professionelles DTP-Programm erkannte.
Das damals einzige DTP-Programm war Interleaf, das auch auf Sun-Workstations lief, jedoch mit einer Reihe von Einschränkungen behaftet war. Während Meiry sich um die Technik und die Verbindungen kümmerte, entwickelte Corfield die Algorithmen. Nach wenigen Monaten war ein stabiler Prototyp von FrameMaker entstanden. Einem Vertriebsmann von Sun Microsystems gefiel das Programm und Corfield erlaubte ihm, FrameMaker als Grafikdemo auf Sun-Rechnern einzusetzen.
Steve Kirsch erkannte das Potenzial von FrameMaker und gründete mit Corfield (und anderen) die Firma Frame Technology Corp., um das Programm marktreif zu machen. FrameMaker wurde ein populäres Schreibprogramm für die Technische Dokumentation und brachte bald Geld ein. Ursprünglich für SunOS (eine Unix-Variante) geschrieben, wurde FrameMaker auf Apple Macintosh portiert, der sich zu der Zeit sehr gut verkaufte.
In den frühen 1990er Jahren finanzierten mehrere Hersteller von Unix-Workstations (Apollo, Data General, MIPS, Motorola und Sony) die Portierung für ihre Geräte. Auf dem Höhepunkt des Erfolges war FrameMaker auf über 13 Unix-Plattformen einsetzbar, darunter auch AIX von IBM und NeXTStep. Zu diesem Zeitpunkt ermöglichte FrameMaker Autoren die Herstellung qualitativ hochwertiger Dokumente mit guter Typografie.
Frame Technology portierte FrameMaker später auf Windows. Zielkunden waren bis zu diesem Zeitpunkt professionelle Autoren umfangreicher und stark technisch geprägter Publikationen (z. B. eines Wartungshandbuchs für die Boeing 777); dementsprechend kostete FrameMaker 2500 US-Dollar pro Lizenz. Die Windowsversion wurde jedoch für 500 US-Dollar angeboten, was das Programm für den Privatanwender erschwinglich machte, wodurch jedoch das bisher recht einheitliche Kundenprofil zerstört wurde. Das komplexe FrameMaker war für Privatanwender viel zu lernintensiv. Das Ausbleiben des erhofften Absatzes brachte die Firma an den Rand des Ruins.
FrameMaker wurde schließlich von Adobe aufgekauft und der Vertrieb wieder auf die professionelle Kundschaft ausgerichtet. Die Weiterentwicklung der Software verlief hingegen schleppend: Nach der Einführung von Mac OS X vernachlässigte Adobe die Macintosh-Plattform und gab sie schließlich im Jahr 2004 ganz auf. Die aktuelle Version unterstützt ausschließlich Microsoft Windows.
Die zu Beginn getrennt vertriebenen Programmversionen „FrameMaker“ und „FrameMaker+SGML“ (früher FrameBuilder; sehr teuer; hauptsächlich in der Luftfahrt eingesetzt) wurden 2002 mit FrameMaker 7 zu einer einzigen Version verschmolzen. Während der Installation (und auch später noch) kann seitdem entschieden werden, ob mit „FrameMaker“ oder „Strukturierter FrameMaker“ (XML-basiertes Database Publishing) gearbeitet werden soll. Die Unterstützung von Maker Interchange Format wurde 2019 eingestellt.
Im Bereich der technischen Dokumentation hatte FrameMaker einige Konkurrenzprodukte, die aber mit der wachsenden Popularität des Textverarbeitungsprogramms Microsoft Word sämtlich vom Markt verschwanden. Andererseits wurde mit PageOne ein auf dieser Basis Source-code-verwandtes DTP-System eingeführt.