Adolfo Venturi

Adolfo Venturi um 1930

Adolfo Venturi (geboren am 4. September 1856 in Modena; gestorben am 10. Juni 1941 in Santa Margherita Ligure) war ein italienischer Kunsthistoriker.

Leben

Venturi war das dritte Kind des Dekorateurs und Stuckateurs Gaetano Venturi (1820–1892) und dessen Frau Maria (geborene Barbieri; 1828–1902). Sein älterer Bruder Giuseppe Venturi (1854–1925) schlug eine militärische Laufbahn ein und wurde General, sein jüngerer Bruder Amilcare Venturi (1858–1898) übernahm später das Unternehmen des Vaters. Zudem hatte er noch zwei weitere Brüder Enrico und Ettore Venturi. Er besuchte ab 1872 Kurse für Dekoration an der Akademie der Schönen Künste in Modena und gewann dort einen zweiten Preis für Ornamentik. Er absolvierte eine kaufmännische Lehre und schloss seine Ausbildung mit einem Diplom als Buchhalter und Kaufmann ab und erwarb die Lehrbefähigung für Rechnungswesen an Schulen.

In seiner Ausbildungszeit knüpfte er Freundschaften mit Künstlern der Akademie und veröffentlichte 1876 und 1877 mehrere Rezensionen in lokalen Zeitschriften. Er lernte den ehemaligen Bürgermeister Modenas, den Kunstwissenschaftler Giuseppe Campori kennen, der sich Venturis annahm, ihn förderte und ihn auf seinem Weg im Bereich der Kunstgeschichte begleitete. In den 1870er Jahren hielt er sich in Florenz auf und traf dort unter anderem auf den späteren Bildungsminister Pasquale Villari, der als Professor am Institut für Höhere Studien arbeitete.

Im Jahr 1878 erhielt er die Stelle eines Inspektors an der Galleria Estense in Modena. Er reorganisierte die Galerie und verfasste deren ersten Katalog. Die nach modernen Kriterien durchgeführte Katalogisierung war einer der ersten wissenschaftlich fundierten Bestandskataloge einer Gemäldegalerie in Italien. Zum 1. Januar 1888 wechselte Venturi als Inspektor der Generaldirektion für Museen und Galerien unter Giovanni Battista Cavalcaselle an das Ministero dell’Istruzione (Bildungsministerium) in Rom. 1891 erhielt er den Titel Vizedirektor der Königlichen Museen und Galerien befördert, 1895 den Titel Direktor, 1898 wurde er zum Direktor der Gallerie Nazionali d’Arte Antica im Palazzo Corsini in Rom ernannt.

1899 wurde er neben seinen Ämtern in der Kulturverwaltung und als Museumsdirektor zum Professor für Kunstgeschichte an der Universität Rom ernannt, 1901 musste er seine anderen Ämter aufgeben. An der Universität begründete er die Scuola di perfezionamento per gli studi di storia dell’arte medievale e moderna, die in der Folgezeit die Mehrheit der jüngeren italienischen Kunsthistoriker durchliefen.

Am 18. September 1924 wurde er zum Senatore del Regno auf Lebenszeit ernannt. Zum 1. Januar 1925 trat er in den Partito Nazionale Fascista ein. 1931 wurde er emeritiert.

Werk

Venturi befasste sich fast ausschließlich mit der Kunst und den Künstlern Italiens und widmete sich insbesondere der Erstellung eines umfassenden und grundlegenden Werkes zur italienischen Kunstgeschichte, das die Kunst von der frühchristlichen Zeit bis zum späten 16. Jahrhundert behandelt, der Storia dell’arte italiana. 1888 begründete er mit Domenico Gnoli die Zeitschrift Archivio storico dell’arte, die bis 1897 erschien und gab ab 1898 die Fachzeitschrift L’Arte heraus. Er verfasste Abhandlungen über die Galeria Estense in Modena, über die Madonna (in mehrere Sprachen übersetzt) und zahlreiche Beiträge in Fachzeitschriften und veröffentlichte im Jahr 1896 ausführliche Studien zu Giorgio Vasaris Le Vite. Darüber hinaus verfasste er Monografien über Antonio da Correggio, Piero della Francesca, Giovanni Pisano, Raffael, Paolo Veronese und andere berühmte Künstler.

Familie

Venturi war zweimal verheiratet:

Seit 1880 mit Giovanna „Jenny“ (geborene Zanni; 1855–1940), mit der er zwei Söhne hatte

In zweiter Ehe heiratete er Maria (geborene Perotti; 1884–1973), seine ehemalige Schülerin und Sekretärin.

Mitgliedschaften

Auszeichnungen

Schriften (Auswahl)

Literatur

Commons: Adolfo Venturi – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise

  1. 1 2 Marco Cavenago: Venturi, Adolfo. In: Raffaele Romanelli (Hrsg.): Dizionario Biografico degli Italiani. Band 98: Valeriani–Verra. Istituto della Enciclopedia Italiana, Rom 2020, S. 630–634 (treccani.it).
  2. ↑ Archivio storico dell’arte. ISSN 2365-6697, doi:10.11588/diglit.17346 (Digitalisate aller Bände).
  3. ↑ Adolfo Venturi (Hrsg.): Le vite dei più eccellenti pittori, scultori e architettori. Band 1: Gentile da Fabriano e il Pisanello. Sansoni, Florenz 1896.
  4. ↑ H. Cornell: Venturi [-to’ri], Adolfo. In: Yngve Lorents (Hrsg.): Nordisk familjebok konversationslexikon och realencyklopedi. 3. Auflage. Band 20: Wallmark–Öändan. Förlagshuset Nordens Boktryckeri, Malmö 1929, Sp. 274–275 (schwedisch, runeberg.org – Nachdruck 1943–1944, textlich unverändert).
  5. ↑ Atti e memorie della R. Deputazione di Storia Patria per le Province di Romagna. Serie IV, Band 2, 1912, S. XX.
  6. ↑ Prof. Dr. Adolfo Venturi badw.de.
  7. ↑ Venturi, Adolfo 1852 lincei.it.
  8. ↑ Elenco, in ordine alfabetico, dei soci della Società dal 1926 ad oggi. sddsp.it.
  9. ↑ Adolpho Venturi academiedesbeauxarts.fr.
Personendaten
NAME Venturi, Adolfo
ALTERNATIVNAMEN Venturi, Adolf; Venturi, A.
KURZBESCHREIBUNG italienischer Kunsthistoriker
GEBURTSDATUM 4. September 1856
GEBURTSORT Modena
STERBEDATUM 10. Juni 1941
STERBEORT Santa Margherita Ligure