Johan Adrian Jacobsen

Johan Adrian Jacobsen, Foto von 1881

Johan Adrian Jacobsen (* 9. Oktober 1853 auf Risøy bei Tromsø; † 18. Januar 1947 in Tromsø) war ein norwegischer Ethnograph und Forschungsreisender. Als Kapitän und autodidaktischer Ethnologe arbeitete er für die Völkerkundemuseen in Hamburg und Berlin und als Agent für die Völkerschauen von Carl Hagenbeck in Hamburg. Während der World’s Columbian Exposition stellte Jacobsen im Namen von Carl Hagenbeck eine Sammlung aus rund 600 Objekten von 25 nicht-europäischen Kulturen aus. Diese wurde zu einem Grundstein der Sammlung des Field Museum of Natural History in Chicago.

Seine Reisen führten ihn nach Skandinavien, Nordamerika, Südamerika, Russland und Südostasien. Seine Sammlungen allein für das Königliche Museum für Völkerkunde Berlin umfasst insgesamt 12.000 Objekte, darunter mit 3.000 Objekten von der pazifischen Nordwestküste und 4.000 aus Nordalaska die bislang größte Einzelsammlung aus Nordamerika für das Ethnologische Museum Berlin.

Hagenbecks Völkerschauen

Johan Adrian Jacobsen war als Agent beteiligt an vielen der etwa fünfzig Völkerschauen von Carl Hagenbeck, die zu dessen Lebzeiten stattfanden. Er trug maßgebliche Verantwortung für die Völkerschau der „Eskimos“. Während der Schauen züchtigte er einen Inuit mit der Peitsche und gab sich in seinem Tagebuch die Schuld für den Tod der achtköpfigen Gruppe, weil er vergessen hatte, sie gegen Pocken impfen zu lassen. Auch für die in Hagenbecks Auftrag erfolgte Verschleppung von elf Kawesqar für Hagenbecks Völkerschau der „Feuerländer“ ein Jahr später war Jacobsen verantwortlich. Während dieser Schau verstarben sieben Menschen ebenfalls aufgrund mangelnder medizinischer Fürsorge. Einen anderen Verlauf nahm die einjährige Tour von neun jungen Nuxalk (damals Bella Coola), Angehörige einer indigenen Gruppe in Britisch-Kolumbien, durch Deutschland 1885 bis 1886. Die Nuxalk standen unter Vertrag, bekamen ein Honorar und machten extra Einnahmen. Jacobsen musste als Garantie für ihre Rückkehr eine Kaution von 1000 $ hinterlegen. Die Nuxalk waren darauf bedacht, ihr Programm selbst zu gestalten und nur Tänze aufzuführen, für die sie eine Berechtigung besaßen. Ob die Wissenschaftler Rudolf Virchow, Carl Stumpf und Franz Boas für ihre Körpermessungen, Interviews und Sprachaufnahmen Honorare zahlen mussten, ist nicht bekannt. Die Presse berichtete im Stil der Kritik einer Theatertournee. Im August 1886 waren alle Teilnehmer wieder zurück in Victoria, B.C. Die speziell für die Auftritte und den Verkauf angefertigten Requisiten blieben auf mehrere Orte und Institutionen verteilt in Deutschland.

Expeditionen

Johan Adrian Jacobsen, vor 1935

Ehrungen

Der Jacobsenweg in Hamburg-Stellingen wurde 1964 nach Johan Adrian Jacobsen benannt.

Schriften

Literatur

Einzelnachweise

  1. ↑ History. Webseite des Field Museums. Abgerufen am 4. Februar 2017.
  2. ↑ Viola König: Challenging the Jacobsen Collections from the American Northwest Coast and Alaska: A Long Durée of Multilateral Engagement and Complex Relationships 1881–2021. In: Hildegard Dilger, Brigitta Göbel, Lars-Christian Koch, Susanne Schütze, Anja von Poser (Hrsg.): Collections as Relations: Contestations of Belonging, Cultural Heritage, and Knowledge Infrastructures. Routledge, London 2024, S. 199. doi:10.4324/9781003370024
  3. ↑ Hilke Thode-Arora: Für fünfzig Pfennig um die Welt. Frankfurt am Main 1989, S. 125
  4. ↑ Anne Dreesbach: Gezähmte Wilde. Frankfurt am Main 2005, S. 72.
  5. ↑ Gabi Eissenberger: Entführt, verspottet und gestorben. Frankfurt am Main 1996, S. 145–169.
  6. ↑ Viola König: Die etwas andere Völkerschau. Die Nuxalk auf Tour in Deutschland 1885–1886. In: Völkerschau-Objekte, Lübeck 2021, S. 21–32.
  7. ↑ Die Straßen von Stellingen. neuesstellingen, abgerufen am 19. Mai 2013.
  8. ↑ Achtung: Die Datenbasis hat sich geändert; bitte Ergebnis überprüfen und SBB=1 setzen, wenn Ergebnis sinnvoll.
Personendaten
NAME Jacobsen, Johan Adrian
KURZBESCHREIBUNG norwegischer Ethnologe
GEBURTSDATUM 9. Oktober 1853
GEBURTSORT Risøy bei Tromsø
STERBEDATUM 18. Januar 1947
STERBEORT Tromsø