Aficamten

Strukturformel
Strukturformel von Aficamten
Allgemeines
Freiname Aficamten
Andere Namen
  • N-[(1R)-5-(5-Ethyl-1,2,4-oxadiazol-3-yl)-2,3-dihydro-1H-inden-1-yl]-1-methyl-1H-pyrazol-4-carboxamid
  • CK-3773274
Summenformel C18H9N5O2
Externe Identifikatoren/Datenbanken
CAS-Nummer 2364554-48-1
PubChem 139331495
ChemSpider 114935503
DrugBank DB18490
Wikidata Q106438207
Arzneistoffangaben
Wirkstoffklasse

Herztherapeutikum

Wirkmechanismus

Kardialer Myosininhibitor

Eigenschaften
Molare Masse 337,38 g·mol−1
Aggregatzustand

fest

Löslichkeit

löslich in DMSO

Sicherheitshinweise
GHS-Gefahrstoffkennzeichnung
keine GHS-Piktogramme

H- und P-Sätze H: keine H-Sätze
P: keine P-Sätze
Wenn nicht anders vermerkt, gelten die angegebenen Daten bei Standardbedingungen (0 °C, 1000 hPa).

Pharmakologische Daten
Verabreichungsweg Oral (Einnahme)
Plasmaeiweißbindung 90 %
Maximaler Plasmaspiegel nach 1,5 Stunden, Zeit bis zum Steady-State ca. 17 Tage
Halbwertszeit 80 Stunden
Metabolisierung Hepatisch, vorwiegend CYP2C9, CYP3A und CYP2D6
Ausscheidung Urin, Fäzes

Aficamten ist ein Arzneistoff aus der Gruppe der kardialen Myosininhibitoren (CMI). Unter dem Namen Myqorzo (Hersteller: Cytokinetics) wurde er im Februar 2026 in der Europäischen Union zugelassen zur Behandlung der obstruktiven hypertrophen Kardiomyopathie (HOCM), einer seltenen Erbkrankheit des Herzens, bei der es zu lebensbedrohlichen Herzereignissen kommen kann.

Die Anwendung erfolgt oral (Einnahme).

Wirkungsmechanismus

Wie das bereits verfügbare Mavacamten hemmt Aficamten die Bildung von Myosin-Aktin-Querbrücken, indem es reversibel an die Motordomäne des kardialen Myosins bindet und den Eintritt in den kraftproduzierenden Zustand verhindert. In der Folge wird die Kontraktilität des Herzmuskels reduziert.

Pharmakokinetisch unterscheidet sich Aficamten durch eine kürzere Halbwertszeit und rascheres Erreichen der Steady-State-Konzentration von Mavacamten. Im Vergleich zu Mavacamten hat es eine flachere Dosis-Wirkungs-Beziehung, was bedeutet, dass bei einer Dosiserhöhung die linksventrikuläre Auswurffraktion vergleichsweise weniger abnimmt.

Schematische Darstellung des Wirkungsmechanismus von Aficamten im Vergleich zu Mavacamten. HCM = hypertrophe Kardiomyopathie, ADP = Adenosindiphosphat, Pi = freigesetztes Phosphat; nach Savsin et al., 2025.

Therapeutische Verwendung

Anwendungsgebiet

Das zugelassene Anwendungsgebiet umfasst die Behandlung der symptomatischen (New York Heart Association NYHA Klasse II-III) hypertrophen obstruktiven Kardiomyopathie bei erwachsenen Patienten.

Klinische Prüfung

Die Zulassung basiert auf den Ergebnissen der multizentrischen Studie SEQUOIA-HCM an 282 Erwachsene mit symptomatischer HOCM, die über 24 Wochen mit Aficamten oder Placebo behandelt wurden.

Die Studienteilnehmer zeigten unter Aficamten im Vergleich zu Placebo eine stärkere Verbesserung der maximalen Sauerstoffaufnahme (pVO2, primärer Endpunkt). Es kam zu einer signifikanten Verbesserung des Gradienten im linksventrikulären Ausflusstrakt (LVOT-G). Bei 59 Prozent der Teilnehmer verbesserte sich die körperliche Aktivitätseinschränkung (Verbesserung um ≥ 1 NYHA-Klasse) im Vergleich zu 24 Prozent bei den Placebo-Empfängern.

Nebenwirkungen und Anwendungsbeschränkungen

Die am häufigsten berichteten Nebenwirkungen waren Schwindelgefühl, systolische Dysfunktion (definiert als linksventrikuläre Ejektionsfraktion (LVEF) < 50 %), Herzstolpern (Palpitationen) und Hypertonie. Nicht angewendet werden darf Aficamten gleichzeitig mit bestimmten CYP2C9-, CYP2D6- und CYP3A4-Induktoren (z. B. Adagrasib, Fluconazol, Rifampicin, Johanniskraut), da dies die Verstoffwechselung (Abbau) von Aficamten hemmt und es zur erhöhten Exposition kommt.

Da Aficamten die kardiale Kontraktilität und die LVEF verringert, kann es zu einer systolischen Dysfunktion mit Herzversagen kommen. Daher muss bei Patienten während der Therapie ein Monitoring der Herzfunktion erfolgen.

Zulassung und Handelsnamen

Die Zulassung erfolgte unter dem Namen Myqorzo 2025 in den USA und 2026 für den EWR.

In den USA wurde der Status Breakthrough Therapy und Orphan-Arzneimittel zuerteilt.

Einzelnachweise

  1. ↑ INN Recommended List 86, World Health Organisation (WHO), 2. September 2021.
  2. 1 2 3 4 Aficamten (CAS 2364554-48-1). In: caymanchem.com. Abgerufen am 2. März 2026 (englisch).
  3. 1 2 3 4 5 6 Zusammenfassung der Merkmale des Arzneimittels, ec.europa.eu, 12. Februar 2026.
  4. ↑ James J. Hartman, Darren T. Hwee, Julien Robert-Paganin, Chihyuan Chuang, Eva R. Chin, Samantha Edell, Ken H. Lee, Roshni Madhvani, Preeti Paliwal, Julien Pernier, Saswata Sankar Sarkar, Julia Schaletzky, Kristine Schauer, Khanha D. Taheri, Jingying Wang, Eddie Wehri, Yangsong Wu, Anne Houdusse, Bradley P. Morgan, Fady I. Malik: Aficamten is a small-molecule cardiac myosin inhibitor designed to treat hypertrophic cardiomyopathy. In: Nature Cardiovascular Research. Band 3, Nr. 8, 23. Juli 2024, S. 1003–1016, doi:10.1038/s44161-024-00505-0.
  5. 1 2 Helin Savsin, Tomasz Tokarek: Comprehensive Review: Mavacamten and Aficamten in Hypertrophic Cardiomyopathy. In: Biomedicines. Band 13, Nr. 7, 1. Juli 2025, S. 1619, doi:10.3390/biomedicines13071619.
  6. ↑ Martin S. Maron, Ahmad Masri, Michael E. Nassif, Roberto Barriales-Villa, Michael Arad, Nuno Cardim, Lubna Choudhury, Brian Claggett, Caroline J. Coats, Hans-Dirk Düngen, Pablo Garcia-Pavia, Albert A. Hagège, James L. Januzzi, Matthew M.Y. Lee, Gregory D. Lewis, Chang-Sheng Ma, Michelle Michels, Iacopo Olivotto, Artur Oreziak, Anjali T. Owens, John A. Spertus, Scott D. Solomon, Jacob Tfelt-Hansen, Marion van Sinttruije, Josef Veselka, Hugh Watkins, Daniel L. Jacoby, Stephen B. Heitner, Stuart Kupfer, Fady I. Malik, Lisa Meng, Amy Wohltman, Theodore P. Abraham: Aficamten for Symptomatic Obstructive Hypertrophic Cardiomyopathy. In: New England Journal of Medicine. Band 390, Nr. 20, 30. Mai 2024, S. 1849–1861, doi:10.1056/NEJMoa2401424.
  7. 1 2 Center for Drug Evaluation and Research: FDA approves drug to improve functional capacity and symptoms in adults with rare inherited heart condition. In: www.fda.gov. 23. Dezember 2025.
  8. ↑ EU/1/25/2014. Public Health - European Commission. Abgerufen am 1. März 2026 (englisch).