Der Agile Unified Process (AUP) ist ein hybrider Modellierungsansatz, der den Unified Process (UP) mit agiler Softwareentwicklung verbindet. Es handelt sich dabei um ein Vorgehensmodell welches Scott Ambler nach dem Enterprise Unified Process (EUP) entwickelt und veröffentlicht wurde.
AUP kombiniert das konventionelle Prozessmodell Unified Process (UP) bzw. Rational Unified Process (RUP), das ursprünglich vom Unternehmen Rational Software (heute IBM) entwickelt wurde, mit den Prinzipien, Vorgehensweisen und Werten der agilen Softwareentwicklung. Das AUP wird durch die folgenden agile Software-Techniken ergänzt, die beispielsweise zur Steigerung der Produktivität beitragen:
Scott Ambler hat die Arbeit an dem Ansatz etwa 2006 eingestellt und ab etwa 2009 am sogenannten Disciplined Agile Delivery (DAD)-Framework weitergearbeitet. Letzteres beinhaltet das AUP und wurde als Disciplined Agile (DA) im Jahr 2019 an das Project Management Institute (PMI) verkauft. Ambler vermarktet den Enterprise Unified Process (EUP) weiterhin auf seiner eigenen Homepage.
Der Agile Unified Process (AUP) baut auf den folgenden Prinzipien und Thesen auf:
Der Prozess besteht aus sieben Workflows und vier Phasen. Die Phasen werden einmalig innerhalb eines Projekts durchlaufen, die Workflows hingegen iterativ. In bestimmten Phasen werden bestimmte Workflows mehr oder weniger intensiv durchgeführt.
Die vier Phasen des AUP sind dieselben wie jene des RUP:
Die Workflows definieren die Aktivitäten, die das Entwicklungsteam ausführen muss, um laufende Software zu entwickeln, zu validieren und zu liefern, die die Bedürfnisse der Stakeholder befriedigt. Die Einordnung erfolgt danach, in welchen Phasen die einzelnen Workflows relevant sind.
Hierbei gibt es einige Unterschiede zum Rational Unified Process (RUP) zu beachten: Zum einen wurden die Arbeitsschritte Geschäftsmodellierung, Anforderungen und Analyse & Design beim AUP zu Verstehen zusammengefasst. Zum anderen ist der Arbeitsschritt Konfigurations- und Änderungsmanagement nur als Konfigurationsmanagement dargestellt. Das Änderungsmanagement ist bei der agilen Softwareentwicklung typischerweise in der Anforderungsfindung verortet, wohingegen es sich beim AUP unter dem Punkt Verstehen wiederfindet.

Statt eines „Big Bang“-Release wie bei älteren Softwareprojekten, wo die gesamte Software auf einmal in die Produktion geliefert wurde, wird beim AUP die Software in Portionen (Version 1, Version 2, …) geliefert. Üblicherweise wird nach dem Ende jeder Iteration ein Development-Release in eine Testumgebung (Vor-Produktionsumgebung) veröffentlicht, wobei der Development-Release den Anspruch erhebt, potenziell in die Produktion geliefert werden zu könnte. In dieser Testumgebung kann dann die Qualitätssicherung durchgeführt werden, bevor dann eine Version, die ein Mindestmaß an Qualität aufweist, in die Produktion gehen kann.