Der Enterprise Unified Process (EUP) ist ein Vorgehensmodell zur Softwareentwicklung in Kombination mit geschäftlichen Aspekten und eine erweiterte Variante des Rational Unified Process (RUP).
Die Hauptmotivation für Enterprise Unified Process (EUP) waren einige Schwächen des RUP, insbesondere in den Bereichen Support und Außerbetriebnahme von Softwaresystemen. Beide Themen wurden jeweils als neue Phase angefügt. Zusätzlich wurden neue Projekt- und Unternehmens-Arbeitsschritte definiert, um den gesamten Lebenszyklus eines Softwaresystems aus Unternehmenssicht abzudecken—daher der Name „Enterprise“ viz. Konzern oder Unternehmen. RUP ist damit ein Teilbereich des EUP.
Das Enterprise Unified Process (EUP) wurde ab etwa 1999 von den Software-Beratern Scott Ambler und Larry Constantine vorgeschlagen und bis 2005 nachgearbeitet. Die nächste Stufe des Modells von Ambler war das Agile Unified Process (AUP). Letzteres ging in der Disciplined Agile (DA) Methode auf, welches im Jahr 2019 vom Project Management Institute (PMI) übernommen wurde. Ambler vermarktet den EUP weiterhin auf seiner eigenen Homepage.
Die Prozessergänzungen des EUP sollen einerseits der Organisation von Softwareprojekten aus Sicht des Kunden dienen und definieren andererseits die Bereiche im Unternehmen, die vor und nach Softwareprojekten einen wesentlichen Beitrag zum Projekterfolg leisten können. In dieser „Unternehmenssicht“ spielen (neben dem Software-Lebenszyklus) noch andere Lebenszyklen eine Rolle, da das Softwaresystem in den IT-Lebenszyklus und dieser wieder in den Unternehmenslebenszyklus eingebunden ist. Mit Unternehmen ist hier immer das Unternehmen gemeint, das die Software auch tatsächlich einsetzt.
Wie auch RUP beschreibt der EUP ein idealtypisches Organisations- und Vorgehensmodell. Der Prozess soll einen Überblick über alle Aktivitäten, Rollen und Erzeugnisse geben, die für die Planung und den Einsatz von Softwareprojekten in einem Unternehmen notwendig sind. Wie bei allen Vorgehensmodellen ist vor dem Einsatz in einem konkreten Fall eine Anpassung (englisch tailoring, wortwörtlich Zuschneiden) erforderlich, um einerseits auf die spezifischen Unternehmensbedingungen Rücksicht nehmen zu können und andererseits eine der Lernkurven des Unternehmens angepasste, stufenweise Übernahme der einzelnen Praktiken und Methoden zu gewährleisten. Ebenso wie RUP, ist der EUP im Großen sequentiell, im Kleinen iterativ.
Ambler schlägt die folgende Vorgehensweise für die Einführung des Enterprise Unified Process (EUP) in einer Organisation vor. Dabei soll jedes Unternehmen für sich entscheiden, wo die dringendsten Probleme liegen und mit welchen EUP-Elementen es beginnen möchte. Die folgenden Phasen sind gemeint: