Alan Cameron

Alan Cameron, 2013

Alan Douglas Edward Cameron (* 13. März 1938 in Windsor, Berkshire; † 31. Juli 2017 in New York) war ein britischer Klassischer Philologe, Althistoriker und Byzantinist.

Leben

Alan Cameron besuchte von 1951 bis 1956 die St. Paul’s School in London. Er studierte an der Universität Oxford (1961 B. A., 1964 M. A.). Seine akademische Laufbahn begann er 1961 als Lecturer an der University of Glasgow. Anschließend war er Lecturer und dann Reader in Latein am Bedford College in London (1964–1972). Von 1972 bis 1977 hatte er einen Lehrstuhl am King’s College London. Ab 1977 lehrte er an der Columbia University in New York und war bis 2008 Charles Anthon Professor of the Latin Language and Literature. Er war von 1962 bis 1980 mit der Althistorikerin und Byzantinistin Averil Cameron verheiratet.

Werk

Sein Forschungs- und Lehrgebiet umfasste hellenistische und römische Dichtungen, spätantike Literatur, Aspekte der spätantiken und byzantinischen Geschichte sowie die Überlieferungsgeschichte antiker Texte. Unter seinen Forscherkollegen wurde er geschätzt und teilweise gefürchtet für seine nicht selten polemische „Neigung zur kreativen Zerstörung“ vieler Standard-Lehrmeinungen.

Cameron galt als einer der führenden Forscher über Claudian. Mit seiner 1970 erschienenen Abhandlung über den bedeutendsten spätrömischen Dichter gab er zahlreiche Impulse. Wenngleich manche seiner Schlussfolgerungen umstritten sind, gilt das Buch als Standardwerk. Des Weiteren hat sich Cameron mit den spätrömischen und frühbyzantinischen Zirkusparteien beschäftigt, in denen er wenig mehr als Hooligans erblickte. Damit widersprach er Modellen, die den Zirkusparteien religiöse oder politische Lagerbildung zusprachen. Die beiden entsprechenden Monographien, Porphyrius the Charioteer (1973) und Circus factions (1976), waren sehr einflussreich und prägen die Forschung bis heute. Ähnliches gilt für seine Studien zu den Verhältnissen an den Höfen der Kaiser Flavius Honorius und Arcadius.

Ende 2010 erschien nach jahrelanger Verzögerung die lange erwartete und sehr umfangreiche Studie The Last Pagans of Rome, in der sich Cameron vor allem mit den paganen senatorischen Eliten im 4. Jahrhundert auseinandersetzt. Basierend auf jahrzehntelangen Forschungen – so waren seine bahnbrechenden Arbeiten zur Datierung der Saturnalia des Macrobius schon in den 60er Jahren erschienen und hatten sich mittlerweile durchgesetzt – weist er vor allem die Idee eines „pagan revival“ zurück. Insbesondere relativiert er in dem Werk das Ausmaß der Auseinandersetzung zwischen paganen und christlichen Vorstellungen in dieser Zeit und betont, dass viele der klassischen Kulturvorstellungen auch für Christen von Bedeutung waren. Es habe keinen gewaltsamen Widerstand durch heidnische Senatorenkreise um Virius Nicomachus Flavianus und Quintus Aurelius Symmachus gegeben, vielmehr hätten sich die Heiden Schritt für Schritt den christlichen Begebenheiten angepasst. Auch dieses Buch hat in der Forschung erhebliche Beachtung gefunden. Camerons verschiedene Thesen wurden kontrovers diskutiert, so bereits auf einer am 10. und 11. November 2011 im italienischen Perugia stattgefundenen wissenschaftlichen Konferenz, aber auch in zahlreichen, teilweise ausführlichen Rezensionen.

Mitgliedschaften und Ehrungen

Für seine Forschungen wurden Cameron zahlreiche wissenschaftliche Ehrungen und Mitgliedschaften zugesprochen. Er wurde in die British Academy (1975), die American Academy of Arts and Sciences (1979) und die American Philosophical Society (1992) aufgenommen. Im Jahr 1997 erhielt er den Goodwin Award of Merit in classical scholarship von der American Philological Association, 2005 den Lionel Trilling Award der Columbia University und 2013 die Kenyon Medal for Classical Studies der British Academy.

Schriften

Literatur

Commons: Alan Cameron – Sammlung von Bildern

Anmerkungen

  1. ↑ Professor Alan Cameron, 1938–2017. Abgerufen am 3. August 2017.
  2. ↑ Gavin Kelly: Alan Cameron’s Last Pagans of Rome. In: Classical Review. Band 65, Nr. 1, 2015, S. 230–233 (Digitalisat): „C.’s penchant for creative destruction is well known, and occasionally the ‘standard views’ polemicised against have already so wilted under his attack and that of others that readers may think them made of straw“.
  3. ↑ Vgl. die Rezension von Christian Gnilka in Gnomon 49, 1977, S. 26–51.
  4. ↑ Vgl. etwa Alexander Puk: Das römische Spielewesen in der Spätantike. Walter de Gruyter, Berlin/München/Boston 2014, ISBN 978-3-11-033745-7 (Open Access), S. 7 f.
  5. ↑ Alan Cameron: The Date and Identity of Macrobius. In: The Journal of Roman Studies. Band 56, 1966, S. 25–38; Alan Cameron: Macrobius, Avienus and Avianus. In: The Classical Quarterly. Band 17, 1967, S. 385–395.
  6. ↑ Siehe dazu die Beiträge in: Rita Lizzi Testa (Hrsg.): The Strange Death of Pagan Rome. Reflections on a Historiographical Controversy (= Giornale Italiano di Filologia. Bibliotheca 16). Brepols, Turnhout 2013, ISBN 978-2-503-54942-2. Vgl. hierzu die Rezensionen: Raphael Brendel: Besprechung bei sehepunkte; James J. O’Donnell: The Strange Death of Pagan Rome: Reflections on a Historiographical Controversy. Giornale Italiano di Filologia: Bibliotheca, 16. In: Bryn Mawr Classical Review 2014.09.53, der feststellt: „On balance, the reviewers accord high praise to Cameron and launch no counteroffensives, not even (that I could see) passive aggressive ones“.
  7. ↑ Etwa François Paschoud in: Antiquité Tardive. Band 20, 2012, S. 359–393; Peter Brown: Paganism: What We Owe the Christians. In: The New York Review of Books. 7. April 2011, S. 68–72 (online); Ulrich Lambrecht: Rezension zu: Cameron, Alan: The Last Pagans of Rome. In: H-Soz-Kult, 14. Juni 2011; Peter Gemeinhardt: Alan Cameron, The Last Pagans of Rome, Oxford 2011. In: Zeitschrift für Antike und Christentum. Band 17, 2013, S. 386–391 (PDF); Gavin Kelly: Alan Cameron’s Last Pagans of Rome. In: Classical Review. Band 65, Nr. 1, 2015, S. 230–233 (Digitalisat); Mischa Meier: Rezension von: Alan Cameron: The Last Pagans of Rome, in: sehepunkte, Nr. 12, 15. Dezember 2012.
  8. ↑ Mitgliedsseite bei der British Academy (Memento vom 6. August 2017 im Internet Archive)
  9. ↑ Besprechung in Bryn Mawr Classical Review.
  10. ↑ Besprechung in Bryn Mawr Classical Review.