Albert Sixtus

Albert Sixtus (* 12. Mai 1892 in Hainichen; † 24. Februar 1960 in Jena) war ein deutscher Kinder- und Jugendbuchautor. Sein wohl bekanntestes Werk ist Die Häschenschule (1924).

Leben und Werk

Er wurde als zweiter Sohn eines sächsischen Landgendarmen geboren und besuchte die Volksschulen in Stolpen (Sachsen) und Reichenau in Sa. (heute Bogatynia, Polen). Ab 1906 besuchte er das Lehrerseminar in Pirna, das er 1912 mit Auszeichnung abschloss. Im November 1914 bestand er eine Wahlfähigkeitsprüfung, was dem heutigen 1. Staatsexamen gleichkommt; im April 1915 trat er eine ständige Stelle an der Städtischen Realschule in Kirchberg an. Im Mai 1915 heiratete er Milda Preußger, die am 26. Dezember desselben Jahres den Sohn Wolfgang Manfred Sixtus gebar.

Im Ersten Weltkrieg wurde Albert Sixtus zunächst wegen Kurzsichtigkeit ausgemustert, im Dezember 1915 jedoch als Infanterist an die Westfront beordert, wo er nach der Schlacht um Verdun wegen Furunkulose im Spital behandelt wurde. Nach einer Ausbildung zum Kanonier wurde er im Frühjahr 1918 schwer verwundet und entkam einer neuen Verwendung im Oktober nur dank der Säumigkeit der Behörden und der Novemberrevolution. Am 2. Dezember 1918 wurde Sixtus entlassen und trat erneut seinen Schuldienst in Kirchberg an.

Seine literarische Tätigkeit begann Albert Sixtus mit der Veröffentlichung des Märchenbuchs Mein Guckkästchen (1922). In den folgenden Jahren erschienen zahlreiche weitere Märchenbücher.

Sein wohl bekanntestes Werk, Die Häschenschule, das von Fritz Koch-Gotha mit Illustrationen versehen wurde, wurde mehr als 2,5 Millionen Mal verkauft und ins Englische, Lateinische sowie diverse Mundarten übersetzt. Die Verse hat Sixtus eigenen Angaben zufolge in nur einer Nacht Ende April 1922 verfasst. Die Veröffentlichung erfolgte im Spätsommer 1924. Das Werk inspirierte den 2017 veröffentlichten Animationsfilm Die Häschenschule – Jagd nach dem Goldenen Ei sowie dessen Fortsetzung.

1925 begann er die Jugendbuch-Trilogie Die wilden Jungen von der Feuerburg. 1928 wurde er in Glauchau Mitglied der Schlaraffen (Reych Glauchavia), 1930 zum „Ritter Häschenklein der Sixtaner“ geschlagen. Bis 1936 erschienen von Albert Sixtus 44 Bilderbücher, zehn Märchenspiele, drei Abenteuerromane, drei Märchenbücher und zwei Gedichtbände. Zudem schrieb Sixtus regelmäßig Beiträge für verschiedene Kinderzeitschriften.

Im Oktober 1937 wurde Sixtus für zwei Tage von der Gestapo verhaftet und litt nach seiner Freilassung unter zahlreichen Einschränkungen und Auflagen für seine literarische Betätigung. Vor dem Hintergrund seiner Pensionierung im Juni desselben Jahres wog dies umso schwerer: Neben seiner Kriegsverletzung (Steckschuss in der Leber) machte ihm der nationalsozialistische Rektor seiner Amtsstelle zu Glauchau zu schaffen. Im Dezember 1938 zog Sixtus nach Jena, um den Glauchauer Spitzeln der Gestapo zu entgehen. Dort begann sein Sohn Wolfgang ein Studium der Philologie.

Während der Zeit des Nationalsozialismus verdiente Sixtus seinen Lebensunterhalt mit Beiträgen für Auerbachs Deutschen Kinderkalender; insbesondere als „Kalendermann“, der mit Kindern aus aller Welt korrespondierte. Durch sein Engagement wurde der 1935 erstmals in brauner Farbe mit dem Motiv der Hitlerjugend gestaltete Kinderkalender im Folgejahr wieder in roter Farbe mit dem üblichen Motiv gefasst.

Zwar schon 1926 begonnen, erschien erst 1941 sein bekanntestes Jugendbuch Das Geheimnis des Riesenhügels. Das Manuskript wurde ihm 1936 entwendet, umgeschrieben und erschien 1938 als Plagiat Doktor Kleinermacher.

Im Zweiten Weltkrieg, den Sixtus in Jena erlebte, verlor er seinen inzwischen verheirateten Sohn, der an der Ostfront fiel und bis heute verschollen ist. Nach dem Zusammenbruch des Nazi-Regimes konnte er zwar seine schriftstellerische Tätigkeit wieder verstärkt aufnehmen, aber seine Gesundheit verschlechterte sich zusehends – teils durch den Verlust seines Sohnes, teils durch den Granatsplitter in seiner Leber, der umherzuwandern begann. Nach langer Krankheit starb Sixtus am 24. Februar 1960 in Jena.

37 Jahre später fand man auf dem Dachboden einer alten Werkstatt einen Reisekorb mit seinem schriftstellerischen Nachlass. Er enthielt eine Fülle unveröffentlichter Schriften, die sich in einem schlechten Erhaltungszustand befanden, darunter Verse für ca. 30 Bilderbücher, zwei Märchenspiele, einige Kindererzählungen, einen Roman, einen Abenteuerroman für Kinder, eine Biografie, Theaterstücke und über 100 Gedichte für Kinder und Erwachsene.

1997 entstand das Albert-Sixtus-Archiv, in dem das gesamte Material und ein Teil seines Briefwechsels geordnet und gesichtet werden. Das Bemühen des Archivs gilt dem Erhalt der alten Bestände.

In Kirchberg wurde eine Straße nach Albert Sixtus benannt.

Werke

Belege

  1. 1 2 100 Jahre «Häschenschule»: Eine neue Version polarisiert. Rhein-Zeitung, 19. August 2024
  2. 1 2 3 4 5 Westfälische Nachrichten: Neue „Häschenschule“ polarisiert – Millionenfach verkauft: Der Kinderbuchklassiker von Albert Sixtus wird 100 Jahre alt, Kultur, Kirchberg, Andreas Hummel, 31. August 2024