Albrecht von Kessel (* 6. November 1902 in Ober-Glauche, Kreis Trebnitz, Schlesien; † 15. April 1976 in Bad Godesberg) war ein deutscher Diplomat.
Albrecht von Kessel war Sohn des Rittergutsbesitzers und konservativen Landtagsabgeordneten Kurt von Kessel und dessen Ehefrau Theodora, geborene von Bethmann-Hollweg, einer Cousine von Reichskanzler Theobald von Bethmann Hollweg. Sein Bruder Friedrich von Kessel war nach dem Krieg Landwirtschaftsminister in Niedersachsen und Parteivorsitzender des GB/BHE.
Von Kessel besuchte die Klosterschule Roßleben und studierte Jura in München und Breslau. Nach dem Referendarexamen 1926 wurde er 1927 in den Diplomatischen Dienst einberufen. Er wurde zunächst bis 1930 in der Zentrale des Auswärtigen Amts in Berlin und anschließend bis 1932 an der Botschaft beim Heiligen Stuhl eingesetzt. Daraufhin war er von 1932 bis 1934 am Generalkonsulat in Kattowitz, 1935 am Generalkonsulat in Memel und von 1935 bis 1937 an der Gesandtschaft in Bern tätig. 1937 kehrte er in die Zentrale des Auswärtigen Amts zurück, wo er 1938/39 persönlicher Referent des Reichsaußenministers Konstantin von Neurath war. 1939 wurde er in der besetzten Tschechoslowakei in Prag eingesetzt, 1941 bis 1943 im Konsulat in Genf. Er half der deutschen Opposition gegen Hitler, mit der freien Welt in Verbindung zu bleiben. Er gehörte zum „Freundes- und Mitwisserkreis“ um Hans Bernd von Haeften und Adam von Trott zu Solz, allerdings nicht zum Kreisauer Kreis (vgl. Peter Steinbach und Harald Vocke).
Von 1943 bis 1945 war er Gesandtschaftsrat an der Botschaft beim Heiligen Stuhl. Seit der alliierten Besetzung Roms am 4. Juni 1944 – also schon vor dem Scheitern des Attentats vom 20. Juli 1944 – war er zusammen mit Botschafter Ernst von Weizsäcker und weiteren Botschaftsangehörigen wie der Familie von Sigismund von Braun im Vatikan durch eine Art von goldenem Käfig sowohl vor dem Zugriff durch US-amerikanische Truppen als auch vor der Verfolgung durch die Nazis geschützt. Ohne Erlaubnis der Alliierten durften sie ihr Domizil im Vatikan nicht verlassen und in die Stadt Rom gelangen. Gelegentlich wurde diese Erlaubnis erteilt, wie zum Beispiel zur Geburt und dann später zur Taufe von Kindern der deutschen Diplomaten. Ende August 1946 kehrte er zusammen mit weiteren Botschaftsangehörigen zurück in die amerikanische Zone in Deutschland, nachdem ihm freies Geleit zugesichert wurde. Allerdings hielten sich die Amerikaner nicht an diese Zusage, sondern internierten Kessel sowie andere Angehörige des Auswärtigen Dienstes in der Festung Hohenasperg nahe Ludwigsburg zwecks Durchführung des damals üblichen Entnazifizierungsverfahrens. Er wurde 1948 als „Entlasteter“ eingestuft.
Nach dem Zweiten Weltkrieg war er zunächst bis 1950 Herausgeber einer außenpolitischen Korrespondenz. Ab 1950 war er wieder im diplomatischen Dienst der Bundesrepublik Deutschland tätig. Er wurde zunächst dem Generalkonsulat in Paris zugeteilt und wurde 1951 stellvertretender Leiter der deutschen Pleven-Plan-Delegation. Zunächst vertrat er traditionelle außenpolitische Vorstellungen einer Brückenfunktion Deutschlands als Mittler zwischen Ost und West. Die Wiedervereinigung war ihm oberstes Ziel, dafür wollt er bis Anfang der fünfziger Jahre eine Neutralisierung Deutschlands in Kauf nehmen. Später erschien ihm die Westbindung und ihre freiheitliche Grundordnung unabdingbar. Eine Wiedervereinigung schien ihm nur im Rahmen einer europäischen Einigung möglich, die als „dritte Kraft“ eine Mittlerfunktion zwischen den Blöcken bilden müsse.
Im September 1959 schied er enttäuscht über die Ost- und Deutschlandpolitik (Hallstein-Doktrin) aus dem Dienst. Er gilt als Wegbereiter der Ostpolitik von Willy Brandt. Er publizierte nach seinem Ausscheiden aus dem diplomatischen Dienst u. a. in der Welt und der Zeit. Eine Gedenktafel im heutigen Głuchów Górny (Ober-Glauche) erinnert an ihn.
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Kessel, Albrecht von |
| KURZBESCHREIBUNG | deutscher Diplomat und Gegner des Nationalsozialismus |
| GEBURTSDATUM | 6. November 1902 |
| GEBURTSORT | Ober-Glauche |
| STERBEDATUM | 15. April 1976 |
| STERBEORT | Bad Godesberg |