Alexanderreliquiar

Alexanderreliquiar, Vorderansicht
Alexanderreliquiar, Seitenansicht

Das Alexanderreliquiar (auch Alexanderkopfreliquiar oder Alexanderkopf) ist ein „sprechendes Reliquiar“, in dem ursprünglich u. a. ein Teil einer Schädelreliquie Papst Alexanders I. aufbewahrt war.

Geschichte

Das Werk wurde im Auftrag von Abt Wibald von Stablo (1098–1158) in einer maasländischen Werkstatt für das Kloster Stablo/Stavelot gefertigt, aus der nach stilistischen Vergleichen auch das Stavelot-Triptychon stammt. In das Behältnis brachte Wibald am Karfreitag des Jahres 1145 ein Reliquienkonvolut ein. Neben der Alexanderreliquie gehörten dazu u. a. auch Holz vom Tisch des letzten Abendmahls Jesu.

Das Reliquiar gelangte bei der Auflösung der Abtei nach Xhendelesse bei Herve. Dort wurde 1805 die neue Kirche Église Saint-Alexandre errichtet, in der der Reliquiar aufbewahrt wurde. Anlässlich des Neubaus der Kirche wurde er 1861 an die Königlichen Museen für Kunst und Geschichte in Brüssel verkauft.

Die Reliquien wurden 1824 entnommen und erst 2005 zusammen mit einer Hinterlegungsurkunde Wibalds wiederentdeckt und befinden sich heute in der Pfarrkirche Heiliger Johannes der Täufer (Église Saint-Jean-Baptiste) in Herve.

Gestaltung

Der Kopf ist eine Treibarbeit aus teilweise vergoldetem Silber und zeigt Papst Alexander als tonsurierten jungen Mann mit stilistischen Anklängen an Darstellungen römischer Kaiser. Der Halskragen ist mit Grubenschmelzplatten, Edelsteinen und Silberperlen verziert.

Die Büste ist montiert auf einem Kasten mit überstehenden Boden- und Deckplatten und vier drachenförmigen Füßen. Die vorderen Füße sind im Original erhalten, die hinteren Abgüsse derselben aus dem Jahr 1988. Die beiden Teile der Deckplatte aus vergoldetem Messing sind u. a. mit Edelsteinen und Bergkristallen dekoriert. Die Seitenwände des Kastens zeigen u. a. Bildnisse von Heiligen, darunter nochmals Papst Alexander, und weibliche Verkörperungen von Tugenden, die Schriftbänder mit Seligpreisungen halten.

Die Kombination eines Kopfreliquiars mit einem altarförmigen Sockel ist beim Alexanderreliqiar zum ersten Mal belegt.

Literatur

Commons: Alexanderreliquiar – Sammlung von Bildern

Anmerkungen

  1. ↑ Anton Legner (Hrsg.): Rhein und Maas. Kunst und Kultur 800–1400. Köln 1972, Bd. 1, S. 250 Kat. Nr. G 11 (Dietrich Kötzsche).
  2. ↑ Inv. Nr. 1031. Georges Rohault de Fleury: Les saintes de la Messe. Band 3. Paris 1895, S. 144.
  3. ↑ Susanne Wittekind: Caput et corpus. In: Reliquiare im Mittelalter. Akademie-Verlag, Berlin 2005, S. 107–135, bes. S. 110 (Digitalisat).