Alfonso Pantisano

Alfonso Pantisano (2023)

Alfonso Pantisano (geboren 1975 in Waiblingen) ist ein deutscher LGBT-Aktivist und Politiker (SPD). 2023 wurde er als Referent des Berliner Senats zur ersten „Ansprechperson Queeres Berlin“ (Queerbeauftragter) ernannt.

Leben

Alfonso Pantisano ist ein Sohn italienischer Gastarbeiter aus Kalabrien. Er wurde in Waiblingen geboren, verbrachte jedoch seine Kindheit bis zum zwölften Lebensjahr in Italien mit Besuchen bei den Eltern in Deutschland. 2003 zog er nach Berlin, wo er seither lebt. Beruflich war er als Moderator für Automobilhersteller und kommunale Auftraggeber tätig. Außerdem arbeitete er als Model. Mehrere Jahre lang war er im arabischen Raum tätig und dort in TV-Werbespots zu sehen.

Pantisano, der offen schwul lebt, ist Mitbegründer der Initiative „Enough is Enough“ (Genug ist genug), die 2013 aus Protesten gegen das Anti-Homosexuellen-Gesetz in Russland hervorgegangen war und sich weltweit gegen Homophobie und gegen die Diskriminierung Homosexueller einsetzt. Im Jahr 2017 wurde er Mitglied der SPD, nach eigenen Angaben, weil die Sozialdemokraten ihr Wahlversprechen eingehalten und die „Ehe für alle“ umgesetzt hatten. Er war Vorsitzender der SPDqueer in Berlin, einer Arbeitsgemeinschaft der Partei für Akzeptanz und Gleichstellung. Als er 2019 in den Bundesvorstand des LSVD (Lesben- und Schwulenverband in Deutschland e. V.) gewählt wurde, hob er seine Herkunft hervor und erklärte, er wolle im LSVD stärkere Akzente auf den Kampf gegen Rassismus setzen.

Von 2020 bis 2024 war er Co-Vorsitzender der SPD-Abteilung Helmholtzplatz. Er war persönlicher Referent der Bundesvorsitzenden der SPD Saskia Esken und zuvor Referent der Berliner Senatorin für Inneres Iris Spranger (SPD).

Für seinen Gastbeitrag „Das Leid italienischer Gastarbeiter-Kinder“, der im Dezember 2025 im Tagesspiegel veröffentlicht wurde, erhielt er 2026 den Journalistenpreis der Diakonie Baden-Württemberg.

Sein Bruder ist der Bundesvorsitzende der Linken und Bundestagsabgeordnete Luigi Pantisano.

Queerbeauftragter in Berlin

Am 11. Juli 2023 wurde Alfonso Pantisano vom Berliner Senat zur ersten „Ansprechperson Queeres Berlin“ (offizielle Bezeichnung: Ansprechperson der Landesregierung Berlin für die Akzeptanz sexueller und geschlechtlicher Vielfalt) ernannt auf einer Referentenstelle befristet bis 2026 in der Senatsverwaltung für Arbeit, Soziales, Gleichstellung, Integration, Vielfalt und Antidiskriminierung von Cansel Kiziltepe (SPD). Als sein Ziel gibt er an, insbesondere den weniger sichtbaren und hörbaren Teilen der queeren Gemeinschaft eine Stimme zu verleihen.

Aufgrund seines Engagements wurde er selbst zum Ziel von Hass und Drohungen, die er öffentlich machte, um auf die Feindseligkeiten gegenüber queeren Personen aufmerksam zu machen. Trotz der Bedrohungen betonte er, nicht aufgeben zu wollen und weiterhin laut für die Rechte der queeren Community einzustehen. Er erhält Unterstützung von Organisationen wie der Schwulenberatung und dem SchwuZ, die sein Engagement und seine schnelle Einarbeitung in die vielfältigen Themen der Community hervorheben.

In seiner Amtszeit prangerte Pantisano wiederholt öffentlich Queerfeindlichkeit an und verurteilte homophobe Angriffe. Er forderte einen besseren Schutz für queere Menschen und kritisierte das fehlende gesellschaftliche Aufbegehren gegen solche Übergriffe. Im Oktober 2024 kritisierte er jedoch Äußerungen des SPD-Generalsekretärs Kevin Kühnert zu homophoben Erfahrungen mit muslimischen Männergruppen als „antimuslimischen Rassismus“. Sein Post dazu war mit einem Foto versehen, auf dem er als Model für eine Kampagne in der arabischen Welt eine Kufiya trägt. Berliner SPD-Mitglieder distanzierten sich daraufhin in einem offenen Brief von ihm.

Im Frühjahr 2024 übernahm Pantisano die Leitung eines Runden Tisches zum Schutz vor queerfeindlicher Hasskriminalität. An der Erarbeitung von Empfehlungen für eine Berliner Landesstrategie für queere Sicherheit und gegen Queerfeindlichkeit beteiligten sich nach Angaben des Senats mehr als 400 Personen aus Zivilgesellschaft, Politik und Verwaltung. Die auf diesen Empfehlungen beruhende Landesstrategie wurde im März 2026 vom Berliner Senat beschlossen.

Nach dem Anschlag auf den Berliner Christopher Street Day 2026 äußerte er „Das, was uns am meisten beschäftigt, ist, wir werden gerade politisch angegriffen von rechts und vor allem von konservativen Kräften, von Rechtsextremen, von Neonazis.“ Dies führte zu Diskussionen und Kritik.

Sonstiges

Er ist Mitglied im Arbeiter-Samariter-Bund, der Arbeiterwohlfahrt und der Gewerkschaft ver.di. Zudem setzt er sich für die Obdachlosenhilfe, die Tafel und den Verein Sea-Watch ein. Pantisano gibt an, fünf Sprachen zu beherrschen.

Commons: Alfonso Pantisano – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. ↑ Alfonso Pantisano, persönliche Website
  2. 1 2 3 4 5 Ein „queerpolitischer Aufbruch“: Alfonso Pantisano wird erster Queerbeauftragter in Berlin. In: Der Tagesspiegel Online. ISSN 1865-2263 (tagesspiegel.de [abgerufen am 14. September 2024]).
  3. ↑ Ist Berlins Queer-Beauftragter jetzt auch Hair-Beauftragter? In: B.Z. 22. April 2024, abgerufen am 14. September 2024.
  4. ↑ Kevin Kühnert: Berliner Queer-Beauftragter Alfonso Pantisano kritisiert SPD-Generalsekretär – und sorgt selbst für Aufsehen. In: Der Spiegel. 7. Oktober 2024, ISSN 2195-1349 (spiegel.de [abgerufen am 7. Oktober 2024]).
  5. ↑ „Die Stimmung ist besser als die Lage“ - WELT. Abgerufen am 14. September 2024.
  6. 1 2 3 4 Ein Jahr "Ansprechperson Queeres Berlin". Abgerufen am 14. September 2024.
  7. ↑ Karen Schönwälder, Sanja Bökle: Widersprüchliche Offenheit. Migration und organisationaler Wandel im LSVD, 1990-2020S. In: Hella von Unger et al. (Hrsg.): Organisationaler Wandel durch Migration? Zur Diversität in der Zivilgesellschaft, Transcript Verlag, Bielefeld 2022, ISBN 978-3-8376-5985-6, S. 125
  8. ↑ SPD-Abteilung 12 | Helmholtzplatz: Der Abteilungsvorstand - SPD-Abteilung 12 | Helmholtzplatz. Abgerufen am 14. September 2024.
  9. ↑ SPD-Landesverband Berlin Kreis Pankow: Wir haben einen neuen Vorstand. - SPD Pankow. Abgerufen am 14. September 2024.
  10. ↑ SPD-Politiker und Aktivist: Alfonso Pantisano ist erster Queerbeauftragter Berlins. In: Der Tagesspiegel Online. ISSN 1865-2263 (tagesspiegel.de [abgerufen am 14. September 2024]).
  11. ↑ Alfonso Pantisano: Das Leid italienischer Gastarbeiter-Kinder: Meine Eltern schickten mich ins Internat, um in Deutschland am Fließband zu schuften. In: Der Tagesspiegel Online. 20. Dezember 2025, ISSN 1865-2263 (tagesspiegel.de [abgerufen am 10. April 2026]).
  12. ↑ Gewinnerinnen und Gewinner des Diakonie Journalistenpreises 2026 stehen fest - Diakonisches Werk der evangelischen Kirche in Württemberg e.V. In: diakonie-wuerttemberg.de. 8. April 2026, abgerufen am 10. April 2026.
  13. ↑ Alfonso Pantisano: Waiblinger ist Queerbeauftragter von Berlin - so war sein Weg - Nachrichten aus Waiblingen - Zeitungsverlag Waiblingen. 16. Juli 2023, abgerufen am 6. Januar 2025.
  14. ↑ Ansprechperson der Landesregierung Berlin für die Akzeptanz sexueller und geschlechtlicher Vielfalt, Senatsverwaltung für Arbeit, Soziales, Gleichstellung, Integration, Vielfalt und Antidiskriminierung, Berlin
  15. ↑ Anna Thewalt, Tilmann Warnecke: SPD-Politiker und Aktivist: Alfonso Pantisano ist erster Queerbeauftragter Berlins, Tagesspiegel, 11. Juli 2023
  16. 1 2 Andreas Hergeth: Der Queerbeauftragte wird bedroht: Mit üblem Hass überschüttet. In: Die Tageszeitung: taz. 29. Juli 2024, ISSN 0931-9085 (taz.de [abgerufen am 14. September 2024]).
  17. ↑ Kühnert beklagt Homophobie bei muslimischen Männern. In: n-tv Nachrichten. Abgerufen am 6. Oktober 2024.
  18. ↑ „Lieber Kevin, echt jetzt?“: Berlins Queerbeauftragter poltert gegen SPD-Generalsekretär Kühnert und trägt Kufiya. In: Der Tagesspiegel Online. ISSN 1865-2263 (tagesspiegel.de [abgerufen am 6. Oktober 2024]).
  19. ↑ „Du vertrittst uns nicht mehr“: SPD-Mitglieder kritisieren Berlins Queerbeauftragten in offenem Brief. In: Der Tagesspiegel Online. ISSN 1865-2263 (tagesspiegel.de [abgerufen am 9. Oktober 2024]).
  20. ↑ Senat beschließt als erstes Bundesland eine Landesstrategie für queere Sicherheit und gegen Queerfeindlichkeit. 24. März 2026, archiviert vom Original am 24. März 2026; abgerufen am 26. Juli 2026.
  21. ↑ „Hanebüchen“, „Wortklauberei“ – Grünen-Chef schießt gegen Islamismus-Verharmlosung unter Linken. In: welt.de. (welt.de [abgerufen am 3. August 2026]).
  22. ↑ „Wir müssen darüber genauso sprechen wie über andere Extremismen auch“: Berlins politische Linke ringt um den Umgang mit dem Islamismus. In: tagesspiegel.de. (tagesspiegel.de [abgerufen am 3. August 2026]).
Personendaten
NAME Pantisano, Alfonso
KURZBESCHREIBUNG deutscher LGBT-Aktivist
GEBURTSDATUM 1975
GEBURTSORT Waiblingen