Alfred Hartmann (Bankmanager)

Alfred Hartmann (* 21. Februar 1923 in Zürich; † 19. Mai 2010) war ein Schweizer Jurist und Bankmanager. Bekannt wurde er vor allem durch seine Tätigkeit als Direktor der Bank of Credit and Commerce International (BCCI) sowie als Vorsitzender der mit der BCCI verbundenen Genfer Banque de Commerce et de Placements (BCP). Im Zusammenhang mit dem Zusammenbruch der BCCI 1991 wurde Hartmann in mehreren Untersuchungen und Presseberichten als eine wichtige Figur im internationalen Geflecht der Bank genannt.

Laufbahn

Nach Angaben des britischen Unternehmensregisters Companies House wurde Hartmann im Februar 1923 geboren und war unter anderem in Herrliberg im Kanton Zürich ansässig. Er studierte Wirtschaftsrecht an der Universität Zürich, wo er 1950 promoviert wurde. In britischen Registerunterlagen wird er als Direktor mehrerer Gesellschaften geführt. Dazu gehörten die Bank of Credit and Commerce International S.A., bei der er am 2. April 1982 als Direktor eingetragen wurde, sowie eine weitere BCCI-Gesellschaft, bei der seine Bestellung auf den 17. Juli 1975 datiert ist. Hartmann war für den Schweizerischen Militärischen Nachrichtendienst tätig und Vorsitzender der Schweizer Abteilung der Royal Bank of Scotland, Manager der UBS sowie der Vorsitzende der Banco Ambrosiano von Roberto Calvi auf den Bahamas.

Vor und neben seiner Tätigkeit im Bankensektor war Hartmann auch in der Schweizer Industrie tätig. Die Los Angeles Times bezeichnete ihn 1991 als Vorsitzenden der Schweizerischen Gesellschaft für Chemische Industrie und früheren stellvertretenden Vorsitzenden von F. Hoffmann-La Roche. Hartmann trat als Managing Director bei La Roche nach einem Preisabsprachen-Skandal zurück, in den die Europäische Gemeinschaft verwickelt war. In einer Meldung der Financial Times von 1984 wurde Hartmann als früherer Managing Director (bis 1979) und damaliger Vizevorsitzender von F. Hoffmann-La Roche sowie als General Manager der Rothschild Bank in Zürich bezeichnet.

1987 half der international gut vernetzte Hartmann dem Unternehmen Harken Energy, das eng mit der Familie Bush verbunden ist, durch den Verkauf eines Aktienpakets an UBS in Höhe von 25 Mio. US-Dollar einen finanziellen Engpass zu überbrücken. Hartmann war zudem ab 1991 als Direktor der Banque Privée Edmond de Rothschild S.A. tätig, seine Bestellung dort datierte auf den 7. Februar 1991, sowie ab 1992 bei N M Rothschild & Sons. Daneben war er nach Presseberichten Vorsitzender des Schweizer Arms der Banca Nazionale del Lavoro (BNL), von dem er im September 1991 zurücktrat. Er trat 1993 von der Rothschild Bank nach einem weiteren Skandal um Rothschild-Direktor Jürg Heer zurück, bei dem es um Zahlungen an die mutmaßlichen Mörder von Roberto Calvi (Banco Ambrosiano) ging.

Tätigkeit bei der BCCI und der BCP

Hartmann war zwischen mindestens 1982 und 1991 in verschiedenen Aufsichtspositionen bei der Bank of Credit and Commerce International tätig, einer international tätigen Bankengruppe, die 1991 nach Ermittlungen und aufsichtsrechtlichen Maßnahmen geschlossen wurde. Der Bericht des von den US-Senatoren John Kerry und Hank Brown geführten Untersuchungsausschusses bezeichnete Hartmann als eines der wichtigsten Verwaltungsratsmitglieder der BCCI und zugleich als Vorsitzenden der von der BCCI kontrollierten Genfer Banque de Commerce et de Placements.

Die BCCI wurde als ein Institut beschrieben, das über Jahre hinweg durch verschachtelte Gesellschaftsstrukturen, Bankgeheimnis-Jurisdiktionen und unzureichende konsolidierte Aufsicht einer wirksamen Kontrolle entzogen gewesen sei. Der sogenannte Sandstorm-Bericht von Price Waterhouse, der der Bank of England im Juni 1991 vorgelegt wurde, fand Hinweise auf weitreichende Betrügereien und Manipulationen bei der BCCI; diese Erkenntnisse führten zur weltweiten Schließung der Bank am 5. Juli 1991. Untersuchungen ergaben später, dass die BCCI weltweit in kriminelle Geschäfte verwickelt war und u. a. für die Wäsche von Geldern aus dem Drogenhandel genutzt wurde.

Hartmann war bis zum Verkauf der Bank im Juli 1991 Vorsitzender der BCCI-eigenen Banque de Commerce et de Placements in Genf gewesen. Die BCP war nach Darstellung des Berichts eine Schweizer Tochter- bzw. verbundene Gesellschaft der BCCI und spielte innerhalb des weit verzweigten Unternehmensgeflechts der Bank eine bedeutende Rolle. Die Verbindung der BCCI mit der BCP wurde offenbar durch komplexe Firmengeflechte verschleiert. Die BCI wurde als wichtiger Bestandteil des BCCI-Netzwerks beschrieben; in einer Anklage im Zusammenhang mit Geldwäschevorwürfen gegen BCCI-Mitarbeiter seien auch Überweisungen auf BCP-Konten erwähnt worden.

Verbindung zur BNL und Bruce Rappaport

Der Kerry-Brown-Bericht erwähnte Hartmann auch im Zusammenhang mit der Banca Nazionale del Lavoro (BNL). Die BCCI war zudem mit der BNL, deren Niederlassung in Atlanta an einem Komplott beteiligt war, betrügerische Kredite in Höhe von bis zu 4 Milliarden Dollar zu vergeben, um illegale Waffenverkäufe an die irakische Regierung von Saddam Hussein zu ermöglichen. Nach Darstellung des Berichts verband Hartmann die BCCI und die BNL, da er in den Verwaltungsräten beider Banken saß und zugleich die von der BCCI kontrollierte BCP leitete. Hartmann war dabei Vorsitzender einer Zürcher BNL-Tochter gewesen, die routinemäßig Übernachtgeschäfte zwischen BCCI und der irakischen Zentralbank abgewickelt hatte.

Der Kerry-Brown-Bericht führte Hartmann ferner im Zusammenhang mit dem schweizerisch-israelischen Geschäftsmann Bruce Rappaport auf. Rappaport habe Hartmann, der im Bericht als prominenter Frontmann der BCCI bezeichnet wurde, in den Verwaltungsrat seiner Intermaritime Bank in Genf und New York gebracht, daneben gehörte er auch noch dem Verwaltungsrat einer weiteren Bank Rappaports an. Rappaport war ein Freund von CIA-Direktor William J. Casey und offenbar in zahlreiche zwielichtige Geschäfte verwickelt. In den 1980ern erwarb Hartmann eine Melonenfarm auf Antigua von israelischen Waffenhändlern, die zu den wichtigsten Kunden der BCCI in Miami zählten.

Nach dem Zusammenbruch der BCCI

Nach der Schließung der BCCI wurde die Banque de Commerce et de Placements rasch an die türkische Çukurova-Gruppe verkauft. Nach Angaben von The Independent half Hartmann bei den Verhandlungen über diesen Verkauf, der etwas mehr als zwei Wochen nach der weltweiten Schließung der BCCI abgeschlossen wurde. Eine Çukurova-Tochter namens EndTrade war zuvor Partner der BNL bei den illegalen Waffengeschäften mit dem Irak gewesen.

1994 gehörte Hartmann zu drei früheren BCCI-Direktoren, die in New York eine Klage gegen den Scheich von Abu Dhabi Zayid bin Sultan Al Nahyan und weitere Mitglieder der Herrscherfamilie einreichten. Die Kläger warfen den Mehrheitsaktionären der Bank vor, hinter den Betrügereien der BCCI gestanden und diese vor externen Direktoren, Wirtschaftsprüfern, Aufsichtsbehörden und der Öffentlichkeit verschleiert zu haben. Neben Hartmann traten Yves Lamarche und Johan Diderik Van Oenen als Kläger auf. Hartmann selbst wurde nie für den Zusammenbruch der Bank belangt.

2001 saß Hartmann im Aufsichtsrat der Firma Trendinvest auf den Bahamas, an dem das Unternehmen GFTA von Bernd Georg Herrdum beteiligt war. Über die GFTA und ihre Beteiligungsfirma Trendinvest auf den Bahamas liefen Ende der 1980er Jahre dubiose Devisengeschäfte. Für das Investment hatte Bernd Georg Herrdum den US-Unternehmer Charles Keating jr. gewonnen, der gemeinsam mit Hartmann und Herrdum im Aufsichtsrat saß.

Hartmann starb 2010 im Alter von 87 Jahren.

Literatur

Einzelnachweise

  1. 1 2 3 Alfred HARTMANN personal appointments. In: Companies House. Government of the United Kingdom, abgerufen am 15. Mai 2026 (englisch).
  2. 1 2 3 4 5 6 The BCCI Affair: 4. BCCI's Criminality. United States Senate Committee on Foreign Relations, 1992, abgerufen am 15. Mai 2026 (englisch).
  3. ↑ Das Verhältnis der Bestimmungen über den unlauteren Wettbewerb zu den Spezialgesetzen des gewerblichen Rechtsschutzes und zum Urheberrecht (Firmenrecht, MSchG, PG, MMG, URG). Abgerufen am 18. Mai 2026 (englisch).
  4. 1 2 Hartmann, Alfred (1923 - 2010). In: Élites suisses - Base de données des élites suisses. Abgerufen am 20. Mai 2026 (französisch).
  5. 1 2 3 4 David Whitby: Conspiracy and cover-up. In: The Organized Criminal Activities of the Bank of Credit and Commerce International: Essays and Documentation: In memoriam David Whitby. Springer Netherlands, Dordrecht 2001, ISBN 978-94-017-3413-4, S. 21–41, doi:10.1007/978-94-017-3413-4_3 (englisch).
  6. ↑ Financial Times, 29 May 1984. In: Internet Archive. Abgerufen am 13. Mai 2026 (englisch).
  7. 1 2 3 James S. Granelli: BCCI Official in Venture With Keating. In: Los Angeles Times. 5. Oktober 1991, abgerufen am 15. Mai 2026 (englisch).
  8. ↑ Dieter Drüssel: Bush Junior und Bin Laden: Kleine Welt der Kriegsherren. 26. August 2013, abgerufen am 15. Mai 2026.
  9. 1 2 3 4 John Willcock: Former BCCI directors claim Sheikh's family behind fraud. In: The Independent. 30. Juni 1994, abgerufen am 15. Mai 2026 (englisch).
  10. ↑ Gian Trepp: Swiss Connection. Unionsverlag, 1996, ISBN 978-3-293-00205-0, S. 180 (englisch, Google Books [abgerufen am 15. Mai 2026]).
  11. ↑ The BCCI Affair: 11. BCCI, The CIA and Foreign Intelligence. United States Senate Committee on Foreign Relations, 1992, abgerufen am 15. Mai 2026 (englisch).
  12. ↑ ISRAEL • BCCI & ISRAELI MONEY LAUNDERING - 04/11/1992. 4. November 1992, abgerufen am 15. Mai 2026 (englisch).
  13. ↑ Abgang im Aufsichtsrat. In: Der Spiegel. 7. Januar 2001, ISSN 2195-1349 (Online [abgerufen am 20. Mai 2026]).
Personendaten
NAME Hartmann, Alfred
KURZBESCHREIBUNG Schweizer Bankmanager
GEBURTSDATUM 21. Februar 1923
GEBURTSORT Zürich
STERBEDATUM 19. Mai 2010