Alfred Striemer

Alfred Striemer (* 17. Oktober 1879 in Luckenwalde; † 1955) war ein deutscher Wirtschaftswissenschaftler und Politiker.

Leben

Striemer war der Sohn eines jüdischen Kaufmanns. Seine Mutter trat vor ihrer Ehe zum Judentum über, rekonvertierte dann aber mit ihren Kindern zum Protestantismus.

Nach dem Abitur studierte Alfred Striemer Rechts- und Staatswissenschaften und wurde 1919 an der Universität Halle zum Dr. rer. pol. promoviert. Um 1900 wurde er SPD-Mitglied. Hier gehörte er dem äußersten rechten Flügel an. Für die SPD arbeitete er auch als Journalist. Von 1919 bis 1920 gehörte Striemer dem Berliner Abgeordnetenhaus an, ab 1921 war er Mitglied der Bezirksverordnetenversammlung Berlin-Mitte und von 1921 bis 1923 gehörte er dem Bundesvorstand des ADGB an und war Chefredakteur des ADGB-Organs Die Arbeit. Er verfasste Artikel für den Wirtschaftsteil der SPD-Parteizeitung Vorwärts und war von 1920 bis 1923 Redakteur der Betriebsrätezeitung der Gewerkschaften. Seine Kritik an Arbeitskämpfen führte zum Ausscheiden aus der Redaktion. Anschließend war Striemer Chefredakteur der Borsig-Zeitung, der Werkszeitung des Unternehmens Borsig.

Mit der nationalsozialistischen Machtergreifung konnte Striemer nicht mehr journalistisch arbeiten, eine seiner planwirtschaftlichen Broschüren stand auf den Listen der Bücherverbrennung. Dennoch konnte er bis 1935 zwei kleinere Schriften neu herausbringen, 1935 bis 1936 war Striemer einige Monate in den USA, kehrte aber bald zurück nach Deutschland. Er baute Kontakt zu Gottfried Feder auf und war in den folgenden Jahren wohl sein Mitarbeiter, unter anderem arbeitete er wohl an Feders 1939 erschienener Schrift Die neue Stadt mit.

Nach 1939 bearbeitete Striemer Forschungsaufträge für verschiedene Staats- und Parteistellen, besonders für die Deutsche Arbeitsfront. Anfang der 1940er Jahre wurde er bei der Gestapo als Jude denunziert, woraufhin ein Arbeits- und Publikationsverbot erfolgte.

Nach 1945 wurde Alfred Striemer, der offiziell als Opfer des Faschismus anerkannt worden war, als Landesplaner für die Provinz Brandenburg tätig. Im Auftrag von Hans Scharoun – dem Berliner Stadtbaurat – führte Striemer daneben soziologische Untersuchungen in Berliner Ortsteilen durch. An Scharouns Lehrstuhl an der TU Berlin (Institut für Städtebau in der Fakultät II für Architektur) hatte Striemer einen Lehrauftrag für „Strukturforschung“ inne (1946–1949). Später wurde er Leiter des Instituts „Stadt – Land“ an der TU Berlin.

Veröffentlichungen

Literatur

Einzelnachweise

  1. 1 2 3 4 Wolfgang Blöß: Siedlungsplanung in Brandenburg 1945–1950. Berliner Wissenschaftsverlag, Berlin 2021 (Veröffentlichungen des Brandenburgischen Landeshauptarchivs; 77), ISBN 978-3-8305-4238-4, S. 20 (open access: https://doi.org/10.35998/9783830542384).
  2. 1 2 Karl Heinz Roth: Intelligenz und Sozialpolitik im „Dritten Reich“: eine methodisch-historische Studie am Beispiel des Arbeitswissenschaftlichen Instituts der Deutschen Arbeitsfront. Saur, München 1993, ISBN 3-598-11166-5, S. 225 (online).
  3. ↑ Michael Fahlbusch, Ingo Haar, Alexander Pinwinkler (Hrsg.): Handbuch der völkischen Wissenschaften: Akteure, Netzwerke, Forschungsprogramme. 2. Auflage. De Gruyter Oldenbourg, Boston, Berlin 2017, ISBN 978-3-11-043891-8, S. 1347.
  4. ↑ Alfred Striemer: Catalogus Professorum - TU Berlin. Abgerufen am 10. August 2026.
  5. ↑ Nach Karl Heinz Roth war es ein "Lehrauftrag für sozialwirtschaftliche Strukturforschungen im Rahmen der Raumordnung und Landesplanung" (vgl. K. H. Roth: Intelligenz und Sozialpolitik im „Dritten Reich“: eine methodisch-historische Studie am Beispiel des Arbeitswissenschaftlichen Instituts der Deutschen Arbeitsfront. Saur, München 1993, ISBN 3-598-11166-5, S. 225).