Alfred Witte

Alfred Witte (* 2. März 1878 in Hamburg; † 4. August 1941 ebenda) war ein deutscher Vermessungstechniker und Astrologe.

Leben

Alfred Witte wurde als einziger Sohn eines Zimmermanns in Hamburg geboren. Er hatte zwei Schwestern, Ida und Paula. Der Vater verließ die Familie. Die Mutter Metta Witte heiratete nicht wieder und zog allein die Kinder auf. Witte wuchs in Hamburg auf, heiratete 1930 die Witwe Gertrud Jantzen (geb. Schlee). Mit ihr hatte er zwei Töchter, Anne Charlotte (1930) und Marion (1932). Witte erlernte den Beruf des Vermessungstechnikers, den er für die Stadt Hamburg in der Position eines Technischen Oberinspektors ausüben sollte.
Nachdem der „Führerstellvertreter“ Rudolf Heß am 10. Mai 1941 in einer völlig autonomen Tat nach England geflogen war, wurden Anfang Juni 1941 Astrologie-Veröffentlichungen und die Ausübung der Astrologie verboten sowie zahlreiche Astrologen verhaftet und z. T. in Konzentrationslager eingeliefert. Alfred Witte war dabei nicht verhaftet worden, hatte sich allerdings regelmäßig bei der Gestapo zu melden. Davon zermürbt und aufgrund von Ängsten wegen einer Gefährdung der Pension bei einer Verhaftung, beging Alfred Witte am 4. August 1941 Suizid, womit er tatsächlich seinen Pensionsanspruch für seine Familie gegenüber dem Staat aufrechterhalten konnte. Witte hatte wohl angenommen, seine Entlassung aus dem Öffentlichen Dienst Hamburgs stände – mit oder ohne Verhaftung – kurz bevor.

Astrologie

Privat beschäftigte sich Witte zunächst mit Astronomie, nahm um 1911 an astrologischen Vorträgen und Kursen von Karl Brandler-Pracht in Hamburg teil, und drang mit Hilfe von Albert Kniepf, seinem Lehrer, in die Lehren der Astrologie ein. Er entwickelte schon bald darauf eine eigene und abweichende Auffassung im Verhältnis zur traditionellen Astrologie. Statt die Aspektlehre der antiken klassischen Astrologie anzuwenden, gestaltete er von 1913 bis 1925 die Idee von dem Planetenbild, das aus zwei Halbsummen besteht und wie eine algebraische Gleichung anzusehen ist, wenngleich Witte auch innerhalb der „Hamburger Schule“ als „Wiederentdecker“ der Halbsummen bezeichnet wird, nicht als deren Erfinder.

Seine Lehre wurde von außerhalb Hamburgs ansässigen Astrologen als „Hamburger Schule“ bezeichnet. Den Begriff benutzte auch Friedrich Sieggrün. Durch ihn wurde er zum Eigenname für die Methode; weltweit ist sie auch als "Uranian System of Astrology" – kurz „Uranian Astrology“ – bekannt.

1923 meinte Witte, mit seiner mathematisch orientierten Auswertungsmethode weitere Himmelskörper jenseits des Neptuns astrologisch gefunden zu haben und gab Ephemeriden dafür heraus. Witte inspirierte Sieggrün zur Berechnung weiterer hypothetischer Planeten. Die insgesamt 8 hypothetischen Planeten wurden allerdings außerhalb der "Hamburger Schule" von den meisten Astrologen abgelehnt.

Besonders in den 1920er und 1930er Jahren verursachte Witte mit seinen Ideen, die zugleich als Kritik an der traditionellen Astrologie verstanden wurden, viele Kontroversen unter Astrologen im deutschsprachigen Raum. So blieben die meisten deutschen Astrologen skeptisch und Witte geriet auf mehreren Astrologenkongressen in starke Kritik, die Anhängerschaft für das neue Deutungssystem wuchs nur bescheiden. Die weitaus größte Nachwirkung auf die Astrologie dürfte die Theorie der Halbsummen gehabt haben.

Halbsummen werden in vielen Astrologie-Computerprogrammen angeboten. Ephemeriden nach Wittes Berechnung, die auch als „midpoints“ bekannt sind, sind in Buchform oder vereinzelt im Internet erhältlich.

Reinhold Ebertin übernahm Teile der Ideen der Hamburger Schule, die er in „seine“ Lehre der sog. Kosmobiologie strukturierte wie z. B. die Halbsummen und das Konzept der Strukturierung vom Planetenbildern. Ebertin vernachlässigte allerdings das Konzept der Häusertheorie nach Alfred Witte, welches Witte in Anlehnung an die antike Astrologie strukturierte.

Werke

Literatur

Gruppierungen der Witte-Anhänger

Einzelnachweise

  1. ↑ Alfred Witte, Begründer der modernen Astrologie (Memento des Originals vom 18. Februar 2013 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis. (Biografie)
  2. ↑ Carl-Otto Fleischhauer: Alfred Witte. Landmesser und Astrologe - und die Hess-Affäre. Michael Feist (Edition Astrologic), Hamburg 2000,2003, ISBN 3-00-012760-7, S. 68
  3. ↑ Traueranzeige vom 12. August 1941, in Hamburger Fremdenblatt vom 12. August 1941, im Besitz von Michael Feist, Hamburg
  4. ↑ Carl-Otto Fleischhauer: Alfred Witte. Landmesser und Astrologe – und die Hess-Affäre. Michael Feist (Edition Astrologic), Hamburg 2003, ISBN 3-00-012760-7, S. 5
  5. ↑ Geschichte des Witte-Verlages, abgerufen am 10. November 2014.
  6. ↑ Ludwig Rudolph: 2. Halbjahresbericht der Astrologische Studiengesellschaft (Hamburger Schule) e.V., Ludwig Rudolph (Witte-Verlag), 1953, S. 69.
  7. ↑ Ludwig Rudolph im Interview über Alfred Witte, Planetenbilder, und Transneptuner im Bayerischen Rundfunk, gesendet 1. März 1967, vergl. „gehört gelesen – Die interessantesten Sendungen des Bayerischen Rundfunks“, Nr. 5. Mai 1967, S. 592–595, B3155E
  8. ↑ Hermann Sporner: Einführung in die Technik der ‚Hamburger Schule‘. Ludwig Rudolph/Witte-Verlag, Hamburg [1978], S. 171.
  9. ↑ Astrologische Rundschau, 14. Jahrgang, Heft 1, S. 2, Heft 2, Juli/August 1923, S. 11–15 und 25–29, Theosophisches Verlagshaus Dr. H. Vollrath, Leipzig
  10. ↑ Ludwig Rudolph: Gründungsprotokoll Astrologenverein „Hamburger Schule“, „Nachrichtenblatt“ Jahrgang II, Nr. 9–10, S. 94–95, Beilage der Astrologischen Rundschau, Jahrgang. XVII, Dez. 1925/26
  11. ↑ Richard Svehla: Introduction the URANIAN SYSTEM OF ASTROLOGY [Hamburg School by Alfred Witte], A.B.C. Publication, USA, Juni 1939
  12. ↑ Alfred Witte: Der erste Transneptunplanet Cupido, Astrologische Blätter, 5. Jahrg., Heft 4, S. 49, Juli 1923
  13. ↑ Alfred Witte: "Berechnung der Transneptun-Planeten", Verlag Ludwig Rudolph, 1926
  14. ↑ Friedrich Sieggrün: „Ephemeride der transneptunischen Planeten Apollon, Admetos, Vulkanus und Poseidon“, Witte-Verlag Ludwig Rudolph, 1937
  15. ↑ Kocku von Stuckrad: Geschichte der Astrologie. Beck Verlag, München 2003. S. 324.
  16. ↑ Midpoint ephemeris files for 200 years
Personendaten
NAME Witte, Alfred
KURZBESCHREIBUNG deutscher Vermessungstechniker und Astrologe
GEBURTSDATUM 2. März 1878
GEBURTSORT Hamburg
STERBEDATUM 4. August 1941
STERBEORT Hamburg