Alois Angleitner (* 13. November 1940; † 10. Mai 2016 in Melle) war ein österreichisch-deutscher Psychologe und emeritierter Professor für Differentielle Psychologie an der Universität Bielefeld.
Er studierte Psychologie an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn und legte hier 1971 sein Diplom ab. Die Promotion fand 1972 statt, das Promotionsthema (Rigidität im Alter) stammte aus der Bonner Gerontologischen Längsschnittstudie. Im Jahre 1977 folgte die Habilitation. Zwei Jahre später wurde er auf eine Professur an der Universität Bielefeld berufen und arbeitete hier bis zu seiner Emeritierung im Jähre 2006.
Seine Forschungsschwerpunkte und -interessen bezogen sich auf die Differentielle Psychologie, die Bio- und Neuropsychologie sowie die Verhaltensgenetik. Durch die Adaption der Persönlichkeitsmessung mit dem NEO-Persönlichkeitsinventar machte er die Big Five Persönlichkeitsmerkmale (Offenheit für Erfahrungen, Gewissenhaftigkeit, Extraversion, Verträglichkeit und Neurotizismus) im deutschen Sprachraum messbar. Weitere Forschungsthemen waren die Erstellung einer Taxonomie persönlichkeitsbeschreibender Begriffe in der deutschen Sprache und seine Beiträge zur Zwillingsforschung. Die Zwillingsstudien, die er zusammen mit Jan Strelau (1931–2020) initiierte, waren die ersten groß angelegten Zwillingsstudien zu Anlage- und Umwelteinflüssen auf Persönlichkeits- und Temperamentsmerkmale nach dem Zweiten Weltkrieg in Deutschland. Die Bielefelder Längsschnittstudie an erwachsenen Zwillingen (BiLSAT) wurde an zusammen aufgewachsenen eineiigen und zweieiigen Zwillingen vorgenommen; an ihr nahmen mehr als 1.100 Zwillingspaare im Alter zwischen 14 und 80 Jahren teil. Die Daten wurden in fünf Erhebungswellen zwischen 1993 und 2009 erhoben. Die Studie folgte einem longitudinalen Multiple-Rater-Ansatz (d. h. neben Selbstauskünften wurden Auskünfte von Gleichaltrigen erhoben). Anfangs konzentrierte sich die Studie auf genetische und umweltbedingte Einflüsse auf die Struktur und Entwicklung des Temperaments und der Persönlichkeit von Erwachsenen. Heute umfasst die Studie ein breites Spektrum individueller Variablen, wie Persönlichkeitsstörungen, Lebensziele, Interessen, Einstellungen, Werte, Lebens- und Arbeitszufriedenheit sowie wichtige Lebensereignisse. Für die gemeinsamen Arbeiten auf dem Gebiet der Zwillingsforschung hat er 1992 – ebenfalls gemeinsam mit Jan Strelau – den Max Planck-Forschungspreis erhalten.
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Angleitner, Alois |
| KURZBESCHREIBUNG | österreichisch-deutscher Psychologe |
| GEBURTSDATUM | 13. November 1940 |
| STERBEDATUM | 10. Mai 2016 |
| STERBEORT | Melle |