Am Wall (Bremen)

Am Wall
Wappen
Straße in Bremen
Aquarell von Friedrich Schad von um 1848
Basisdaten
Ort  Bremen
Ortsteil  Altstadt
Angelegt  ab 1802
Neugestaltet  seit 2000, erneut ab 2020
Hist. Namen 
Name erhalten 
Anschluss­straßen  Daniel-von-Büren-Straße, Faulenstraße, Ostertorsteinweg
Querstraßen  Bürgermeister-Smidt-Straße, Herdentorsteinweg, Sögestraße, Altenwall, Ostertorstraße, Goetheplatz
Plätze 
Nummern­system 
Bauwerke  Allianz-Haus, Gerhard-Marcks-Haus, Herdentorswallmühle, Kunsthalle, Wall-Forum, Wilhelm-Wagenfeld-Haus, Theater am Goetheplatz
U-Bahn-Stationen
Nutzergruppen Fußverkehr, Radverkehr, Autoverkehr
Technische Daten
Straßengestaltung Ein bis dreistreifige Fahrbahn, breiter Zweirichtungsradweg, teilweise einseitige überdachte Promenade
Länge 1800 Meter
Hogenbergplan von 1598.
Erkennbar der Wallgraben mit den fünf Stadttoren; von links: Stephani-, Dove-, Ansgarii-, Herden- und Ostertor;
rechts führt der Altenwall zu Weser.
Murtfeldtplan von 1796
Zick-Zack der Befestigung

Die Straße Am Wall ist eine historische Wohn- und Geschäftshausstraße in Bremen.

Sie ist einseitig bebaut und führt vornehmlich in West-Ost-Richtung um die Altstadt an dem Park der Bremer Wallanlagen entlang, aus dem sich auch der Name der Straße ergibt. Zum Wallring gehört im Osten auch die Straße Altenwall.

Die Querstraßen wurden benannt als Daniel-von-Büren-Straße nach dem Ratsherrn und Bürgermeister von 1486 bis 1541, Doventorstraße nach dem tauben (dove) Tor, das damals keinen direkten Anschluss an die Hauptwege hatte, Bürgermeister-Smidt-Straße nach Senator und Bürgermeister Johann Smidt, das Herdentor nach dem Tor, durch welches die Viehherden getrieben wurden, Sögestraße (Soghestrate), durch welche die Söge=Sauen getrieben wurden, Ostertorstraße als östliches Tor und Ostertorsteinweg sowie vom Altenwall die Tiefer (Tivera= Fährplatz) und der Osterdeich am östlichen Deich sowie seit um 2006 die Eduard-Schopf-Allee nach dem Kaufmann Eduard Schopf, die die Altstadt mit der Überseestadt verbindet.

Geschichte

Von der Stadtmauer zum Wall

Die Bremer Altstadt mit ihrem birnenförmigen Umriss war auf der Landseite im Mittelalter von der Bremer Stadtmauer umschlossen, die im 17. Jahrhundert zur Befestigungsanlage umgebaut wurde. Im 18. Jahrhundert war der militärische Wert der Befestigungsanlagen um die Altstadt sehr gering geworden. 1802 wurde beschlossen die Brustwehren abzubauen und die Wälle zu einem Englischen Landschaftsgarten umzugestalten. Die Arbeiten wurden um 1811 fertiggestellt. Zwischen Wallanlage und Altstadt entstand die Straße Am Wall und die kurze Straße Altenwall.

Die von der Straße Am Wall tangierenden Straßen verweisen noch auf die zumeist seit 1804 nicht mehr vorhandenen Stadttore Stephanitor von 1284, Doventor von 1367, Abbentor von 1324, Herdentor von 1229, Bischofstor von 1274 mit der Bischofsnadel als „Acus episcopi“ (ein enger Durchgang) und dem Ostertor von 1238.

Erste Bauordnung

Das Erste Stadttheater 1822 Am Wall beim Ostertor
Am Wall im Bereich Bischofsnadel-Bastion im 19. Jh.

Eine Bauordnung vom 24. Juni 1804 besagte:

„Baureglement für die Wälle der Altstadt. Ein Hochedler Hochweiser Rath hält es anietzt, wo die Neigung, sich in solcher Gegend anzubauen, immer mehr zuzunehmen scheint, den Zeitumständen angemessen, folgendes über diesen Gegenstand festzusetzen:
1. Niemand ist berechtigt, auf dem Wallgrund der Altstadt ein neues Gebäude zu errichten ohne vorgängige Genehmigung der Herren Wallherren.
2. Als Baulinie für die auf den Altstadtwällen aufzuführenden Häusern wird für die Zukunft diejenige Linie angenommen, welche die unmittelbar am Fahrwege stehenden Häuser, Planken und Gartenbefriedigungen bilden.
3. Jedes künftige am Walle anzuführende Privatgebäude muß bis an besagte Baulinie vortreten.
4. In jedem Gebäude auf dem Walle dürfen a) die Eingangstreppen nicht außerhalb der Mauer des Hauses über die Baulinie hinausgelegt werden, b) die Haus- und Gartentüren wie auch die Fenster nach dem Walle nicht über die Baulinie hinausschlagen, c) keine über solche Linie aufschlagenden Fensterladen oder Klappen, d) keine mehr als sechs Zoll über die Baulinie vorspringende Verzierungen, e) keine Pfähle vor das Haus über die Baulinie hinausgesetzt, g) Abtritte nicht nach der Wallseite angelegt und h) das Regen- und Spülwasser von und aus jedem Gebäude nicht auf den Wall abgeleitet oder daselbst ausgegossen, sondern hinter den Wall abgeführt werden.“

Auf der Altstadtseite entstand nun an Stelle der Stadtmauer eine lange Reihe von 234 teils sehr ansehnlichen Bürgerhäusern; unterschiedlich zwar, aber geprägt durch den Stil der Zeit mit einer vornehmen Harmonie. Die zunächst nach den Wallbereichen unterschiedliche Hausnummerierung wurde 1864 vereinheitlicht, beginnend vom Stephaniviertel gab es 206 Hausnummern. Die Hausnummern von 207 bis 212 wurden später an Gebäude in den Wallanlagen auf der gegenüber liegenden Straßenseite vergeben.

Die früheren Häuser am Wall waren um die 10 bis 14 Meter breit. Sie hatten zumeist ein Walmdach. Die geputzten Fassaden entsprachen dem Still des Klassizismus, waren teils spätklassizistisch und teils im Stil des Historismus gestaltet.

Die Häuser und Anlagen

An der Straße stehen zumeist drei- bis fünfgeschossige Gebäude. Die mit (D) gekennzeichneten Häuser stehen unter Denkmalschutz, siehe auch Liste der Kulturdenkmäler in Bremen-Mitte.

Am Wall, Nr. 1 bis 44

Diese Häuser standen westlich vom Doventor in einem Bereich, der nach 1945 nicht wieder aufgebaut wurde. Die Straße Am Wall gibt es hier nicht mehr.

Am Wall, Nr. 45 bis 99

Am Wall, Nr. 100 bis 149


Am Wall 113, 1944 zerstört
Glasdachpassage

Allianz-Haus
Am Wall 148: Geschäftshaus Walter

Am Wall, Nr. 150 bis 199

Am Wall 175–177
Am Wall 201: Polizeihaus

Am Wall, Nr. 200 bis 201

Die Union von 1801 Ecke Am Wall / Ostertorstraße im Jahr 1845
Früherer Standort vom Osterthor 1640/41 (rot hervorgehoben)

Am Wall, Nr. 202 bis 207


Kunsthalle Bremen
Ostertorwache, ehemaliges Detentionshaus, heute Wilhelm-Wagenfeld-Haus
Ostertorwache, ehemaliges Akzisehaus, heute Gerhard-Marcks-Haus
Theater am Goetheplatz

Der Baumeister Diedrich Christian Rutenberg plante und baute Am Wall von 1825 bis 1841 im klassizistischen Stil 15 Häuser, die im Zweiten Weltkrieg zerstört wurden.

Häuser am Altenwall

Kontorhaus Altenwall
Altenwall Nr. 9: Ankerhaus
Altenwall Nr. 21–23: Vinnen & Co.

Von Am Wall 201 bis zum Tiefer, nördlich der Weser, führt die die Wallanlagen begleitende Straße den Namen Altenwall. Beachtenswerte Häuser sind:

Straßenverlauf und Gebäude

Straßenverlauf

Im Westen beginnt die Straße Am Wall seit 2006 als Fortsetzung der Eduard-Schopf-Allee an der Doventorstraße, die nach Süden die Einkaufsstraße Faulenstraße erreicht und der Straße Doventor, die nach Norden in die Daniel-von-Büren-Straße übergeht. Hier ist sie für den Kfz-Verkehr in beiden Richtungen befahrbar. Im weiteren Verlauf nach Osten ist sie für den Kfz-Verkehr nur in Fahrtrichtung Osten zu befahren, nur der Altenwall ist nicht als Einbahnstraße eingerichtet. Ab Doventor verläuft auf Am Wall, dann auf dem Altenwall bis Osterdeich auf der Wallseite ein breiter Zweirichtungsradweg im Verlauf der Radpremiumroute D.15, teilweise auf ehemaligen Fahrbahnflächen.

Vorbei an der Abbentorstraße verläuft die Straße in Richtung Bürgermeister-Smidt-Straße, kreuzt die Straße am Ansgaritor/Ansgaritorstraße teilweise als Brücke (der Zweirichtungsrawdeg verläuft über die Brücke) und führt dann zur Kreuzung Herdentor und Sögestraße. Nach Norden kann von hier der Bremer Hauptbahnhof und die Bahnhofsvorstadt, nach Süden über die Fußgängerzonen via Sögestraße vorbei am Denkmal Schweinehirt und seine Herde der Bremer Marktplatz erreicht werden. Es folgt nach Osten die Bischofsnadel, eine Fußgängerunterführung, die vom Domshof kommend nach Norden in die Wallanlage zum Präsident-Kennedy-Platz führt.

Die Straße verläuft dann vorbei an dem Durchgang Glockengang zur Kreuzung Ostertorstraße. Hier befindet sich das Wall-Forum mit einer kleinen Einkaufspassage und der Stadtbibliothek Bremen, die 2004, nach dem Umbau des vorherigen Polizeihauses, hier ihren Standort fand.

Nach Süden wird die Wallanlage nunmehr von der Straße Altenwall begleitet, die zur Weser und zur Tiefer bzw. zum Osterdeich führt. Die Straße Am Wall selbst knickt nach Osten ab; vorbei an der Kunsthalle Bremen und dem früheren Wachhäusern und Gefängnis, heute Wilhelm-Wagenfeld-Museum, durch die Wallanlagen wird am Schluss der Goetheplatz mit dem Theater am Goetheplatz erreicht und der Ostertorsteinweg, der in das so genannte Viertel mit (Ortsteile Ostertor und Steintor) geleitet.

Ehemalige Straßenverläufe im Westen

Die Straße war früher im Westen noch länger:

Denkmäler

Siehe auch

Einzelnachweise, Quellen

  1. ↑ Karolin Bubke: Die Bremer Stadtmauer. Staatsarchiv Bremen, Bremen 2007, ISBN 978-3-925729-48-5.
  2. ↑ Rudolf Stein: Das Bürgerhaus in Bremen. Wasmuth-Verlag, Tübingen 1970, S. 111.
  3. ↑ Am Wall im Adressbuch 1940
  4. ↑ Tag der Architektur 2022, Objekt 13.
  5. ↑ Bremer Kunstausstellung. In: Der Baumeister. 12, 1914, S. 57–64, Taf. 107–113, Beilage zu Heft 14, S. 257B-269B
  6. ↑ Nils Aschenbeck: Bremen 1860–1945 – Ein photographischer Streifzug. Edition Temmen, Bremen 1996, ISBN 3-86108-286-1, S. 52ff
  7. ↑ Rudolf Stein: Das Bürgerhaus in Bremen. Wasmuth-Verlag, Tübingen 1970, S. 111–116, T 88–91, T 100.
  8. ↑ Architektenkammer Bremen, BDA, Senator für Umweltschutz und Landesentwicklung: Architektur in Bremen und Bremerhaven. Worpsweder Verlag, Bremen 1988, ISBN 3-922516-56-4.
  9. ↑ Senator für Bau und Umwelt: Neue Architektur in Bremen. Aschenbeck & Holstein, Delmenhorst 2001, ISBN 3-932292-03-0.
  10. ↑ Stadtplan 1811
  11. ↑ Stadtplan 1885
  12. ↑ Stadtplan 1905
  13. ↑ Stadtplan 1927
  14. ↑ Stadtplan 1966
  15. ↑ Stadtplan 1972
Commons: Am Wall (Bremen) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Commons: Altenwall – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Koordinaten: 53° 4′ 48″ N, 8° 48′ 17″ O