Amt Liebenwalde

Ehemaliges Amtshaus in Liebenwalde (Amt 2)

Das Amt Liebenwalde war ein kurfürstlich-brandenburgisches, später königlich-preußisches Domänenamt mit Sitz in der Stadt Liebenwalde (Landkreis Oberhavel, Brandenburg). Das Amt wurde 1485 aus Teilen der ehemaligen Vogtei Liebenwalde gebildet. 1749 wurde ein Teil des Amtsgebietes als Amt Grimnitz abgespalten. 1819 kamen einige Dörfer vom aufgelösten Amt Friedrichsthal hinzu, 1829 einige Dörfer vom aufgelösten Amt Mühlenbeck. Das Amt Liebenwalde wurde 1872 aufgelöst.

Geographische Lage

Das Amtsgebiet liegt heute verteilt auf die Städte Liebenwalde und Oranienburg im Landkreis Oberhavel und die Gemeinden Schorfheide, Wandlitz und Marienwerder im Landkreis Barnim. Die 1749/56 abgetrennten Teile des Amtsgebietes gehören heute zu Joachimsthal.

Geschichte und zugehörige Orte

Auf einem slawischen Burgwall und einer slawischen Siedlung entstand um 1200 eine Burg der askanischen Markgrafen von Brandenburg. Östlich davon und durch ein Fließ getrennt, entstand nur wenig später ein Burgflecken in Form eines unregelmäßigen Rechtecks. Das Straßennetz bestand aus einer Ost-West-verlaufenden Hauptstraße mit einem angerartig verbreiterten Markt- und Kirchplatz. Die Burg wurde von einem von den Markgrafen eingesetzten Vogt verwaltet, der die Gerichtsbarkeit ausübte und auch einige Einkünfte hatte. Die Vogtei muss ursprünglich sehr groß gewesen sein, denn sie umfasste neben einigen Dörfern in der näheren Umgebung die große und kleine Werbellinische Heide, deren Umfang jedoch nur annähernd erschlossen werden kann. Das spätere Amtsgebiet machte nur noch einen kleinen Teil der ursprünglichen Vogtei aus. Die Vogtei war oft verpfändet. 1642 wurde die Vogtei in ein landesherrliches Amt umgewandelt.

Das Amt Liebenwalde umfasste nach dem Ortschaftsverzeichnis von 1817 folgende Siedlungen:

Nach Fidicin hatte das Amt Liebenwalde auch in Schmachtenhagen und Wensickendorf gewisse Rechte gehabt. Dies konnte jedoch anhand des Historischen Ortslexikon nicht verifiziert werden.

1749 wurden die weit abgelegenen Vorwerke Grimnitz (bei Joachimsthal), Grumsin (bei Altkünkendorf, Ortsteil der Stadt Angermünde) und Mellin (mit dem Wohnort Parlow der Gemeinde Friedrichswalde vereinigt, Vorwerk später abgebrochen) vom Amt Liebenwalde abgespalten und einem eigenen Amtmann zugewiesen, und 1756 wurde das Amt Grimnitz völlig selbständig. 1839 wurde aus den Ämtern Grimnitz und Chorin das neue Rentamt Neustadt-Eberswalde gebildet, das bis 1872 existierte. 1846 erscheint das Amt Liebenwalde unter den Rentämtern.

Im weiteren Verlaufe der Geschichte des Amtes Grimnitz wurden auf dem Amtsgebiet weitere Siedlungen und Vorwerke angelegt, die die ungefähre Ausdehnung des ursprünglichen (Liebenwalder) Amtsgebietes erahnen lassen. Ein weiterer Hinweis auf die Größe des ursprünglichen Amtsgebietes sind die „stehende, alte Zinse“, die das Amt Liebenwalde noch 1546 für die Nutzung der Großen Werbelliner Heide von Bürgern folgender Orte erhielt.

Für Holzung und Grasung

Zins für Wiesennutzung

Wasserzins

1819 wurde das Amt Friedrichsthal aufgelöst, das Amtsgebiet auf die Ämter Oranienburg, Alt Ruppin, Liebenwalde und Vehlefanz aufgeteilt. An das Amt Liebenwalde kamen: Bernöwe (lediglich ein Teil des Ortes kam an das Amt Liebenwalde, der andere Teil gehörte zum Amt Oranienburg), Neuholland, Rehmate und Zehlendorf.

Amtleute (unvollständig)

Belege

Literatur

Einzelnachweise

  1. ↑ Ortschafts=Verzeichniß des Regierungs=Bezirks Potsdam nach der neuesten Kreiseintheilung vom Jahre 1817, mit Bemerkung des Kreises, zu welchem der Ort früher gehörte, der Qualität, Seelenzahl, Confession, kirchlichen Verhältnisse, Besitzer und Addreß-Oerter nebst alphabethischem Register. Berlin, Georg Decker Online bei Google Books.
  2. 1 2 Handbuch über den königlich preussischen Hof und Staat für das Jahr 1846. 812 S., Berlin, Georg Decker, 1846 (S. 305)
  3. ↑ CDB A XIII, Nr. 1, S. 151.
  4. ↑ Adres-Calender, der sämtlichen Königl. Preuß. Lande und Provinzien, auser den Residenzien Berlin, dem Königreiche Preussen und dem Souverainen Herzogthume Schlesien; der darinnen befindlichen hohen und niedern Collegien, Instanzien und Expeditionen, ingleichen der Königl. Bediente, Magisträte, Universitäten, Prediger etc. auf das Jahr MDCCLXXV (1775). 582 S., Königlich Preußischen Akademie der Wissenschaften, Berlin, 1775. Online bei Sächsische Landesbibliothek Staats- und Universitätsbibliothek Dresden (Hinter S. 72 zusätzlich eingeheftetes Blatt)
  5. ↑ Handbuch über den königlich preussischen Hof und Staat für das Jahr 1798. 444 S., nebst einen Anhang, 94 S., Berlin, George Decker, 1798 Online bei Google Books (S. 58)
  6. ↑ Handbuch über den königlich preussischen Hof und Staat für das Jahr 1800. 459 S., nebst einem Anhang mit 106 S., Berlin, Georg Decker, 1800 (S. 66)
  7. ↑ Handbuch über den königlich preussischen Hof und Staat für das Jahr 1804. 528 S., nebst einem Anhang mit 125 S., Berlin, Georg Decker, 1804 (S. 67)
  8. ↑ Handbuch über den königlich preussischen Hof und Staat für das Jahr 1818. 459 S., Berlin, Georg Decker, 1818 (S. 188)
  9. ↑ Handbuch über den königlich preussischen Hof und Staat für das Jahr 1821. 518 S., Berlin, Georg Decker, 1821 (S. 214)
  10. ↑ Handbuch über den königlich preussischen Hof und Staat für das Jahr 1824. 498 S., Berlin, Georg Decker, 1824 (S. 182)
  11. ↑ Handbuch über den königlich preussischen Hof und Staat für das Jahr 1832. 538 S., Berlin, Georg Decker, 1832 (S. 242)

Koordinaten: 52° 52′ N, 13° 24′ O