Das Amtsgericht Pfullendorf war ein badisches und später baden-württembergisches Amtsgericht mit Sitz in Pfullendorf im heutigen Landkreis Sigmaringen.
Das Amtsgericht Pfullendorf wurde im Jahr 1857 im Rahmen der Trennung von Rechtsprechung und Verwaltung in Baden während der staatlichen Neuorganisation nach der Revolution 1848/49 gegründet. Dem Gericht war das Hofgericht des Seekreises in Konstanz übergeordnet, an dessen Stelle 1864 das Kreis- und Hofgericht Konstanz und 1879 das Landgericht Konstanz traten.
Das Amtsgericht Pfullendorf wurde 1974 aufgehoben, die Gemeinden Hattenweiler, Heiligenberg und Wintersulgen dem Amtsgericht Überlingen und der Rest des Sprengels dem Amtsgericht Sigmaringen zugeordnet.

Das Amtsgerichtsgebäude (Martin-Schneller-Straße 5, 7) wird heute als Polizeigebäude genutzt. Es steht unter Denkmalschutz. Er handelt sich um einen zweigeschossiger Massivbau über geschosshohem Sockel, Stuttgarter Dach, Seitenrisalite mit Ziergiebeln, Erdgeschoss in Werkstein, Obergeschoss in Backstein mit reichen Werksteingliederungen, zentraler Portalrisalit mit säulengerahmtem Eingang, errichtet nach Entwurf von Karl Engelhorn, dem Leiter der großherzoglichen Bauinspektion Konstanz, 1893/94 (a); zugehörig Einfriedung mit Torpfosten.
Das am Nordwestrand des alten Stadtkerns gelegene palaisartige Gerichtsgebäude ist ein anschauliches Beispiel für die Staatsbauten des späten Historismus im Großherzogtum Baden. In zeittypischer Weise ist das Gericht in den Formen der nordischen Renaissance gehalten. Zurückgesetzt von der Straße, kann die Fassade die beabsichtige repräsentative Wirkung voll entfalten. Das Amtsgericht belegt dabei die Mittelpunktsfunktionen, welche Pfullendorf nach dem Anfall an das Großherzogtum 1803 behielt, indem es Bezirksamtsstadt wurde und damit auch Gerichtssitz, der wiederum die Kontinuität Pfullendorfs als Gerichtsort in reichsstädtischer Zeit fortsetzte. Das Gebäude ist wichtiges Zeugnis im Schaffen des Baumeisters Karl Engelhardt und hat Zeugniswert für die Geschichte Pfullendorfs im 19. Jahrhundert wie auch für die badische Verwaltungs- und Justizgeschichte im Allgemeinen.
Koordinaten: 47° 55′ 36,6″ N, 9° 15′ 26,2″ O