| Klassifikation nach ICD-10 | |
|---|---|
| K60.3 | Analfistel |
| K60.4 | Rektalfistel |
| K60.5 | Anorektalfistel |
| ICD-10 online (WHO-Version 2019) | |
| Klassifikation nach ICD-11 | |
|---|---|
| DB50.1 | Analfistel |
| DB50.2 | Anorektalfistel |
| ICD-11: Englisch • Deutsch (Vorabversion) | |
Analfisteln sind Entzündungen im Enddarm-Bereich, die unterschiedlich viele Hautschichten betreffen können. Ein Austritt der Entzündungshöhle zur Hautoberfläche in der Afterregion muss nicht zu dieser Krankheit gehören.

Häufige Ursache sind Abszesse im Bereich der Krypten des Afters/Anus innerhalb des Enddarms, die Anschluss an die Proktodealdrüsen erlangen. Die zwischen den Anteilen des Schließmuskels gelegenen Drüsen können dann auf verschiedenen Wegen den Schließmuskel mit ihren Ausführungsgängen durchsetzen.
Als Resultat sind häufig Ausführungsgänge an der Haut des Afters zu sehen, die Ausführungsgänge können aber auch nur zur Schleimhautseite hin gelegen sein. Typisch ist die Sekretion aus den Fistelöffnungen.
Als weitere – wenn auch seltenere – Ursachen kommen entzündliche Darmerkrankungen (Morbus Crohn, Colitis ulcerosa), Divertikulitis, Kryptitis oder Krebserkrankungen in Frage.
Bei Abszessbildung sind Schmerzen und Allgemeinsymptome wie Fieber und Unwohlsein typisch. Die Fisteln selbst als Folgezustand der Entzündung machen wenig Beschwerden und fallen am ehesten durch fortwährende Sekretionen am After auf. Falls die Fistel aber anfängt zu bluten, kann das zu erheblichen Schmerzen führen, da man die Blutung nicht so einfach stoppen kann. Eine Entzündung ist dann wahrscheinlich.
Die Diagnose wird durch Inspektion, Palpation und Rektoskopie gestellt. Fisteln sind oft nur bei Untersuchung in Narkose aufzufinden. Komplexe Fistelverläufe (z. B. bei Morbus Crohn) können durch ein MRT des Beckenbodens dargestellt werden.
Abgrenzung zu: Perianalthrombose, Prolaps der Hämorrhoiden.

Bei Abszessen besteht die Therapie in der ausreichend weiten chirurgischen Öffnung und Abszessdrainage.
Fisteln werden, sofern sie unterhalb des Schließmuskels verlaufen, in der Regel gespalten. Sonst werden sie nach Möglichkeit unter Schonung des Schließmuskels ausgeschnitten (Fistulektomie). Da die Fisteln auch durch größere Anteile des Kontinenzapparates verlaufen können, ist manches Mal eine radikale Entfernung problematisch.
In diesen Fällen ist ein plastischer Fistelverschluss notwendig: Hierbei wird die Fistelöffnung im Enddarminneren (inneres Fistelostium) mittels Naht verschlossen und mit einem U-förmigen Gewebeläppchen (Advancement Flap) gesichert. Alternativ wird nach Durchtrennung des Schließmuskels die Fistel operativ entfernt und anschließend der Schließmuskel wieder rekonstruiert (Fistulektomie mit primärer Sphinkternaht). Da beide Techniken ein nicht unerhebliches Inkontinenz-Risiko bergen, stehen neuerdings Schließmuskel-schonende Operationstechniken zur Verfügung:
Das FiLaC-Verfahren (fistula tract laser closure) ist eine minimalinvasive Methode zur Behandlung von Analfisteln. Entsprechend klinischer Empfehlungen wird es insbesondere bei kryptoglandulären Fisteln mit erhöhtem Risiko einer postoperativen Kontinenzstörung sowie bei Morbus-Crohn-assoziierten Fisteln eingesetzt. Dabei wird eine radial abstrahlende Laserfaser in den Fistelgang eingeführt und unter kontinuierlicher Abgabe von Laserenergie schrittweise zurückgezogen. Hierdurch wird das Fistelepithel zirkulär zerstört und der Fistelgang verschlossen, ohne den Analsphinkter zu durchtrennen.
Die FiLaC-Technik beruht somit auf einem schließmuskelerhaltenden Behandlungsansatz. Obwohl das Verfahren in den aktuellen S3-Leitlinien der AWMF bislang nicht allgemein als Standard-Erstlinientherapie empfohlen wird, entspricht es dem Leitlinienziel, bei hohen beziehungsweise komplexen Analfisteln sphinkterschonende Verfahren einzusetzen. Die International Society of Laser Proctology (ISoLP) hat hingegen eine spezielle Leitlinie zu FilaC veröffentlicht, in der eine standardisierte Vorgehensweise empfohlen wird. FiLaC wird insbesondere bei Patienten eingesetzt, bei denen eine postoperative Einschränkung der Kontinenz vermieden werden soll. Da keine Durchtrennung des Schließmuskels erforderlich ist, bleibt die Kontinenz in den meisten Fällen erhalten. Die in der Literatur berichteten Inkontinenzraten liegen überwiegend zwischen 0 und 1 % und sind somit im Vergleich zu anderen operativen Verfahren zur Behandlung von Analfisteln sehr niedrig. Der Erhalt der Kontinenz gilt als wesentlicher Vorteil des Verfahrens, da postoperative Kontinenzstörungen die Lebensqualität der Betroffenen erheblich beeinträchtigen können.
Systematische Übersichtsarbeiten und Metaanalysen beschreiben FiLaC als wirksame schließmuskelerhaltende Behandlungsoption. Die berichteten Heilungsraten liegen überwiegend zwischen 55 und 70 %, in einzelnen Studien wurden Erfolgsraten von 73 bis 86 % angegeben. Darüber hinaus wird die minimalinvasive Durchführung mit einer geringen Gewebeschädigung in Verbindung gebracht, was sich günstig auf den postoperativen Verlauf auswirken kann. Randomisierte kontrollierte Studien zeigen zudem Vorteile gegenüber konventionellen Verfahren hinsichtlich postoperativer Schmerzen, Kontinenzerhalt, Wundheilung, Komplikationsraten und Dauer des Krankenhausaufenthalts; die kurzfristigen Rezidivraten waren dabei vergleichbar oder wurden teilweise niedriger angegeben.
Hilfreich bei der Markierung und beim Ableiten des Eiters vor einem plastischen Fistelverschluss ist die Anlage einer Fadendrainage (Bändchen). Diese Methode wird auch eingesetzt, sofern die Fistel derzeit nicht oder nur unter großen Risiken, z. B. Inkontinenz, operativ entfernt werden könnte.