
Anaplastologie ist die Wissenschaft, das Erscheinungsbild eines Menschen nach entstellenden Unfällen, Operationen oder bei angeborenen Fehlbildungen durch einen geeigneten Ersatz (z. B. eine Epithese) bzw. kosmetische Maßnahmen möglichst naturgetreu wiederherzustellen. Dadurch sollen die Stigmatisierung der Betroffenen und mögliche psychische Folgen vermindert werden.

Der Begriff Anaplastologie geht auf den Amerikaner Walter Spohn zurück, der Erfahrung mit Kriegsveteranen hatte. Er war Mitbegründer der, 1980 an der Stanford University, begründeten Interessengruppe American Anaplastology Association (AAA). Der mittlerweile in International Anaplastology Association (IAA) umbenannte Fachverband führt regelmäßig international Kongresse durch. Der fachliche Austausch erfolgt unter anderem über die englischsprachige wissenschaftliche Fachzeitschrift Journal of Anaplastology and Reconstructive Surgery (JARS), die via Open Access online frei verfügbar ist.
Mittlerweile lässt sich eine Anaplasik nicht nur wie eine gewöhnliche Epithese oder Prothese handwerklich herstellen, sondern auch mit Hilfe von digitalen Techniken, darunter Scans und 3D-Druck anfertigen.

Neben den technischen Herausforderungen der Prothetik sind in der Anaplastologie auch psychologische Effekte relevant, z. B. wie gut Betroffene die Epithese emotional annehmen, da dies Auswirkungen darauf hat, ob sie beispielsweise am öffentlichen Leben teilnehmen oder sich (bis hin zur Isolation) sozial zurückziehen.
Ist eine Gesichtsrekonstruktion zwar realitätsnah gestaltet, passt aber vom Typ, den Proportionen oder der Symmetrie nicht stimmig zu der betroffenen Person, so kann sich der Effekt des Uncanny Valley ergeben. Das Aussehen des Patienten wird in diesem Fall von anderen Personen als befremdlich wahrgenommen und fällt dadurch stärker auf.
Fortschritte im Bereich der Transplantation ermöglichen mittlerweile, alternativ zu abnehmbaren Prothesen, eine anteilige oder vollständige Gesichtstransplantation. Bei der Behandlung von Personen mit angeborenen oder erworbenen Gesichtsdeformationen, ist dabei auch eine kombinierte Anwendung von Transplantaten, die mit entsprechendem Zahnersatz und ergänzender Anaplastologie möglich.