Anette Eva Fasang (geboren 1980) ist eine deutsche Soziologin und Professorin für Mikrosoziologie an der Humboldt-Universität zu Berlin.
Ab 1999 studierte Fasang an der Ludwig-Maximilians-Universität München Soziologie und schloss 2004 mit dem Magister Artium ab. 2005 ging sie als Trainee nach Budapest zur nationalen ungarischen UNESCO-Kommission. Von 2005 bis 2009 war sie Doktorandin an der privaten Jacobs University Bremen und wurde dabei von Klaus Schömann, Karl Ulrich Mayer, Silke Aisenbrey und Hilke Brockmann betreut. 2009 erwarb sie den Doktorgrad in Soziologie mit Auszeichnung an der Bremen International Graduate School of Social Sciences (BIGSSS). Ihre Dissertation hat den Titel „Retirement Processes and Family Biographies“.
Noch während ihrer Doktorarbeit engagierte sich Fasang am Center for Research on Inequalities and the Life Course (CIQLE) an der Yale University in New Haven, zunächst zwischen 2006 und 2007 als wissenschaftliche Mitarbeiterin, dann 2008 bis 2011 als Postdoktorandin. Parallel dazu war sie 2010 bis 2011 als Gastwissenschaftlerin am Institute for Social and Economic Research and Policy (ISERP) der Columbia University in New York City tätig.
2011 wurde Fasang an die Humboldt-Universität zu Berlin berufen, zunächst als Juniorprofessorin für Demografie. Seit 2014 ist sie dort Professorin für Mikrosoziologie. 2023 wurde sie zur Direktorin des Instituts für Sozialwissenschaften ernannt.
Laufend nahm Fasang weitere Positionen als Gastwissenschaftlerin an: so 2012 an der New York University in Abu Dhabi (NYUAD) in den Vereinigten Arabischen Emiraten, 2013 am Max-Planck-Institut für Demografische Forschung (MPIDR) in Rostock, 2015 am Ungarischen Demografischen Forschungsinstitut in Budapest. 2017 erhielt sie ein Stipendium am Nuffield College der University of Oxford.
Seit 2018 ist sie Direktorin der Berlin Graduate School of Social Sciences (BGSS). 2019 war sie Gast an der Stockholm Demography Unit (SUDA) und dem Schwedischen Institut für Sozialforschung der Universität Stockholm in Schweden.
Sie ist wissenschaftliches Mitglied des Deutschen Zentrums für Altersfragen e. V. (DZA).
Fasangs Forschungsschwerpunkte sind Lebensverlaufsforschung, Familienforschung, Altern und Ruhestand, Demografie, Sozialstruktur und Quantitative Sozialforschung.
Im Bereich der Quantitativen Sozialforschung stützt sich Fasang auf die Sequenzanalyse und entwickelte sie in Hinblick auf ihre Forschungsthemen weiter. Bei der Sequenzanalyse handelt es sich um eine Methode der qualitativen Sozialforschung, die auf der Grundlage einer Vielzahl von nach Perioden geordneter Parametern, welche aus Interviews oder Aufzeichnungen gewonnen werden, eine wirklichkeitsnahe Theoriebildung komplexer dynamischer Phänomene ermöglicht. Fasang arbeitet dabei an der Veranschaulichung der statistisch komplexen Auswertungen.
In Bezug auf das Thema Altern und Ruhestand fokussierte Fasang vor allem auf die Einkommensentwicklung unter länder- und geschlechtsspezifischem Blickwinkel.
Bei der Lebenslaufforschung interessierten Fasang bisher die Gründe für Mobilität, die Auswirkungen von Globalisierung und Branchenverschiebungen auf Berufskarrieren und soziale Abgrenzung und Bildungsniveau. Auch für das Glücksgefühl von Berufstätigen versucht Fasang Begründungen zu finden. Sie verfolgt Lebensläufe und messbare Veränderungen im 20. Jahrhundert und verschiedenen europäischen Ländern.
In der Familienforschung beschäftigte sich Fasang damit, wie Familien zustande kommen, ob bei Geschwistern ähnliche Muster der Familienbildung erkennbar sind und ob es je nach Geschlecht, Gesellschaftsschicht und Bildungsstand Unterschiede gibt. Vergleichend arbeitete Fasang Unterschiede zwischen Ost- und Westdeutschland bzw. den Vereinigten Staaten von Amerika und Deutschland heraus. Sie untersuchte das Phänomen zunehmender Kinderlosigkeit und beschäftigte sich mit den Wechselwirkungen von sozialem Standort, Geschlecht und Migration in Bezug auf Arbeits- und Familienleben.
Von 2011 bis 2020 war Fasang – parallel zu ihrer Professur an der Humboldt-Universität – Leiterin der Forschungsgruppe Demography and Inequality (Demografie und Ungleichheit) am Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung (WZB). Das Forschungsprojekt wurde 2020 abgeschlossen.
Aktuell beteiligt sich Fasang an einer Reihe weiterer Forschungsprojekte.
So arbeitet sie mit Bastian Betthäuser und Erzsébet Bukodi vom Department of Social Policy and Intervention (Institut für Sozialpolitik und Intervention) der University of Oxford an dem Forschungsprojekt "Atypical employment and the Intergenerational Transmission of disadvantage: Britain and Germany in Comparative Perspective (Atypische Beschäftigung und die intergenerationale Übertragung von Benachteiligungen: Großbritannien und Deutschland in vergleichender Perspektive)". Dabei werden befristete Arbeitsverhältnisse, Teilzeit, schlecht bezahlte Arbeit und Schichtarbeit in ihren generationenübergreifenden Auswirkungen analysiert.
Im Rahmen von SCRIPTS, einer Forschungsorganisation der Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG), leitet Fasang die Forschungsprojekte „Contestations of the Liberal Script (Anfechtungen des liberalen Drehbuchs) - Weltweite Herausforderungen für liberale Demokratie und Marktwirtschaft als Ordnungsmodell“ und „High hopes and broken promises: Young adult life courses in Senegal (Große Hoffnungen und gebrochene Versprechen: Lebenskurse für junge Erwachsene im Senegal)“.
Fasang beteiligt sich auch an dem Forschungsprojekt Equal Lives, das als eines von dreizehn internationalen Forscherteams von dem New Opportunities for Research Funding Agency Cooperation in Europe (NORFACE) der Europäischen Union ins Leben gerufen wurde. Das Team setzt sich aus Forschern der Universitäten Bristol und Essex (Vereinigtes Königreich), der Universität Turku (Finnland), der Humboldt-Universität Berlin (Deutschland), der Universität Kopenhagen (Dänemark) und der Universität Amsterdam (Niederlande) zusammen. Thema sind Untersuchungen zu „Dynamics of Inequality Across the Life-course“ (DIAL) oder "Dynamik der Ungleichheit entlang des Lebensverlaufes". Fasang leitet dabei das Teilprojekt "Inequality, early adult life courses and economic outcomes at mid-life in comparative context (Ungleichheit, Lebensverläufe im frühen Erwachsenenalter und wirtschaftliche Ergebnisse in der Lebensmitte im vergleichenden Kontext)".
In dem Forschungsprojekt "Haushaltsstrukturen und ökonomische Risiken während der COVID-19-Pandemie in Ost- und Westdeutschland: Kompensation oder Akkumulation (KOMPAKK)?" der Humboldt-Universität klären Annette Eva Fasang, Emanuela Struffolino und Hannah Zagel die Frage nach Gewinnern und Verlierern der Covid-19-Pandemie.
Fasang hat ein Kind, das 2016 geboren ist.
Dies ist eine Auswahl von Monografien und Artikeln. Aus ungefähr 80 Artikel werden hier diejenigen aufgelistet, die am meisten von anderen Wissenschaftlern zitiert wurden:
Quantitative Sozialforschung
Altern und Ruhestand
Lebenslaufforschung und Demografie
Familienforschung
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Fasang, Anette Eva |
| ALTERNATIVNAMEN | Fasang, Anette |
| KURZBESCHREIBUNG | deutsche Soziologin und Hochschullehrerin |
| GEBURTSDATUM | 1980 |