Angelo Lo Forese

Angelo Lo Forese, gelegentlich auch in der Schreibweise Angelo Loforese, (* 27. März 1920 in Mailand, Lombardei; † 14. Mai 2020 ebenda) war ein italienischer Opernsänger (Tenor).

Leben

Ausbildung und Anfänge

Angelo Lo Forese hörte bereits als Kind auf dem Grammophon seines Vaters Gaetano Lo Forese, der sich als Amateur-Opernsänger betätigte, Schallplatten von Enrico Caruso und anderen berühmten Sängern jener Zeit. Er war zunächst mehrere Jahre als Angestellter bei einer Mailänder Firma tätig, bevor er seine Karriere als Opernsänger begann. Er begann als Sänger im Kirchenchor der Chiesa di San Giuseppe in Mailand, seiner Heimatgemeinde, wo er als Bariton aufgenommen wurde. Der Organist der Kirchengemeinde riet ihm dazu, Gesangsunterricht zu nehmen. Im Alter von 18 Jahren begann er privat sein Gesangsstudium, seine erste Lehrerin war Anna Coiachelli (nach anderen Quellen Degiachelli), eine russische Fürstin, die nach der Oktoberrevolution nach Italien geflohen war, und ihn als Bass-Bariton ausbildete. Ein weiterer Lehrer, der italienische Tenor Primo Montanari (1895–1972), hielt ihn für einen Bariton, vorübergehend nahm er auch Unterricht bei Aureliano Pertile. Seine weiteren Lehrer waren der Bariton Emilio Ghirardini (1885–1965) und die Tenöre Vladimiro Badiali (1904–1993) und Alessandro Ziliani (1907–1977) in Mailand.

Während des Zweiten Weltkriegs wurde er zum Militär eingezogen und dem 3. Infanterie-Regiment von Enrico Toti (Terzo Bersaglieri del Reggimento di Enrico Toti) zugeteilt. 1943 floh er aus dem Milltärdienst in die Schweiz, wo er bis Kriegsende interniert war. Während seiner Internierung lernte er einen Schweizer Gesangslehrer kennen, der ihm beibrachte, Wagner und Händel im deutschen Stil zu singen. Nach Kriegsende kehrte Lo Forese nach Italien zurück und konnte durch Vermittlung des berühmten Baritons Antenore Reali (1897–1960), der an Samstagen in Mailand Operngesangsabende für junge Opernsänger organisierte, an einem Gesangswettbewerb in München teilnehmen.

Karriere

1948 gab er im Alter von 28 Jahren, nach der Schulung bei Primo Montanari, sein offizielles Debüt als Opernsänger, noch als Bariton, mit der Rolle des Silvio in I Pagliacci. Er sang in den folgenden beiden Jahren als lyrischer Bariton insgesamt 11 Fachpartien. 1950 entschloss er sich unter dem Einfluss von Emilio Ghirardini, den Wechsel ins Tenorfach zu vollziehen, was ihm innerhalb von nur sechs Monaten gelang. 1950 erfolgte am Opernhaus von Casablanca sein Bühnendebüt als Tenor mit der Rolle des Manrico in Il trovatore in einer Aufführung, in der die italienische Sopranistin Carla Castellani (1906–2005) ihren Abschied von der Opernbühne nahm. 1952 folgte sein offizielles Tenor-Debüt in Italien, ebenfalls mit dem Manrico, am Teatro Nuovo in Mailand.

Angelo Lo Forese hatte in den folgenden Jahren eine bedeutende Karriere an italienischen Opernhäusern. Er sang an den großen italienischen Bühnen, beim Maggio Musicale Fiorentino und bei den Festspielen in den Caracalla-Thermen in Rom. 1953 trat er am Teatro Comunale di Bologna als Pinkerton in Madama Butterfly auf. In der Saison 1954/55 debütierte er als Luigi in Il tabarro an der Oper Rom. 1956 sang er beim Maggio Musicale Fiorentino die Titelrolle in Don Carlo von Giuseppe Verdi. 1957 trat er am Teatro Comunale di Firenze als Aligi in La figlia di Iorio von Ildebrando Pizzetti auf und wirkte beim Maggio Musicale Fiorentino unter der musikalischen Leitung von Bruno Bartoletti im Teatro della Pergola in der Uraufführung der Oper Il Figliuol Prodigo von Gian Francesco Malipiero mit.

Im April 1959 debütierte er als Luigi in Il tabarro an der Mailänder Scala. Er sang dort auch den Don José in Carmen (1959), den Turiddu in Cavalleria rusticana (1964) und in der Saison 1971/72 die Titelrolle in Dimitri Schostakowitschs Oper Die Nase.

Im deutschsprachigen Raum gastierte er unter anderem an der Deutschen Oper Berlin, an der Hamburgischen Staatsoper, an der Staatsoper Stuttgart, an der Deutschen Oper am Rhein Düsseldorf-Duisburg (1966, als Manrico) und am Opernhaus Zürich (1958, als Manrico). Im Oktober 1960 gastierte er an der Wiener Staatsoper als Titelheld in Don Carlo.

Internationale Gastspiele gab er am Teatro Nacional de São Carlos in Lissabon (1955), am Teatro Colón in Buenos Aires (1955), am Opernhaus von Monte Carlo (1960 als Des Grieux in Manon Lescaut, 1961 als Gabriele Adorno in Simone Boccanegra), am Théâtre Royal de la Monnaie in Brüssel (1965) und an der Flämischen Oper in Gent (1970) und Antwerpen (1971). 1963 trat er am Opernhaus von Bilbao als Ismaele in Nabucco auf. In Frankreich gastierte er an den Opernhäusern von Toulouse, Lyon, Bordeaux und Marseille. Er gastierte bei den Festspielen von Aix-en-Provence und beim Wexford Festival (1969, als Rodolfo in Luisa Miller). Er trat außerdem in Helsinki, Rio de Janeiro, Johannesburg, Barcelona, Philadelphia und an den Opernhäusern von Zagreb, Belgrad, Budapest und Athen auf.

Im Laufe seiner Karriere sang Lo Forese etwa 80 Opernrollen, wobei er oft kurzfristig für erkrankte Kollegen einsprang, unter anderem mehrfach für Franco Corelli, und als „Einspringer vom Dienst“ galt. Der ihm gewidmete autobiografische Roman „Il tenore con la valigia sotto il letto“ von Domenico Gullo spielt auf diese Tatsache an. Höhepunkte in seinem vielgestaltigen Bühnenrepertoire waren die heldischen Partien der italienischen Opernliteratur, insbesondere von Giuseppe Verdi, Pietro Mascagni, Giacomo Puccini und Riccardo Zandonai, bis hin zur Titelpartie in Otello von Giuseppe Verdi.

Privates

Nach seiner aktiven Karriere widmete sich Angelo Lo Forese der Lehrtätigkeit. Bis ins hohe Alter trat er gelegentlich noch bei Musikabenden auf. Zur Feier seines 60-jährigen Bühnenjubiläums sang er die Stretta des Manrico „Di quella pira“ aus der Oper Il trovatore mit beiden hohen Cs. Im Alter von 92 Jahren sang er noch bei einem Konzert das Duett „O soave fanciulla“ aus La Bohème und die Arie des Calaf „Nessun dorma“ aus Turandot.

Im Alter von 96 Jahren zog er in die Casa di Riposo per Musicisti Giuseppe Verdi in Mailand, wo er im Mai 2020 zwei Monate nach seinem 100. Geburtstag starb.

Repertoire (Auswahl)

Hinweis: Rollen als Bariton sind mit * gekennzeichnet.

Schallplattenaufnahmen

Literatur

Einzelnachweise

  1. 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 Ingrid Wanja: Zum Tode von ...Angelo Lo Forese. Nachruf. OperaLounge.com. Abgerufen am 8. Oktober 2026.
  2. 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16 Angelo LOFORESE ist am 14.5.2020 in Mailand verstorben. Nachruf. In: Online Merker, Ausgabe Juni 2020. Abgerufen am 8. Oktober 2026.
  3. 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 Gli Ospiti si raccontano. Interview mit Angelo Lo Forese. Offizielle Internetpräsenz der Casa di Riposo per Musicisti Giuseppe Verdi. Abgerufen am 8. Oktober 2026.
  4. ↑ Il Tabarro 1954-55. Produktionsdetails und Besetzung. Offizielle Internetpräsenz der Oper Rom. Abgerufen am 8. Oktober 2026.
  5. ↑ IL TABARRO. Spielplanarchiv der Mailänder Scala. Besetzung vom 14. April 1959.
  6. ↑ ANGELO LO FORESE. Spielplanarchiv der Mailänder Scala.
  7. ↑ Don Carlo (ital.). Besetzung vom 30. Oktober 1960. Spielplanarchiv der Wiener Staatsoper. Abgerufen am 8. Oktober 1960.
  8. ↑ “Di quella pira” at age 92!!! Angelo LoForese. Musikausschnitt bei Youtube. Abgerufen am 8. Oktober 2026.
  9. ↑ Duetto dalla Boheme. Angelo Loforese 92 anni (years old tenor). Musikausschnitt bei Youtube. Abgerufen am 8. Oktober 2026.
  10. ↑ The Eternal Tenor – Angelo Loforese (92). Musikausschnitt bei Youtube. Abgerufen am 8. Oktober 2026.
  11. ↑ Verdi – Don Carlo – Siepi, Cerquetti – GOP. ClassicsToday.com, abgerufen am 8. Oktober 2026.
  12. ↑ Angelo Loforese (Cantante). Operaclass, abgerufen am 8. Oktober 2026.
Personendaten
NAME Lo Forese, Angelo
ALTERNATIVNAMEN Loforese, Angelo
KURZBESCHREIBUNG italienischer Opernsänger (Tenor)
GEBURTSDATUM 27. März 1920
GEBURTSORT Mailand, Lombardei
STERBEDATUM 14. Mai 2020
STERBEORT Mailand, Lombardei