Anna Blos

Anna Blos

Anna Berta Antonia Blos, geb. Tomasczewska (* 4. August 1866 in Liegnitz; † 27. April 1933 in Stuttgart) war eine deutsche Politikerin der SPD, Lehrerin, Autorin und Frauenrechtlerin. Blos wurde 1919 als einzige weibliche Abgeordnete der württembergischen SPD bei der Wahl zur Deutschen Nationalversammlung zum Mitglied der Weimarer Nationalversammlung gewählt.

Kindheit und Studium

Grabmal von Anna Blos und ihrem Ehemann auf dem Pragfriedhof, Stuttgart

Anna Berta Antonia Tomasczewska wurde am 4. August 1866 im niederschlesischen Liegnitz, dem heutigen Legnica, geboren. Ihre Eltern waren der Oberstabsarzt Robert Tomasczewski (1839-1892) und Marie Tomasczewska (1846-1879), Tochter eines ostpreußischen Gutsbesitzers.

1878 wurde der Vater versetzt und die Familie zog nach Karlsruhe. 1880/81 besuchte sie die vorletzte Klasse des dortigen Victoria-Pensionats, 1883/84 als externe Schülerin die Abschlussklasse des Prinzess-Wilhelm-Stifts, eines Seminars zur Lehrerinnenausbildung. Danach zog sie nach Berlin, um an der Humboldt-Universität die Fächer Geschichte, Literatur und Sprachen zu studieren.

Beruf und politische Laufbahn

Nach ihrem Examen war sie als Oberlehrerin tätig, wo ist nicht bekannt. 1905 heiratete sie Wilhelm Blos (1849–1927). Sie lebte seit ihrer Heirat in Stuttgart, wahrscheinlich hier trat sie der SPD bei und gehörte später dem Landesvorstand der SPD Württembergs an. Blos war Mitglied des Ortsschulrates von Stuttgart und erreichte 1910 als erste Frau im Deutschen Reich die Position einer Ortsschulrätin.

Sie engagierte sich als überzeugte Verfechterin des Frauenwahlrechts im Württembergischen Verein für Frauenstimmrecht. Sie gründete in Stuttgart den Verband der Stuttgarter Hausfrauen und war dessen Vorsitzende. Außerdem war sie in verschiedenen gemeinnützigen Organisationen tätig. Sie schrieb für die Stuttgarter sozialdemokratische Tageszeitung „Schwäbische Tagwacht“, und die von Clara Zetkin redigierte feministische Zeitschrift „Die Gleichheit“ und andere. Sie hielt in sozialistischen Jugendgruppen kostenfreie Kurse über richtiges Schreiben ab.

Am 9. November 1918, dem Tag der Novemberrevolution, nahm sie an der Sitzung des Landesvorstands der SPD Württembergs teil. Ihr 69 Jahre alter Mann wurde gedrängt im Landtag als Staatspräsident den Vorsitz über eine provisorische württembergischen Regierung zu übernehmen.

1919 wurde sie als einzige Frau aus Württemberg in die verfassungsgebende Weimarer Nationalversammlung nach Weimar gewählt, eine von insgesamt 37 Frauen unter den 423 Abgeordneten. Dort blieb sie bis zum Mai 1920. Ihr Mann schied im Juni 1920 aus dem Amt und beide widmeten sich danach dem Schreiben. Ab 1922 lebten die beiden in einer Pensionärswohnung im Alten Schloss in Stuttgart. 1927 erkrankte ihr Mann und starb.

Anna Blos schrieb „Frauen der deutschen Revolution 1848. Zehn Lebensbilder und ein Vorwort“ (1928), „Frauen in Schwaben. Fünfzehn Lebensbilder“ (1929) und den von ihr mit herausgegebene Band „Die Frauenfrage im Lichte des Sozialismus“ (1930).

Krankheit und Tod

Vom 21. bis zum 27. Dezember 1931 brannte das Alte Schloss in Stuttgart. Anna Blos verlor damit nicht nur ihre Wohnung, sondern auch die gemeinsam aufgebaute sehr umfangreiche Bibliothek.

Sie erkrankte an Krebs, dem sie am 27. April 1933 im Alter von 66 Jahren erlag. Sie wurde auf dem Pragfriedhof begraben.

Ehrungen

Straßenschild in Hamburg-Horn

Veröffentlichungen

Literatur

Quellen und Anmerkungen

  1. 1 2 Anna Blos' Biografie auf landtagswahl-bw.de, abgerufen am 24. September 2017
  2. ↑ Mascha Riepl-Schmidt: Anna (1866–1933) und Wilhelm Blos (1849-1927). In: Politische Köpfe aus Südwestdeutschland. Verlag W. Kohlhammer, Stuttgart 2005, S. 75
  3. ↑ Anna Blos und Wilhelm Blos. In: proaltcannstatt.de. Abgerufen am 11. Juni 2023.
  4. ↑ Gedenktafel Blos auf spd-stuttgart.de, abgerufen am 7. Dezember 2015
  5. ↑ Renate Allgöwer: Muhterem Aras: Präsidentin des Landtags versteht sich als Vorbild. In: Stuttgarter Zeitung. 8. März 2022, abgerufen am 12. März 2024.
  6. ↑ Landtag Baden Württemberg - Daten und Fakten. Abgerufen am 12. März 2024.
  7. ↑ Philipp Buonarroti, Babeuf und die Verschwörung für die Gleichheit mit dem durch sie veranlassten Prozess und den Belegstücken. Übersetzt und eingeleitet von Anna und Wilhelm Blos. Verlag von J. H. W. Dietz Nachf., Stuttgart. (Internationale Bibliothek) 336 Seiten. Brosch. 2 Mark, geb. 2,50 Mark. In: Die neue Zeit. Wochenschrift der deutschen Sozialdemokratie. 28.1909-1910, 1. Band. (1910), Heft 10, S. 347–348. Digitalisat