Anselm Sickinger

Anselm Sickinger

Anselm Sickinger (* 20. April 1807 in Owingen, Zollernalbkreis; † 17. Oktober 1873 in München, Königreich Bayern) war ein deutscher Bildhauer.

Leben und Wirken

Sickinger erlernte das Steinmetzhandwerk bei Konrad Volm in Owingen und arbeitete danach zwei Jahre in Überlingen. Anschließend ging er nach München und fand Beschäftigung in der Werkstatt von Johann N. Haller. Nach dessen Tod 1826 begründete er eine Bildhauerwerkstatt, in der zahlreiche Skulpturen und Altäre im Stil der Neugotik geschaffen wurden. Zu seinen besten Arbeiten werden die Altäre für die Pfarrkirche St. Peter in Velden und für die St.-Jodok-Kirche in Landshut gezählt. Im Rahmen der Restaurierung der Münchner Frauenkirche soll er neben der Kanzel und dem 1865 gestifteten Altar der Bäckerinnung auch den damaligen Hauptaltar nach Entwurf des Architekten Matthias Berger geschaffen haben. Ein weiteres Werk Sickingers ist die Innenausstattung der 1857/58 errichteten Kirche von Kirchanhausen bei Beilngries im Landkreis Eichstätt. Sickinger erfreute sich der Gunst des Königs Ludwig I., der ihm Aufträge für die Befreiungshalle in Kelheim übertrug. Außerdem „bevölkerte“ Sickinger den Campo Santo auf dem Münchner Alten Südfriedhof mit zahlreichen Grabdenkmalen.

Sickinger war Lehrer der Ornamentik an der Akademie der Bildenden Künste München und Mitglied des 1860 gegründeten Münchner Vereins für Christliche Kunst. Seine Schüler waren unter anderem Josef Kopf, Joseph Knabl, Franz von Lenbach, Peter Lutt (1828–1907), Christof Roth (1840–1907) und Dominik Sänger (1845–1897).

Familie

Seit dem 26. Juni 1831 war Anselm Sickinger mit Therese, geborene Karl (* 19. November 1806; † 9. Mai 1874 in München) verheiratet. Das Paar hatte fünf Kinder:

Der Bildhauer Jacob Sickinger (* 1815 in Hohenzollern-Hechingen), der 1845 an der Münchner Akademie studierte, war sein Cousin und Mitarbeiter in der Werkstatt Sickinger.

Grabmäler

Die Auswahl zeigt Grabmäler auf dem Alten Südlichen Friedhof, die Anselm von Sickinger gestaltet hat:

Altäre

Die Auswahl zeigt Altäre, die Anselm von Sickinger gestaltet hat:

Grabstätte

Grabmal von Anselm Sickinger, Adalbert und Jeanette Sickinger auf dem Alten Südfriedhof in München

Die Grabstätte von Anselm Sickinger befindet sich auf dem Alten Südfriedhof in München (Neue Arkaden Platz 163 bei Gräberfeld 30, Standort). Das Originalgrabmal ist leider im Krieg zerstört.

Die Grabstätte wurde ursprünglich für Anselm Sickinger wurde aber im Krieg zestört. Der aktuelle Grabstein von der Landeshauptstadt München als Ehrengrabmal gestiftet nennt zuoberst das Architektenehepaar Sickinger und ehrt das Andenken wegen ihrer Stiftung für hilfsbedürftige Münchner Bürger:

Als diesen vorausgehend werden aufgelistet:

Nachlass

Der künstlerische Nachlass von Anselm Sickinger mit einem Konvolut von nahezu 1300 Blättern gelangte nach dem Tod seines Sohns Adalbert 1920 an das Bayerische Nationalmuseum in München und wird dort als „Sammlung Anselm Sickinger“ aufbewahrt.

Literatur

Lexikonartikel

Monographien, Beiträge

Commons: Anselm Sickinger – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. 1 2 Hyacinth Holland: Sickinger, Anselm. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 34, Duncker & Humblot, Leipzig 1892, S. 160 f.
  2. ↑ Karl Klunzinger, Adolf Friedrich Seubert: Die Künstler aller Zeiten und Völker (…). Band 3: M–Z. Ebner & Seubert, Stuttgart 1864, S. 536 (Textarchiv – Internet Archive – Hier gibt Seubert noch an, dass Sickinger den Hauptaltar erschaffen habe, 1870 korrigierte er dies in Band 4).
  3. ↑ Die Zuschreibung des Hauptaltars an Anselm Sickinger wurde 1870 korrigiert; er sei stattdessen vom Bildhauer Joseph Knabl. Vgl. Karl Klunzinger, Adolf Friedrich Seubert: Sickinger, Anselm. In: Die Künstler aller Zeiten und Völker (…), Band 4: Nachträge seit 1857. Ebner & Seubert, Stuttgart 1870, S. 399 (Textarchiv – Internet Archive).
  4. ↑ Karl Klunzinger, Adolf Friedrich Seubert: Sickinger, Anselm. In: Die Künstler aller Zeiten und Völker (…), Band 4: Nachträge seit 1857. Ebner & Seubert, Stuttgart 1870, S. 399 (Textarchiv – Internet Archive).
  5. ↑ Findbuch Q 2/14: Nachlass Josef Kopf (1827-1903) - Vorbemerkung. In: landesarchiv-bw.de. Landesarchiv Baden-Württemberg, Abt. Hauptstaatsarchiv Stuttgart, abgerufen am 4. Januar 2026.
  6. 1 2 Hyacinth Holland: Biographisches Jahrbuch und Deutscher Nekrolog. Band 12: Vom 1. Januar bis 31. Dezember 1907. Georg Reimer, Berlin 1909, S. 109, 119 (Textarchiv – Internet Archive, Textarchiv – Internet Archive – Einträge zu: „Lutt, Peter“ und „Roth, Christof“).
  7. ↑ Hyacinth Holland: Sänger, Dominik. In: Biographisches Jahrbuch und deutscher Nekrolog. Band 2. Georg Reimer, Berlin 1898, S. 229 (Textarchiv – Internet Archive).
  8. ↑ Getraute Paare. In: Münchener Tagsblatt. Nr. 7, 7. Juli 1831, S. 28 (books.google.de).
  9. ↑ 00794 Anselm Sickinger. In: matrikel.adbk.de (Matrikeldatenbank der Akademie der Bildenden Künste München). Akademie der Bildenden Künste München, abgerufen am 4. Januar 2026.
  10. ↑ 00340 Jacob Sickinger. In: matrikel.adbk.de (Matrikeldatenbank der Akademie der Bildenden Künste München). Akademie der Bildenden Künste München, abgerufen am 4. Januar 2026.
  11. ↑ Susanne Hegele: Anselm Sickinger (1807–1873). Ein Beitrag zur „Münchner Gotik“ im 19. Jahrhundert. Dissertation LMU München 2013, S. 20 (Leicht vom Grabstein abweichende Lebensdaten einzelner Familienmitglieder, edoc.ub.uni-muenchen.de PDF)
  12. ↑ Anselm Sickinger. Grabinschrift, Infos zum Grab und zu Personen im Grab. In: campo-santo.de.
  13. ↑ Anselm Sickinger (* 20. April 1807 in Owingen; † 17. Oktober 1873 in München); Architekt und Bildhauer
  14. ↑ Therese Sickinger (* 1806; † 9. Mai 1874 in München); Bildhauers-Witwe
  15. ↑ Anselm Sickinger (* 1830; † 13. Mai 1867 in München); Bildhauer
  16. ↑ Barbara Sickinger geb. Trappentreu (* 1835; † 16. Dezember 1870 in München); Bildhauers-Witwe
  17. ↑ Adolf Sickinger (* 1845; † 24. November 1871 in München); Rechtskandidat
  18. ↑ Adalbert Sickinger (* 1878; † 13. August 1896 in Reichenhall); Gymnasiast
  19. ↑ Susanne Hegele: Anselm Sickinger (1807–1873). Ein Beitrag zur „Münchner Gotik“ im 19. Jahrhundert. Dissertation Ludwig-Maximilians-Universität München 2013, S. 4 f. (Digitalisat auf edoc.ub.uni-muenchen.de, abgerufen am 4. Januar 2026; nur Text, ohne Abbildungsteil; DNB)
Personendaten
NAME Sickinger, Anselm
KURZBESCHREIBUNG deutscher Bildhauer
GEBURTSDATUM 20. April 1807
GEBURTSORT Owingen (Haigerloch), Zollernalbkreis
STERBEDATUM 17. Oktober 1873
STERBEORT München, Königreich Bayern