
Anthea Hamilton (* 1978 in London) ist eine britische Künstlerin, die für ihre Skulpturen, Installationen und Performances bekannt ist.
Anthea Hamilton wurde als Tochter eines aus Jamaika eingewanderten Paares in London geboren und besuchte dort eine katholische Schule.
Hamilton wurde 1997 an der Wimbledon School of Art ausgebildet und studierte anschließend an der Leeds Beckett University, wo sie im Jahre 2000 ihren Bachelor-Abschluss erhielt. 2005 folgte der Master am Royal College of Art in London.
Sie lehrt in Genf und bietet Workshops für Alumni am Royal College of Art an. Zuvor hatte sie eine Stelle am Arts Council und besaß für ein Jahr eine Galerie im Osten Londons.
Hamilton lebt und arbeitet in London.
Hamiltons Werke weisen Bezüge zur Pop Art auf und verbinden Elemente aus Kunst, Mode, Design und Film. Ihre Kunst ist Ergebnis einer intensiven Recherche und dient der Analyse zur Reflexion gesellschaftlicher Zusammenhänge. Hamilton selbst verweist auf den französischen Schriftsteller und Dramatiker Antonin Artaud als zentrale Inspirationsquelle, insbesondere dessen Konzept des „körperlichen Wissens von Bildern“. Ihre Werke zielen darauf ab, eine unmittelbare körperliche Reaktion bei den Betrachtenden hervorzurufen. Dies erreicht Hamilton durch den Einsatz ungewöhnlicher Materialien, überdimensionierter Formen und eines subtilen Humors.
Hamilton beschreibt Humor in ihrer Kunst nicht als Mittel zur Belustigung, sondern als ein Werkzeug zur gedanklichen Verarbeitung. Sie interessiert sich für die mechanische Funktionsweise von Humor innerhalb einer Idee, insbesondere im Kontext der Präsentation ihrer Recherchen. Der Einsatz von Humor ermögliche eine größere Offenheit und verhindere, dass ihre Arbeiten belehrend wirken.
Anthea Hamilton versteht sich weniger als Bildhauerin denn als Ausstellungsmacherin. Ihre Arbeiten entstehen stets mit Blick auf ihre spätere Inszenierung und Wirkung im Raum. Die Präsentation erfolgt dabei konsequent zu ihren eigenen Bedingungen – ein Selbstverständnis, das sie in einem Gespräch mit der Künstlerin Sylvie Fleury formulierte.
In dieser Installation verwendete Hamilton ein über sieben Meter hohes, auf ein Baugerüst gedrucktes Bild eines männlichen Modells, das auf dem Dach eines Parkhauses präsentiert wurde. Die sichtbare Gitterstruktur des Gerüsts verlieh der Pose des Modells eine klassische Ästhetik, die Assoziationen mit Leonardo da Vincis Vitruvianischem Menschen weckt. Durch einen gezielt geschaffenen Durchgang zwischen den Beinen der Figur wurde diese Referenz humorvoll gebrochen und ins Absurde überführt. Hamilton Arbeit bietet Raum für vielfältige Interpretationen. Das Motiv wirke zugleich „komisch und sexuell“.
Die Skulptur war Teil von Hamiltons Installation für den Turner Prize 2016 in der Tate Britain. Das Werk basiert auf einem nie realisierten Entwurf des italienischen Designers Gaetano Pesce aus den 1970er-Jahren für den Eingang eines Apartmentgebäudes in New York: ein überdimensioniertes männliches Hinterteil, das aus einer Wand ragt, mit Händen, die die Pobacken spreizen. Hamilton übernahm diesen Entwurf und verwandelte ihn in eine großformatige Skulptur, die provokativ mit Themen wie Körperlichkeit, Architektur, Humor und Begehbarkeit spielt.
Das Werk entstand aus einer umfassenden Recherche, die Verbindungen zwischen venezianischer Gotik, dem Hyperrealismus in der Malerei und der Disco-Kultur herstellte.
Im Rahmen der Ausstellung Anthea Hamilton Reimagines Kettle’s Yard interpretierte Hamilton die Sammlung von Jim Ede neu, indem sie Werke aus Kettle’s Yard mit eigenen Arbeiten sowie mit Objekten von eingeladenen Künstlerinnen und Künstlern kombinierte. In Anlehnung an die häusliche Atmosphäre des Originals integrierte sie Möbel, Textilien und Alltagsgegenstände in die Präsentation und schuf so eine ortsspezifische Installation, die Malerei, Skulptur und Design in einer raumbezogenen Inszenierung verbindet. Hamiltons Interesse an Form, Körper und Alltagsästhetik zeigt sich etwa in der Verwendung handgewebter Matten oder in figurativen Referenzen wie Kimonos oder Brotlaiben. Ihre Neuordnung von Edes Objekten würdigt dessen Sammlung nicht durch Konservierung, sondern durch kreative Transformation. Dadurch betont sie die Offenheit und Wandelbarkeit kuratorischer Räume.
Mit dieser Inszenierung realisierte Hamilton eine ortsspezifische Installation für die Duveen Galleries in der Tate Britain. Die Arbeit vereint Skulptur, Performance und Rauminstallation und bestand aus einem weißen, gekachelten Ausstellungsraum, der an ein Schwimmbecken oder eine Klinik erinnerte. Täglich bewegte sich eine verkleidete Person in einem vom Modehaus Loewe entworfenen, hochstilisierten Kostüm mit einem überdimensionalen Kürbiskopf („gourd head“) durch den Raum. Diese Figur verkörperte eine stille, rätselhafte Präsenz zwischen Objekt und Subjekt und verlieh der Installation eine lebendige Dimension. Die Inszenierung thematisierte Fragen nach Identität, Körperlichkeit und Ritual sowie die Rolle der Betrachtung im musealen Kontext.

2024 wurde Anthea Hamilton in das umfangreiche Nachschlagewerk Great Women Sculptors des Phaidon-Verlags aufgenommen, das bedeutende Bildhauerinnen der Kunstgeschichte würdigt.
Die Kunstkritikerin Laura Herman hebt in ihrer Analyse Hamiltons visuell geprägte, fragmentarisch arbeitende Praxis hervor, die sich durch ein sensibles Zusammenspiel von Beobachtung, Recherche und kulturellen Referenzen auszeichnet. Herman betont, dass Hamiltons Installationen weniger auf kohärente Narrative als auf einen „Verdauungsprozess“ abzielen, in dem „Objekte fortlaufend überarbeitet und neu kontextualisiert werden“ (Original: „a digestive process, with objects undergoing constant revision“). Die Künstlerin entwickle dabei ein komplexes Geflecht aus persönlichen, politischen und kunsthistorischen Bezügen, das gleichermaßen spielerisch wie kritisch sei. Laut Herman liege eine besondere Qualität von Hamiltons Werk in ihrer Fähigkeit, sowohl das „Vergnügen am Sehen“ als auch die „Mechanismen der Verdrängung“ sichtbar zu machen.
Alex Farquharson, Direktor der Tate Britain, würdigte Anthea Hamiltons Werk als einen eigenständigen Beitrag zur britischen und internationalen Kunst. Laut Farquharson zeichnen sich Hamiltons Arbeiten durch eine visuelle Verspieltheit und gedankliche Tiefe aus und schaffen eindrückliche Erlebnisse, die zugleich irritieren und erfreuen.
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Hamilton, Anthea |
| KURZBESCHREIBUNG | britische Künstlerin |
| GEBURTSDATUM | 1978 |
| GEBURTSORT | London |