Anthemideae

Anthemideae

Echte Kamille (Matricaria chamomilla)

Systematik
Asteriden
Euasteriden II
Ordnung: Asternartige (Asterales)
Familie: Korbblütler (Asteraceae)
Unterfamilie: Asteroideae
Tribus: Anthemideae
Wissenschaftlicher Name
Anthemideae
Cass.

Die Anthemideae sind eine Tribus in der Unterfamilie der Asteroideae innerhalb der Pflanzenfamilie der Korbblütler (Asteraceae). Die Tribus Anthemideae enthält etwa (100 bis) 110 Gattungen mit etwa 1750 Arten. Unter anderem enthält sie Gattungen wie Schafgarben, Artemisia oder Hundskamillen, aber auch Kamillen, Margeriten oder Chrysanthemen.

Beschreibung

Vegetative Merkmale

Es sind ein-, zweijährige bis ausdauernde krautige Pflanzen oder bilden als verholzende Pflanzen Halbsträucher oder Sträucher. Viele Arten besitzen einen aromatischen Duft, besonders die Laubblätter.

Sie besitzen wechselständige, selten gegenständige oder in Rosetten zusammengefasste Laubblätter, die meist in Blattstiel und Blattspreite gegliedert sind. Die Blattspreiten sind selten einfach, meist sind sie geteilt, gefingert oder gelappt. Die Blattränder sind glatt bis gezähnt oder gesägt.

Längsschnitt der körbchenförmigen Blütenstände der Gemeinen Schafgarbe (Achillea millefolium) und der Echten Kamille (Matricaria chamomilla). Es sind die Röhrenblüten (innen) und die Zungenblüten (außen) und die Unterschiede in der Blütenstandsachse zu erkennen.

Generative Merkmale

Die körbchenförmigen Blütenstände stehen manchmal einzeln oder zu wenigen in Gruppen zusammen, meist stehen sie in verzweigten, sehr unterschiedlich aufgebauten Gesamtblütenständen zusammen. Die Körbe enthalten meist sowohl meist eine, selten mehrere Reihen Zungen- (Strahlenblüten) als auch Röhrenblüten (Scheibenblüten) (siehe Illustration). Es sind meist zwei bis vier, selten bis zu sieben Reihen von Hüllblättern vorhanden. Der Korbboden ist flach, konvex bis kegelförmig. Spreublätter sind vorhanden oder fehlen.

Die zygomorphen, zwei- bis dreizähnigen Zungenblüten sind meist weiblich und fertil, nur selten sind sie steril. Die Farben der Zungenblüten reichen von gelb, weiß, verschiedenen Violetttönen über rosafarben bis selten rötlich. Die radiärsymmetrischen, vier- oder fünfzipfeligen Röhrenblüten sind immer fertil und meist zwittrig, selten funktional männlich. Die Röhrenblüten sind meist, selten rosa- bis purpurfarben. Die Staubbeutel besitzen Anhängsel. Die Pollenoberfläche besitzt Stacheln oder sie fehlen (ohne beispielsweise Ajaniopsis, Artemisia, Kaschgarica, Neopallasia).

Die Achänen in einem Fruchtstand sind meist alle gleich, selten deutlich unterschiedlich. Die Achänen sind manchmal geflügelt, meist ohne Pappus, wenn ein Pappus vorhanden ist dann besteht er meist aus wenigen Schuppen oder ist als häutiger Saum ausgebildet.

Systematik und Verbreitung

Die Verbreitung der Tribus Anthemideae ist fast weltweit. Es gibt kaum Arten in den Tropen. Doch sind die meisten Arten in der Alten Welt beheimatet: Eurasien, Nord- und Südafrika. Besonders viele Arten sind in Zentralasien, im Mittelmeergebiet und in der Capensis zu finden. Weniger Arten gibt es in Nordamerika und Australasien. 29 Gattungen kommen nur auf der Südhalbkugel vor oder haben dort das Zentrum ihrer Artenvielfalt; es sind etwa 290 Arten. In Pakistan kommen 22 Gattungen mit etwa 91 Arten, in China etwa 26 Gattungen und in Nordamerika 26 Gattungen mit etwa 99 Arten vor.

Die Veröffentlichung der Tribus Anthemideae erfolgte durch Alexandre Henri Gabriel de Cassini 1815 in Bulletin de la Société Philomatique de Paris, S. 173 und 1819 in Journal de Physique, de Chimie et d'Histoire Naturelle (Paris), 88, S. 192.

Subtribus Anthemidinae: Archanthemis marschalliana
Subtribus Artemisiinae: Als Zierpflanze verwendet wird die Gold-und-Silber-Chrysantheme (Ajania pacifica).
Subtribus Artemisiinae: Nipponanthemum nipponicum
Subtribus Artemisiinae: Sphaeromeria compacta
Subtribus Athanasiinae: Adenoglossa decurrens
Subtribus Athanasiinae: Athanasia acerosa
Subtribus Cotulinae: Cotula barbata am Naturstandort
Subtribus Cotulinae: Leptinella squalida
Subtribus Glebionidinae: Argyranthemum foeniculaceum
Subtribus Leucantheminae: Leucanthemum atratum
Subtribus Leucantheminae: Gelbe Margerite (Coleostephus myconis)
Subtribus Leucanthemopsidinae: Leucanthemopsis alpina
Subtribus Matricariinae: Keulen-Bertram (Anacyclus clavatus)
Subtribus Matricariinae: Mehrjähriger Bertram (Anacyclus pyrethrum)
Subtribus Matricariinae: Otanthus maritimus
Subtribus Phymasperminae: Eumorphia sericea subsp. robustior
Subtribus Santolininae: Santolina chamaecyparissus
Subtribus Ursiniinae: Ursinia anthemoides
Subtribus Ursiniinae: Schöne Bärenkamille (Ursinia speciosa)
Aaronsohnia factorovskyi
Cancrinia krasnoborovii
Gonospermum elegans
Hulteniella integrifolia
Gelber Leberbalsam (Lonas annua)

Die Tribus Anthemideae wird nach Oberprieler, Himmelreich und Vogt 2007 in 14 Subtribus gegliedert und enthält etwa 111 Gattungen (vollständige Liste, Stand 2011) mit etwa 1750 bis 1800 Arten:

Nutzung

Wenige Arten werden als Gemüse verwendet: Bunte Wucherblume (Ismelia carinata), Kronenwucherblume (Glebionis coronaria) und Saat-Wucherblume (Glebionis segetum).

In der Tribus Anthemideae sind viele Heil- und Gewürzpflanzen mit ätherischen Ölen zu finden. Bekannteste Vertreter sind die Echten Kamillen (Gattung Matricaria). Weitere wichtige Gattungen sind: mit Heilpflanzen-Arten wie Hundskamille (Anthemis), Schafgarbe (Achillea), Beifuß (Artemisia), aber auch Gewürzpflanzen wie Estragon (Artemisia dracunculus).

An Zierpflanzen sind am bekanntesten Chrysanthemen (Chrysanthemum) und Margeriten (Leucanthemum).

Insektizide (Pyrethrum) werden beispielsweise aus verschiedenen Tanacetum-Arten gewonnen. Medizinisch verwendet wird beispielsweise Artemisia capillaris.

Quellen

Einzelnachweise

  1. 1 2 3 4 Anthemideae im Germplasm Resources Information Network (GRIN), USDA, ARS, National Genetic Resources Program. National Germplasm Resources Laboratory, Beltsville, Maryland.
  2. 1 2 3 Rosa Maria Lo Presti, Stephanie Oppolzer, Christoph Oberprieler: A molecular phylogeny and a revised classification of the Mediterranean genus Anthemis s.l. (Compositae, Anthemideae) based on three molecular markers and micromorphological characters. In: Taxon. Band 59, Nr. 5, 2010, S. 1441–1456. JSTOR:20774040
  3. ↑ Manfred A. Fischer, Wolfgang Adler, Karl Oswald: Exkursionsflora für Österreich, Liechtenstein und Südtirol. 2., verbesserte und erweiterte Auflage. Land Oberösterreich, Biologiezentrum der Oberösterreichischen Landesmuseen, Linz 2005, ISBN 3-85474-140-5.
  4. 1 2 3 Werner Greuter, Eckhard von Raab-Straube (Hrsg.): Med-Checklist. A critical inventory of vascular plants of the circum-mediterranean countries. Vol. 2: Dicotyledones (Compositae). Organization for the Phyto-Taxonomic Investigation of the Mediterranean Area (OPTIMA), Genève 2008, ISBN 978-2-8279-0011-4 (englisch).
  5. 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 Yourun Lin (Ling Yuou-ruen), Zhu Shi, Christopher J. Humphries, Michael G. Gilbert: In Wu Zheng-yi, Peter H. Raven, Deyuan Hong (Hrsg.): Flora of China. Volume 20–21: Asteraceae. Science Press / Missouri Botanical Garden Press, Beijing / St. Louis 2011, ISBN 978-1-93564107-0, S. 653 (englisch)., PDF-Datei, textgleich online wie gedrucktes Werk.
  6. 1 2 Yuan Huang, Yi-Ming An, Shi-Yong Meng, Yan-Ping Guo, Guang-Yuan Rao: Taxonomic status and phylogenetic position of Phaeostigma in the subtribe Artemisiinae (Asteraceae). In: Journal of Systematics and Evolution, Volume 55, Issue 5, 2017, S. 426–436. doi:10.1111/jse.12257
  7. ↑ Vernon Hilton Heywood: Coleostephus Cass. In: Thomas Gaskell Tutin u. a.: Flora Europaea. Band 4, Seite 174. Cambridge University Press 1976. ISBN 0-521-08717-1
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