
Der Antillenstrom (engl. Antilles Current) ist eine beständige, nach Nordwesten gerichtete Meeresströmung im westlichen Nordatlantik. Er verläuft entlang der östlichen Seiten der Großen Antillen (Kuba, Hispaniola, Puerto Rico) und der Bahamas und bildet einen Teil der westlichen Randströmung des subtropischen Wirbels im Nordatlantik. Zusammen mit dem Floridastrom, der durch die Floridastraße fließt, ist der Antillenstrom einer der Hauptvorläufer des Golfstromsystems, das unter anderem maßgeblich das Klima Nordeuropas beeinflusst.
Der Vorläufer des Antillenstroms ist der nach Westen gerichtete Nordäquatorialstrom. Ein Teil seines Wassers tritt als Karibische Strömung (Caribbean Current) in das Karibische Meer ein, speist den Floridastrom und verlässt diesen durch die Floridastraße. Der andere, östliche Teil fließt nördlich der Kleinen Antillen und entlang der Großen Antillen weiter und bildet so den Antillenstrom. Während der Floridastrom eine stärkere, kanalisierte Strömung ist, ist der Antillenstrom breiter, flacher und schwächer. Seine mittlere Transportrate wird auf etwa 4–6 Sverdrup (Sv; 1 Sv = 1 Million m³/s) nördlich der Bahamas geschätzt, wobei sie erhebliche saisonale und interannuelle Schwankungen aufweist. Die Strömung ist am stärksten in den oberen 800 Metern der Wassersäule ausgeprägt.
Die Struktur und Stärke des Antillenstroms unterliegt erheblicher Variabilität. Studien mit Oberflächendriftern haben gezeigt, dass die Strömung nicht einheitlich, sondern oft in eine Reihe von Wirbeln (Eddys) und Mäandern aufgelöst ist. Diese Variabilität wird durch verschiedene Faktoren angetrieben:
Als integraler Bestandteil des Atlantischen Meridionalen Umwälzsystems (AMOC) spielt der Antillenstrom eine wichtige Rolle im globalen Wärmetransport. Zudem ist er eine entscheidende Wanderroute für marine Lebewesen und transportiert nährstoffreiches sowie planktonreiches Wasser in die Region der Bahamas und darüber hinaus. Die von ihm transportierten Süßwasserfahnen der großen Flüsse können die Primärproduktion und die hydrografischen Bedingungen in weiten Teilen der Karibik und des westlichen Atlantiks beeinflussen.
Das Verständnis des Antillenstroms wurde durch direkte Messungen vor Ort, Satellitenaltimetrie und numerische Modelle erheblich verbessert. Besonders wegweisend waren die Einsätze von Oberflächendriftern, die die komplexe Wegstrecke und Variabilität der Strömung kartierten. Moderne Forschungsprogramme wie das RAPID-MOORING-Array bei 26,5°N liefern kontinuierliche Daten über Transport und thermohaline Eigenschaften sowohl des Antillenstroms als auch des Floridastroms und tragen so zu einem verbesserten Verständnis ihrer gemeinsamen Rolle im Klimasystem bei.