
Nicolas-Jacques-Antoine Vestier, genannt Antoine Vestier (* 27. April 1740 in Avallon, Département Yonne; † 24. Dezember 1824 in Paris) war ein französischer Maler und Miniaturist. Er zählte zu den gefragten Porträtisten des Pariser Adels und der Großbourgeoisie in den letzten Jahrzehnten des Ancien Régime, war Mitglied der Académie royale de peinture et de sculpture und Hofmaler.
Nicolas-Jacques-Antoine Vestier entstammte einer ursprünglich aus Troyes stammenden Kaufmannsfamilie aus Avallon und wuchs in bescheidenen Verhältnissen auf. Als Maler war er zunächst Autodidakt. Der örtliche Patrizier Philippe-Louis de Chastellux wurde auf Vestiers Talent aufmerksam, nachdem er dessen Gemälde Himmelfahrt Christi (1758, ursprünglich für die Kirche Saint-Julien in Avallon, heute in Île-le-Solsois, Yonne) gesehen hatte. Chastellux ermöglichte ihm daraufhin einen Aufenthalt in Paris, wo Vestier im Atelier von Jean-Baptiste Marie Pierre studierte. Bei seinem späteren Schwiegervater, dem Emailmaler Antoine Révérend, erlernte er die Technik der Emailmalerei. 1764 heiratete er dessen Tochter Marie-Anne Révérend (1740–1831). In den folgenden Jahren arbeitete Vestier zunächst mit wenig Erfolg als Miniaturist auf Elfenbein, Perlmutt und Kupfer sowie in Email, bis er 1766 für Antoine-Marie d’Hozier de Sérigny tätig wurde und dessen Porträt sowie die Porträts weiterer Mitglieder der einflussreichen Familie d’Hozier anfertigte.

1774 stellte Antoine Vestier im Salon der Académie de Saint-Luc einige Zeichnungen aus. 1776 hielt er sich für ein Jahr in London auf, wo er Philippe-Jacques de Loutherbourg kennenlernte und vermutlich auch Thomas Gainsborough traf. Mit dem Maler Matthew William Peters schloss er Freundschaft. Familienüberlieferungen berichten zudem von Reisen nach England und in die Niederlande, bei denen er den Emailmaler Antoine Révérend kennenlernte, der mit dem Maler Henri-Pierre Danloux verschwägert war.
1785 wurde Antoine Vestier als agréé (zugelassenes Mitglied) in die Académie royale de Peinture et de Sculpture aufgenommen. Er hatte das Porträt seiner Tochter Marie-Nicole Vestier eingereicht; die Aufnahme erfolgte auf Empfehlung des Porträtisten Joseph-Siffred Duplessis. Mit der Einreichung seiner Porträts der Maler Nicolas-Guy Brenet (1786, Schloss Versailles) und Gabriel-François Doyen (1786, Louvre, Paris) als Aufnahmestücke wurde er 1786 Vollmitglied der Akademie. Von 1785 bis 1791 stellte er regelmäßig im Salon de Paris im Louvre aus. In dieser Zeit wandte er sich zunehmend von der Miniaturmalerei ab und dem Staffeleibild zu. Er wurde zu einem gefragten Porträtisten des Adels und der Großbourgeoisie.
1788 wurde er zum Hofmaler ernannt, was durch die Signatur „Vestier pictor regis 1788“ auf dem Porträt Le Fusilier Jean Theurel (1788, Musée des Beaux-Arts, Tours) belegt ist. 1789 stellte er im Salon das Porträt Jean-Henri Masers, Chevalier de Latude devant la Bastille (Musée Carnavalet, Paris) aus – sein einziges Werk, das mit der Französischen Revolution in Verbindung gebracht werden kann.
Der Niedergang des Adels infolge der Revolution brachte Antoine Vestier, wie vielen anderen Künstlern auch, finanzielle Nachteile. Bis 1795 konnte er nicht mehr ausstellen. 1796 erhielt er eine Wohnung im Louvre, die jedoch so klein war, dass er nur Miniaturmalerei ausüben konnte. Im Jahr 1806 verweigerte ihm die kaiserliche Regierung wiederholt den Bau eines angemessenen Ateliers in der Sorbonne, woraufhin er die Malerei für den Rest seines Lebens aufgab. Bis 1821 lebten er und seine Frau im sogenannten Musée des Artistes in der ehemaligen theologischen Fakultät. Nach einer vorübergehenden Notunterbringung fand das betagte Ehepaar eine Wohnung in der Rue de Seine 22 in Paris. Dort starb Antoine Vestier im Alter von 84 Jahren. Er wurde auf dem Friedhof Père Lachaise bestattet.
Antoine Vestier war der Vater der Malerin Marie-Nicole Vestier (* 8. September 1767 in Paris; † 1846 in Limoges) und des Architekten Nicolas-Jacques-Antoine Vestier sowie der Großvater der Architekten Archimède und Phidias Vestier. Marie-Nicole Vestier heiratete im Jahr 1789 den Miniaturmaler François Dumont. Dieser war bis zur Revolution Hofmaler Ludwigs XVI. und Marie-Antoinettes und diente nach der Revolution auch Ludwig XVIII.
Der Catalogue raisonné von Anne-Marie Passez (1989) verzeichnet 120 Gemälde und Pastelle, sechs Zeichnungen sowie 99 Miniaturen von Antoine Vestiers Hand. Vestiers frühe Porträts bis zu seinem Englandaufenthalt 1776/77 – etwa das Bildnis des Bischofs Jean-Denis de Vienne (1776, Kirche Saint-Paul, Lyon) – zeigen eine konservative Bildauffassung. Bereits das Selbstbildnis mit Sohn Nicolas (1777, Privatbesitz) offenbart hingegen ein gewandeltes malerisches Können, insbesondere in der differenzierten Charakterisierung der beiden Dargestellten mittels kontrastreicher Lichtführung.
Zu den Hauptwerken seiner reifen Schaffensphase zählt das Porträt seines Sohnes Nicolas-Jacques-Antoine Vestier (1783, Sammlung Debladis, Paris). Das Selbstbildnis von 1785 (Sammlung Duchemin, Paris; signiert Vestier / Pictor Regis 1785) entstand im Jahr seiner Aufnahme in die Académie royale und zeigt ihn mit Palette in der traditionellen Pose des Malers. Das Porträt Le Fusilier Jean Theurel (1788, Musée des Beaux-Arts, Tours) stellt den greisen Kriegsveteranen im Kniestückformat in weißer Uniform dar. Zahlreiche Bildnisse widmete Vestier seiner eigenen Familie sowie befreundeten Künstlern und Kunsthandwerkern, darunter L’Ébéniste Jean-Henri Riesener (1786, Schloss Versailles) und Le Guitariste Gatayes (1803, Privatbesitz).
Antoine Vestiers künstlerisches Schaffen war über weite Strecken seines Lebens von äußeren Umständen und wechselndem Erfolg geprägt. Dennoch gilt er als einer der produktivsten Porträtisten in Paris vom Vorabend der Revolution bis in die frühe Kaiserzeit Napoleons. In der kunsthistorischen Einordnung wird er, wie Élisabeth Vigée-Lebrun, Jacques-Louis David oder Hubert Robert, zu den Übergangsmalern zwischen dem höfischen Repräsentationsporträt und einer stärker individuell geprägten Bildnisauffassung gezählt.
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Vestier, Antoine |
| ALTERNATIVNAMEN | Vestier, Nicolas-Jacques-Antoine (vollständiger Name) |
| KURZBESCHREIBUNG | französischer Maler und Miniaturist |
| GEBURTSDATUM | 27. April 1740 |
| GEBURTSORT | Avallon, Département Yonne |
| STERBEDATUM | 24. Dezember 1824 |
| STERBEORT | Paris |