Antonio Susini

Antonio Susini: Madonna mit Kind, um 1609, Bronze, Bode-Museum, Berlin

Antonio Susini (* 1558 in Florenz; † 9. Juni 1624 ebenda), auch Antonio del Susina oder Antonio Susina genannt, war ein italienischer Bildhauer und Bronzegießer des Florentiner Manierismus. Er war der Onkel des Bildhauers Giovanni Francesco Susini.

Leben

Antonio Susini erhielt seine Ausbildung um 1570/72 bei dem heute wenig bekannten Florentiner Goldschmied Felice Traballesi. Im Jahr 1577 entstand mit einer verkleinerten Kopie des Bacchus von Jacopo Sansovino (Original: Museo Nazionale del Bargello, Florenz) seine erste dokumentierte Auftragsarbeit für Jacopo Salviati, die von Girolamo di Zanobi Portigiani gegossen wurde. 1578/79 folgte eine weitere Arbeit für Salviati: eine Kopie der heute verlorenen Kreuzabnahme (Relief) von Baccio Bandinelli (heute im Louvre, Paris), die ebenfalls von Portigiani gegossen wurde.

Ab 1581 trat er durch Vermittlung Salviatis als Gehilfe in die Werkstatt Giambolognas ein und war an den Bronzearbeiten für die von den Salviati gestiftete Grabkapelle des heiligen Antoninus in der Kirche San Marco in Florenz beteiligt. 1584 und 1589 soll er Giambologna auf Reisen nach Rom und in die Lombardei begleitet haben. In dessen Werkstatt führte er zahlreiche Bronze- und Goldarbeiten aus und übernahm dabei häufig auch die Ziselierung nach dem Guss. 1587 bezog Giambologna eine Werkstatt im Borgo Pinti, in der er eine eigene Gießerei einrichtete. In der Folge war Susini maßgeblich an den Vorbereitungen für das Reiterstandbild Cosimo I. de’ Medicis (vollendet 1594, Piazza della Signoria, Florenz) beteiligt, unter anderem bei der Modellherstellung.

Ab etwa 1596 entstand der bronzene Figurenschmuck für das Tabernakel der Certosa di Galluzzo bei Florenz. Der Auftrag ging formal an Giambologna, doch Antonio Susini war für die Ausführung der Bronzestatuetten (auferstandener Christus, vier Evangelisten, sechs Engel) verantwortlich. Mit hoher Sicherheit war er bis 1605 in der Werkstatt Giambolognas tätig. Im Jahr 1608 erwarb Susini ein eigenes Haus in der Via dei Pilastri in Florenz und arbeitete fortan selbstständig. Nach dem Tod Giambolognas im Jahr 1608 übernahm er dessen Werkstatt. Er fertigte weiterhin Kopien nach Werken Giambolognas – zum Teil unter Verwendung von dessen Gussmodellen – sowie Kleinbronzen nach antiken Skulpturen, die er häufig signierte und datierte. Zu diesen Werken zählen mehrere Fassungen des Farnesischen Stiers. Antonio Susini starb am 9. Juni 1624 in Florenz.

Werk

Antonio Susini: Farnesischer Stier, 1613, Bronze, Galleria Borghese, Rom – Der Farnesische Stier selbst ist ein antikes hellenistisches Marmorwerk; Susinis Werk ist eine kleinformatige Bronze-Kopie. Dargestellt ist die Bestrafung der Dirke durch Amphion und Zethos

In der kunsthistorischen Literatur gilt Antonio Susini nicht nur als Gießer und Werkstattgehilfe Giambolognas, sondern auch als eigenständig modellierender, gießender und ziselierender Bildhauer. Durch zahlreiche Kopien nach Giambologna und nach antiken Vorbildern trug er zu deren weiterer Verbreitung bei. Als sein einziges eigenhändig entworfenes Werk gilt eine Madonna mit Kind, die 1609 im Nachlassinventar von Lorenzo Salviati erwähnt wird.

Werke, die ihm zugeschrieben werden, befinden sich unter anderem im Bode-Museum in Berlin (Maria mit Kind, Der Florentiner Eber), im Herzog Anton Ulrich-Museum in Braunschweig (Evangelisten), im Art Institute of Chicago (zwei Löwengruppen, um 1600/1620), im Detroit Institute of Arts (signierter Löwe, ein Pferd reißend, um 1580/1590), im Museo Nazionale del Bargello in Florenz (Maria mit Kind, Reliefs Die Medici als Förderer der Künste, Zuschreibung), im Bayerischen Nationalmuseum in München (Raub einer Sabinerin, Passionsreliefs, Kaltarbeit Susinis) und im Museo Nazionale del Palazzo di Venezia in Rom (Bauer, Dudelsackpfeifer, um 1601, nach silbernen Figuren Giambolognas), in der Galleria Colonna, Rom (u. a. Herkules und der Zentaur), Sammlung Liechtenstein, Vaduz (u. a. Raub einer Sabinerin, um 1581/82; Nessus raubt Deianira, 1600) sowie das Kunsthistorische Museum Wien (u. a. Herkules erschlägt den Kentauren Eurytion, Löwe reißt einen Stier, Löwe reißt einen Hengst, Schreitendes Pferd, alle um 1600). Antonio Susini war zudem an der Ausschmückung der Südtür des Doms von Pisa beteiligt, für die er laut Thieme-Becker acht Figuren (die vier Evangelisten, zwei Apostel und zwei Kirchenväter) lieferte.

Literatur

Commons: Antonio Susini – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. 1 2 3 4 5 6 Susanna Partsch: Susini, Antonio. Hrsg.: Allgemeines Künstlerlexikon. De Gruyter, Berlin/Boston 2020, S. 107.
  2. 1 2 Dimitrios Zikos: Giovanni Bologna and Antonio Susini: an old problem in the light of new research. Hrsg.: P. Motture, E. Jones and D. Zikos. London 2013.
  3. ↑ Galleria Borghese: Susini Antonio - Farnese Bull, on modern base of porphyry. Abgerufen am 29. September 2026 (englisch).
Personendaten
NAME Susini, Antonio
ALTERNATIVNAMEN del Susina, Antonio
KURZBESCHREIBUNG italienischer Bildhauer und Bronzegießer
GEBURTSDATUM 1558
GEBURTSORT Florenz
STERBEDATUM 9. Juni 1624
STERBEORT Florenz