Arthouse Vienna

Arthouse Vienna ist eine österreichische Porno-Produktionsfirma aus Wien, mit Zielrichtung eines feministischen und ästhetischen Zugangs zur Pornografie. Arthouse Vienna wurde von der Opernsängerin Adrineh Simonian und dem Filmemacher Patrick Catuz gegründet. Bis 2023 hatte sie auch eine Streaming-Plattform, die aber nicht mehr in Betrieb ist.

Hintergrund

Adrineh Simonian wechselte im Sommer 2014 vom Opernfach zur Pornoproduktion. Gemeinsam mit Patrick Catuz, der in den Bereichen der Porn Studies, Gender Studies und Kulturwissenschaften lehrt und forscht, gründete sie im Jahr darauf Arthouse Vienna. Seitdem produzierten sie nach eigenen Angaben „alternative Pornografie“. Catuz hatte zuvor bereits mit der feministischen Pornoproduzentin Erika Lust gearbeitet.

Arthouse Vienna galt als Porno-Produktionsfirma und Streaming-Plattform Österreichs, die sich im Kontext alternativer oder feministischer Pornografie bewegte und einen ethischen Ansatz verfolgte. Es sollte ein Gegenentwurf zur sonst abwertenden Darstellung von Frauen im herkömmlichen Porno aufgezeigt werden. Der Fokus lag vor allem auf der Lust der Frau und die Repräsentation aller Körper, Geschlechter und sexueller Orientierungen und zentrierte auch im Bereich sexueller Praktiken Diversität. Simonian und Catuz folgen einem Authentizitätsanspruch, den sie durch die Arbeit mit Darstellenden, die noch nie Sex vor der Kamera hatten, erreichen wollten. Sie strebten einen intersektionalen Ansatz an, der sich gegen die Stigmatisierung der Pornografie richtete, wozu auch ein ethischer und nachhaltiger Zugang zählte. Als Darsteller wurden sowohl professionelle Pornodarsteller als auch Laien engagiert. Auch gab es keinen Orgasmuszwang wie in herkömmlichen Pornoproduktionen. Die Akteure durften auch bei der Veröffentlichung mitbestimmen. Bis 2019 entstanden rund 20 Filme.

Ausgewählte Filme waren 2016–2017 im Wien Museum im Rahmen der Ausstellung „Sex in Wien. Lust. Kontrolle. Ungehorsam.“ zu sehen. Auch beim Porn Film Festival Vienna waren Simonian und Catuz mit Arthouse Vienna vertreten.

Mit ihrer Agentur Artgroup belegte Arthouse Vienna 2018 den zweiten Platz beim Caesar Werbepreis unter der Kategorie des Dialogmarketings.

2020 teilten Simonian und Catuz die Arbeitsbereiche, während Simonian die Streamingplattform übernahm, kümmerte sich Catuz um die Produktionen. Simonian ging dabei 2023 in Insolvenz, hat ihre Tätigkeit aber nie offiziell beendet. Catuz produziert immer noch unter dem Label Arthouse Vienna.

Vorfall um Missbrauch des Firmennamens

Im Jahr 2026 berichtete das deutsche Magazin Krautreporter über einen Fall, bei dem sich eine Person unter Verwendung des Namens von Patrick Catuz sowie unter Berufung auf Arthouse Vienna als Vertreter der Produktionsfirma ausgab, um eine Pornodarstellerin für ein angebliches Filmprojekt anzuwerben. Das Projekt existierte nach Angaben von Arthouse Vienna nicht. Die Darstellerin wurde aufgrund eines ungewöhnlich hohen Honorars und eines atypischen Produktionsablaufs misstrauisch und überprüfte die Echtheit des Angebots direkt beim Unternehmen. Dadurch wurde der Vorgang bekannt.

Laut dem Bericht gelang es Patrick Catuz, die Identität eines mutmaßlich Verantwortlichen nach eigenen Angaben nur mithilfe KI-Recherchemethoden nachzuvollziehen. Nach anwaltlicher Kontaktaufnahme wurde eine Unterlassungserklärung unterzeichnet. Der Fall fand auch deshalb mediale Beachtung, weil Catuz zeitgleich zu Betrugs- und Täuschungsnarrativen in der Pornografie forschte.

Filme (Auswahl)

Einzelnachweise

  1. ↑ "Es geht darum, die Lust der Frau zu zeigen". In: News.at. 22. Januar 2024, abgerufen am 27. April 2025.
  2. ↑ Solmaz Khorsand: Adrineh Simonian. Gerammel auf Meta-Ebene. In: Wiener Zeitung. 28. Januar 2017, abgerufen am 7. Juni 2021.
  3. ↑ Es gibt mehr als Cum Shots. In: der Freitag. Die Wochenzeitung. Abgerufen am 7. Juni 2021.
  4. ↑ Pornoproduzent: "Ein Blowjob im Porno ist nicht per se frauenfeindlich". Abgerufen am 1. Dezember 2025 (österreichisches Deutsch).
  5. ↑ Nadja Kupsa, Kevin Recher: Pornoproduzent: „Ein Blowjob im Porno ist nicht per se frauenfeindlich“. In: Beziehungsweise. Der Standard, 9. Februar 2021, abgerufen am 7. Juni 2021.
  6. ↑ Eva Reisinger: Warum eine Wiener Opernsängerin nun Pornos produziert. In: ze.tt. 2. Juni 2017, abgerufen am 7. Juni 2021.
  7. ↑ Sandra Walder: Wie Frauen es wollen. In: Frankfurter Rundschau. 9. Januar 2019, abgerufen am 27. April 2025.
  8. ↑ Patrick Catuz: Porno im Museum. In: Purpurr. 15. August 2016, archiviert vom Original; abgerufen am 7. Juni 2021.
  9. ↑ Programm. Archiviert vom Original; abgerufen am 29. April 2025.
  10. ↑ Projekte: Support your local porn. In: Caesar Werbepreis. Archiviert vom Original (nicht mehr online verfügbar) am 7. Juni 2021; abgerufen am 7. Juni 2021.
  11. ↑ KSV: KSV: Insolvenzverfahren Adrinehs Arthouse Vienna. KSV, abgerufen am 30. Dezember 2023.
  12. ↑ Livio Koppe: Der Porno-Wissenschaftler, der Opfer eines Porno-Scams wurde. 2. November 2026, abgerufen am 4. November 2026.
  13. ↑ Post-Truth-Porn - Schüren Verlag. Abgerufen am 4. November 2026.