Patrick Catuz (* 1985 oder 1986) ist ein österreichischer Kultur- und Filmwissenschafter und Filmregisseur und lebt in Wien.
Patrick Catuz veröffentlichte 2013 eine Monographie über Perspektiven feministischer Pornoindustrie unter dem Titel Feminismus fickt! Er reflektiert darin die Entstehung des Nischenmarktes und der voranschreitenden Kommerzialisierung und bringt diese Aspekte in Verbindung mit seinen Erfahrungen in der Industrie. Er lehrte zu dem Thema zwei Jahre an der Universität für künstlerische und industrielle Gestaltung Linz, hält regelmäßig Vorträge auf Konferenzen und veröffentlicht Texte in der Fachzeitschrift Porn Studies.
Am Beispiel von Gonzo-Pornografie untersuchte Patrick Catuz in seinem 2025 erschienenen Buch Post-Truth Porn dominante Szenarien kommerzieller Online Pornos. Diese würden eine aktive Teilhabe durch POV-Darstellungen (Point-of-View Perspektive) suggerieren und mittels möglichst amateurhafter Darstellungen einen hohen Realitätseindruck erzielen. Viele Menschen seien von der Echtheit dieser Formate überzeugt, obwohl es sich um Fiktionen handle. Gleichzeitig attestiert Catuz einen hohen Anteil misogyner Fantasien.
Catuz spricht sich außerdem für ein neues Verständnis von Authentizität im Internetzeitalter aus. Authentizität dürfe nicht mehr als tatsächlicher Bezug eines Mediums zur Realität verstanden werden, sondern als Effekt. Damit verlagert Catuz den Begriff vom Medium selbst zur Medienerfahrung.
2015 bekannte er sich mit seinem Vortrag I am a Man. I am a Feminist. I do Porn. in einem TedX Talk in Klagenfurt öffentlich zum Feminismus und diskutierte die Beweggründe, diesen als Mann zu unterstützen und doch gleichzeitig die im Feminismus kontrovers behandelte Pornographie aktiv zu betreiben. In der „klassischen“ Pornobranche nehmen seiner Annahme zufolge ausschließlich Männer wichtige Positionen ein und „bringen somit oft eine männliche Machtperspektive in die Filme mit rein, aus der Frauen ausgeschlossen sind“. Seine Arbeit habe daher einen „politischen, aufklärerischen Aspekt“.
Catuz arbeitete ein Jahr lang als Produktionsassistent bei Erika Lust in Barcelona und betrieb von 2016 bis 2022 die feministische Pornoproduktionsfirma Arthouse Vienna, zusammen mit der ehemaligen Opernsängerin Adrineh Simonian. Catuz produzierte laut Eigenaussage „experimentelle, künstlerische Pornographie“, laut der Tageszeitung Kurier hingegen „feministische Pornos“. Es ist die erste und einzige Pornofirma Österreichs, die sich im Kontext alternativer oder feministischer Pornographie bewegt. 2020 teilten Simonian und Catuz die Arbeitsbereiche, während Simonian die Streamingplattform übernahm, kümmerte sich Catuz um die Produktionen. Simonian ging dabei 2023 in Insolvenz. Catuz produziert immer noch unter dem Label Arthouse Vienna.
Patrick Catuz war Autor und Regisseur der TV-Dokumentation ARS EROTICA, eine Koproduktion von ARTE und des österreichischen ORF, produziert von Geyrhalter Film. Der Begriff der Ars Erotica ist geprägt von der Philosophie von Michel Foucault und steht im Gegensatz zum modernen Verständnis von Sexualität, das der sogenannten Scientia Sexualis entspricht. Catuz erzählt in dem Film entlang dieser Linien eine Kulturgeschichte der Obszönität von der Antike bis heute. Während frühere Kulturen wesentlich freizügiger mit dem Thema umgegangen sind, sei das moderne Verständnis des Obszönen und das Tabu um Sexualität, wie wir es heute kennen, erst im Viktorianismus entstanden. So wurde in der Moderne sogar die Vergangenheit umgedeutet, beispielsweise Artefakte aus der Antike versteckt, wie im lange nicht öffentlich zugänglichen "Geheimen Kabinett" in Neapel. Das Spannungsfeld aus Tabu und Übertritt, dessen kontroverses Potenzial auch kommerziell genutzt werden kann, entstand erst im 19. Jahrhundert und wurde bereits in den Anfängen der modernen Malerei genutzt, wie beispielsweise von Manet oder Courbet. Catuz zeigt auch verschiedenen Beispiele aktueller Bemühungen um einen liberaleren Umgang mit Sexualität auf.
Catuz produzierte Interviewserien unter anderem mit Pionier der Männerforschung Klaus Theweleit, der mit seinem Bestseller Männerfantasien das interdisziplinäre Feld im deutschsprachigen Raum besetzte. Seit 2024 betreibt er den Podcast „Du musst dein Leben ändern“ zum Thema neuer Männlichkeit.
Catuz stammt selbst aus einer Familie von Flüchtlingen. Er erreichte 2015 mit einem Flüchtlingskinder-Projekt und der Aktion 99 Probleme aber ein Flüchtling ist keins kurzweilig Platz zwei der österreichischen FM4 Charts. Durchgeführt hat er es mit dem Linzer Rapper Willi Ban.
Im selben Jahr beschäftigte er sich in seiner Doku Humanitarian Tourism mit der Flüchtlingskrise. Auf der Insel Lesbos portraitierte er Medien und Reporter, lokale Bevölkerung sowie freiwillige Helfer, unter anderem im berüchtigten Lager Moria, gleichzeitig aber auch den ausländischen Tourismus auf der Insel, der neben der humanitären Katastrophe scheinbar ungestört weiterlief.
Laut Catuz verändert sich durch Digitalisierung, Internet und Künstliche Intelligenz das Verständnis von Authentizität grundlegend. Im Zeitalter digitaler Netzwerke, endloser Kopier- und Adaptierbarkeit von Inhalten, wird für Catuz Authentizität zu einer subjektiven Rezeptionsleistung - und das wiederum zur Grundlage des postfaktischen bzw. Post-Truth-Zeitalters. Auf dieser Grundlage beschreibt er Authentizität als einen Effekt strukturierter Spontaneität. Die Künstlichkeit medialer Produktion wird dabei nicht verborgen, sondern bewusst offengelegt. Kameras, Mikrofone oder Aufnahmesituationen werden sichtbar gemacht und teilweise selbst Teil der Inszenierung. Gerade diese Transparenz der Herstellung soll den Eindruck von Glaubwürdigkeit erzeugen und dem Verdacht der Manipulation vorbeugen. Technische Unvollkommenheiten wie verwackelte Handkameraaufnahmen, Bildrauschen oder übersteuerte Tonspuren fungieren dabei als sicht- und hörbare Signale vermeintlicher Unmittelbarkeit. Sie wirken wie „Wasserzeichen der Wahrheit“ und vermitteln den Eindruck eines ungefilterten Geschehens.
Obwohl entsprechende Medienformate Spontaneität suggerieren, beruhen sie auf wiederkehrenden ästhetischen und narrativen Konventionen. Die Effekte nutzen Influencer, Vlogger aber auch politische Akteure, die über die Darstellung von Nähe, Intimität und persönlicher Zugänglichkeit Vertrauen erzeugen wollen. Der daraus entstehende „Personal Touch“ bildet für ihn eine zentrale Voraussetzung des postfaktischen Zeitalters, in dem subjektiv als authentisch empfundene Erfahrungen und emotionale Resonanz stärker wirken als überprüfbare Fakten oder wissenschaftliche Evidenz.
Im Jahr 2026 berichtete das Magazin Krautreporter über einen Fall, bei dem sich eine Person als Catuz unter Berufung auf dessen Produktionsfirma Arthouse Vienna ausgab, um eine Pornodarstellerin für ein angebliches Filmprojekt anzuwerben. Das Projekt existierte aber eigentlich nicht, dennoch versuchte die Person, ein Treffen mit der Pornodarstellerin in einem Hotel zu erwirken. Nachdem die Darstellerin durch das übermäßig hohe Honorar und untypischen Ablauf skeptisch wurde, versuchte sie, die Echtheit des Angebots zu überprüfen. So wurde der Betrugsversuch Catuz und Simonian von Arthouse Vienna bekannt. Catuz fand den Verantwortlichen laut eigenen Angaben nur dank neuer KI-Tools, da dieser wenig Spuren hinterließ. Nach Kontakt durch den Anwalt von Catuz unterzeichnete der Verantwortliche später eine Unterlassungserklärung, nachdem er zuerst selbst behauptet hatte, Opfer eines Identitätsraubes geworden zu sein. Der Fall wurde in Medienberichten deshalb aufgegriffen, weil Catuz zeitgleich Zeit zu Betrugs- und Täuschungsnarrativen in der Pornografie forschte, die dem Fall entsprachen. Die Ergebnisse seiner Forschung, die keinen Bezug zum Identitätsdiebstahl hat, von dem er selbst betroffen war, veröffentlichte er im Buch Post-Truth Porn (2025).
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Catuz, Patrick |
| KURZBESCHREIBUNG | österreichischer Künstler, Kultur- und Filmwissenschafter und Produzent feministischer Pornographie |
| GEBURTSDATUM | 20. Jahrhundert |