
Assia Spiro, auch bekannt als Assia Spiro-Rombro (geboren am 26. Februar 1873 als Anna Markowna Rombro in Kagalnik, Oblast des Don-Heeres, Russisches Kaiserreich; gestorben am 3. Juli 1956 in Basel, Schweiz), war eine russischstämmige Violinistin und Musikpädagogin, die als Konzert- und Kammermusikerin, Violinlehrerin und Musikkritikerin in Deutschland, Italien und der Schweiz wirkte.
Anna Rombro, die später unter dem Namen Assia Spiro-Rombro bekannt wurde, kam Ende Februar 1873 im Dorf Kagalnik am nordöstlichen Ende des Asowschen Meeres zur Welt. Ihr Vater war der jüdische Arzt Markus Rombro (auch Mordechai oder Martin Rombro genannt, 1844–1908), der aus Wilna stammte. Er hatte in Sankt Petersburg sein Medizinstudium absolviert und übte seine ärztliche Tätigkeit in der russischen Hafenstadt Taganrog aus. Ihre Mutter war Lina Rombro, geborene Mandelstamm (1838–1931), Schwester des Augenarztes Max E. Mandelstamm. Sie hatte eine ältere Schwester Elena Rombro-Stepanow (1871–1952), die als Pianistin Bekanntheit erlangte. Im Jahr 1881 übersiedelte die Familie – beziehungsweise Anna gemeinsam mit ihrer Mutter und Schwester – nach Odessa. Dort wurden die Schwestern von dem Pianisten und Musiklehrer Ignaz Amadeus Tedesco (1817–1882) unterrichtet. Nach dessen Tod zog die Familie 1882 weiter nach Wien, wo Anna bei Jakob Dont Violinunterricht erhielt und am 11. Februar 1885 erstmals öffentlich auftrat. Am 11. November 1885 wurde sie am Conservatoire National de Musique et de Déclamation in Paris aufgenommen und studierte dort bis 1888 bei Lambert Massart.
Ab 1889 konzertierte sie unter dem Namen „Annette Rombro“ im Duett mit ihrer Schwester (Elena als „Helene Rombro“) in verschiedenen Ländern; am 9. Februar 1889 debütierten sie in Köln. Zudem trat sie als Solistin mit Orchestern auf, unter anderem im Dezember desselben Jahres in Dresden, zusammen mit der ungarischen Sängerin Etelka Gerster und dem Harfenisten Wilhelm Posse. In den Jahren 1890 und 1891 wurde sie von der Berliner Konzertagentur Wolff vermittelt.
1891 zog Anna/Assia Rombro mit ihrer Mutter nach Rom. Dort lernte sie in Musikerkreisen den deutschen Philologen und Musikwissenschaftler Friedrich Spiro kennen und heiratete ihn am 18. Mai 1892 im Alter von 19 Jahren. Das Ehepaar lebte an der Adresse 16, Via di Villa Patrizi. Während ihr Ehemann seine wissenschaftliche Arbeit fortsetzte, war Assia Spiro-Rombro als Musikpädagogin und Musikkritikerin tätig. Für das deutsche Musikalische Wochenblatt schrieb sie Rezensionen und berichtete „unterhaltsam und scharfsichtig“ über die römische Musikszene. So erschien etwa im November 1906 ihre ausführliche Rezension zu einer neu erschienenen Veröffentlichung von Ettore Romagnoli über die griechische Musik (La Musica Greca, Rom 1906) und 1910 ihr Bericht Ein Beethoven-Festival in Rom unter Michael Balling.

Auch als Musikerin war Assia Spiro-Rombro in Rom aktiv. Mit dem Cellisten Eugenio Albini und Giovanni Manzi, von dem keine näheren Informationen vorliegen, gründete sie Anfang 1909 in Rom die Società Internazionale per la diffusione della Musica da Camera (dt. Internationale Gesellschaft zur Förderung der Kammermusik). Darüber berichteten unter anderem die französischsprachige Musikzeitschrift Le Guide musical und das in den Vereinigten Staaten erscheinende Magazin The Billboard jeweils in ihren Januar-Ausgaben 1909. Spiro-Rombro war die Erste Geige des Streichquartetts dieser Gesellschaft.
Das Ehepaar Spiro stand während seiner römischen Jahre mit zahlreichen Vertretern der europäischen Kultur in Kontakt. 1910 waren sie Gastgeber von Alma und Gustav Mahler bei deren Aufenthalt in Rom; hiervon sind historische Fotos erhalten. Aldo Corcella, Professor für Klassische Philologie an der Universität der Basilikata, beschreibt Assia Spiro-Rombro in seiner 2021 erschienenen Studie Grecità e Musica (dt. Griechenland und Musik) als international und kosmopolitisch geprägt:
“Ma in virtù delle origini familiari nell’ebraismo baltico di cultura tedesca e di un’adolescenza trascorsa tra Vienna, Parigi e la Germania aveva, forse anche più del marito, una fisionomia internazionale e cosmopolita.”
„Aber aufgrund ihrer familiären Herkunft im baltischen Judentum deutscher Kultur und einer Jugendzeit, die sie zwischen Wien, Paris und Deutschland verbrachte, besaß sie – vielleicht sogar mehr als ihr Ehemann – eine international-kosmopolitische Persönlichkeit.“

Auf dem Kongress der Internationalen Musikgesellschaft (29. Mai bis 3. Juni) 1911 in London übte Assia Spiro-Rombro in ihrem Vortrag mit dem Titel Proposals for Improving Elementary "Violin-Methods", and Hints for Teaching the Violin to Children scharfe Kritik an den zeitgenössischen Methoden des Violinunterrichts für Anfänger. Sie beklagte die weit verbreitete Praxis, den Musikunterricht von Kindern in den ersten Monaten ausschließlich auf technische Übungen wie Tonbildung, Bogenführung und Fingersätze zu beschränken. Diese Ausrichtung führe dazu, dass Kinder über Wochen hinweg nur mechanische Übungen absolvieren, ohne je eine Melodie spielen zu dürfen, was ihre Motivation mindere und keinen nachhaltigen Lernerfolg garantiere. Stattdessen empfahl sie, Anfängern in den ersten vier bis sechs Monaten täglichen Unterricht zu geben, ähnlich wie beim Schulbesuch, da diese Intensität langfristig Zeit, Geld und Enttäuschungen erspare. Auf diese Weise könne das Kind schneller Fortschritte machen, Freude am Lernen entwickeln und zugleich von Beginn an auch einfache Melodien erlernen, ohne sich falsche Gewohnheiten anzueignen. Ihr Vortrag wurde 1912 auf Deutsch unter dem Titel Vorschläge für die Reform des Violin-Unterrichts in zwei Ausgaben der Signale für die musikalische Welt veröffentlicht, was wenig später auch in den USA in Musical America Erwähnung fand.
Mit dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs wurde die Lage für das Ehepaar Spiro in Italien nach und nach angespannt, da Friedrich Spiro noch deutscher Staatsbürger war. Als der Kriegseintritt Italiens auf Seiten der Entente kurz bevorstand, verließ das Ehepaar Rom und zog nach Berlin. Während ihr Ehemann an verschiedenen Gymnasien unterrichtete, war Assia Spiro-Rombro wieder als Violinpädagogin tätig.
In der Zeit des Nationalsozialismus wurden Assia und Friedrich Spiro aufgrund ihrer jüdischen Herkunft als „Nichtarier“ eingestuft und mussten die zahlreichen Diskriminierungen und Repressionen des Regimes ertragen. Zur Emigration entschlossen sie sich jedoch erst nach der Reichspogromnacht 1938: Sie übersiedelten 1939 in die Schweiz nach Basel, wo Friedrich Spiros Bruder, der Chemiker Karl Spiro (1867–1932), bereits seit zwanzig Jahren lebte. Bereits im folgenden Jahr starb dort Friedrich Spiro am 13. September 1940.
Assia Spiro wurde 83 Jahre alt. Sie starb am 3. Juli 1956 in Basel und wurde im Familiengrab auf dem Friedhof am Hörnli in Riehen an der Seite ihres Ehemannes bestattet. Das Grab ist erhalten.

Ein historisches Foto aus dem Jahr 1905 zeigt Assia Spiro mit weiteren Personen im Park der Villa Borghese in Nettuno. Auf diesem Foto ist sie gemeinsam mit ihrem Ehemann und sechs weiteren Frauen, darunter die Künstlerin Marie Janssen mit ihrer Mutter und ihren beiden Schwestern, zu sehen. Assia Spiro liegt, hell gekleidet, im Vordergrund des Bildes auf dem Rasen und blickt direkt in die Kamera.
Während eines Aufenthalts in Italien schuf der Berliner Maler Carl Max Rebel (1874–1954) im Jahr 1907 in Rom mehrere Porträtgemälde von Assia Spiro-Rombro. Ein großformatiges Gemälde, das sie auf einer niedrigen Mauer vor einer idealisierten romantischen Landschaft zeigt, wurde von Rebel 1909 im Berliner Kunstsalon Keller & Reiner ausgestellt und anschließend in der New Yorker Kunstzeitschrift The International Studio abgedruckt. Das Bild wurde 1910 zudem in einem von Friedrich Spiro über den Maler Rebel verfassten Artikel in Deutsche Kunst und Dekoration veröffentlicht. Über den Verbleib des Werkes ist nichts bekannt; vermutlich wurde es wie viele andere Werke des Malers im Zweiten Weltkrieg zerstört.
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Spiro, Assia |
| ALTERNATIVNAMEN | Rombro, Anna Markowna (Geburtsname); Rombro, Annette; Spiro-Rombro, Assia; Spiro, Assja |
| KURZBESCHREIBUNG | russischstämmige Violinistin und Musikpädagogin |
| GEBURTSDATUM | 26. Februar 1873 |
| GEBURTSORT | Kagalnik, Oblast des Don-Heeres, Russisches Kaiserreich |
| STERBEDATUM | 3. Juli 1956 |
| STERBEORT | Basel, Schweiz |