Asuka Tsuboi

Woman of Kyoto
Asuka Tsuboi, 2006
Steingut mit Glasuren
54,61 × 31,75 cm
Kunstgalerie des Hampshire College, Amherst, Massachusetts, USA

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Asuka Tsuboi (japanisch 坪井 明日香, Tsuboi Asuka; * 12. Januar 1932 in Osaka; † 26. August 2022 in Kyōto) war eine japanische Keramikerin, Fachautorin und Kunstpädagogin.

Leben

Asuka Tsuboi war die älteste Tochter des Historikers und Bronzeglocken-Forschers Ryōhei Tsuboi. 1944 schloss sie die Tokiwa-Grundschule in Osaka ab. 1953 beendete sie die reformpädagogisch ausgerichtete Mädchenschule Jiyū Gakuen in Tokio-Higashikurume. Noch im selben Jahr begann sie ihre Töpferausbildung in der Glasur- und Farbwerkstatt eines Tempels in Kyōto. Der Tempel wird in den Quellen unterschiedlich als Sengaku-ji und als Sennyū-ji angegeben. Im Herbst 1953 debütierte sie auf der Ausstellung der Künstlervereinigung Shinshōkai (New Craftsmen Society). 1954 wurde sie Schülerin des Kyōtoer Keramikers Kenkichi Tomimoto, der als Lebender Nationalschatz (Ningen Kokuhō) galt. Ab 1956 zählte sie zu den Freunden der Shinshōkai und war von 1959 bis 1976 deren Mitglied. 1957 gründete sie gemeinsam mit anderen Keramikerinnen die Vereinigung Joryū Tōgei (Women’s Association of Ceramic Art), die eigene Ausstellungen veranstaltete. Anlass waren der damals vorherrschende Konservativismus und die Benachteiligung von Frauen in der traditionellen japanischen Keramik, wie sie angab. Ihre erste Einzelausstellung fand 1959 im Kaufhaus Daimaru in Kōbe statt, weitere folgten.

Seit Mitte der 1960er Jahre unternahm sie Studienreisen nach China (1966), Korea (1967 und 1976), Thailand (1970) sowie in die Türkei, nach Syrien und Jordanien (1978). Die Chinareise im Jahr 1966 unternahm sie als Mitglied einer Keramikerdelegation aus Kyōto während der Kulturrevolution. Nach dieser Reise wandte sie sich von der traditionellen Gebrauchs- und Gefäßkeramik ab und arbeitete zunehmend skulptural. Ab 1978 lehrte sie als Professorin für Keramik am Tezukayama Junior College in Nara, wo sie später emeritiert wurde. Als Gastkünstlerin war sie 1984 an der Manufacture royale de porcelaine de Sèvres und 1985 an der Cité internationale des arts in Paris tätig. 1986 fand dort eine Ausstellung statt. 1985 nahm sie am Internationalen Keramiksymposium in Budapest teil. Die dort entstandenen Werke wurden 1986 auf der Triennale der jugoslawischen Keramik sowie auf der Porzellan-Triennale in Nyon (Schweiz) ausgestellt. Daneben veröffentlichte sie Fachschriften und war als Jurorin tätig, unter anderem bei der Mainichi-Keramikausstellung. Zu ihren Schülerinnen gehören Sachiko Fujino, Ikuko Iwamoto und Tomoko Sakurai.

Werk

Tsuboi arbeitete zunächst an Gefäß- und Gebrauchskeramik wie Teegeschirr, Vasen und Tellern mit organisch-expressiven sowie geometrisch-abstrakten Formen und Dekoren. Seit den 1960er Jahren entstanden freie, skulpturale Arbeiten. Als künstlerische Anregung nannte sie die Literatur von Kazuo Yagi und Osamu Suzuki. Ihre Arbeiten stehen in bewusstem Gegensatz zur Ästhetik der Mingei-Bewegung (Volkskunst).

In ihren Objekten behandelt sie Erotik, Sexualität und die Freiheit der Frau sowie Fruchtbarkeitsthemen. Später kamen Erinnerungsorte und Aspekte des kulturellen Gedächtnisses hinzu. Wiederkehrende Motive sind Äpfel, Tücher, Taschen und Lippen, die als Module zu plastischen Kompositionen zusammengesetzt werden. Die Arbeiten sind engobiert und mit einer begrenzten Glasurpalette überzogen, bevorzugt in den Farben Blau, Rot und ihren Komplementärfarben sowie Gold und Silber. Hinzu kommen Linien- und Punktmuster. In den Serien Karaori (Brokat) und Neriginu (Cuiteseide) imitieren beutelartige Gefäße Textilien der Kimono-Tradition von Kyōto.

Zu den früh ausgestellten Arbeiten zählen Furoshiki A/B (Einwickeltuch A/B, 1970) und Fueshi no tawamure I (Des Flötenspielers Tändelei I, 1971, National Museum of Modern Art, Kyoto). Im Jahr 1973 entstanden die Werkgruppen Kanraku no konomi (Früchte der Lust), Kindan no kinomi (Verbotene Früchte) und Parajiumu no konomi (Früchte von Paladium). Seit Mitte der 1970er Jahre setzte sie Erinnerungsorte und literarische Stoffe in Keramik um, etwa Kyoto chizu (Karte von Kyoto, 1976) und Saikai no mokuzu (Tod im Westmeer, 1983). Spätere Titel sind Yureru hasshin (Botschaft in Erregung, 2003) und Lurie/Chang (2006).

Auszeichnungen

Ausstellungen (Auswahl)

Einzelausstellungen

  • 1961, 1982, 2015: Tokio, Wakō Hall (1982 mit Katalog)
  • 2010: Komono, Paramita Museum (mit Katalog)

Gruppenausstellungen

  • 1971: Faenza, 29. Concorso internazionale della ceramica d’arte contemporanea
  • 1971: Kyōto, National Museum of Modern Art: Gendai no tōgei
  • 1972: Seattle Art Museum: Ceramic art of Japan (Wanderausstellung)
  • 1976–1977: Rostock, Kunsthalle: Moderne und alte Keramik aus Japan
  • 1979: Denver Art Museum: Japanese ceramics today
  • 2006–2007: Sèvres, Musée national de Céramique: Tōji
  • 2007–2008: Kōka, Shigaraki Ceramic Cultural Park: Miserareru (Wanderausstellung)

Werke in öffentlichen Sammlungen (Auswahl)

Budapest, Iparművészeti Múzeum; Faenza, Museo Internazionale delle Ceramiche; Fukui, Fine Arts Museum; Gainesville (Florida), Harn Museum of Art; Genf, Musée Ariana; Kōka, Shigaraki Ceramic Cultural Park; Kyōto, National Museum of Modern Art und City Kyocera Museum of Art; New Haven, Yale University Art Gallery; Paris, Centre national des arts plastiques; Rom, Istituto Giapponese di Cultura; Tokio, Suntory Museum und Japan Foundation; Wakayama, Museum of Modern Art.

Schriften

Literatur

Einzelnachweise

  1. 1 2 3 4 5 6 Ulrike Middendorf: Tsuboi, Asuka. In: Allgemeines Künstlerlexikon – Die Bildenden Künstler aller Zeiten und Völker (AKL). Band 110. De Gruyter, Berlin 2021, S. 458.
  2. ↑ Mingei's History. Abgerufen am 1. November 2026 (amerikanisches Englisch).