August Pradetto

August Pradetto (* 1949 in Graz) ist ein deutscher Politikwissenschaftler. Zuletzt hatte er eine Professur an der Helmut-Schmidt-Universität/Universität der Bundeswehr Hamburg.

Leben

Pradetto studierte Politikwissenschaft, Kommunikationswissenschaften und Germanistik an der Freien Universität Berlin und promovierte dort. Danach war er als Dozent am Institut für Internationale Politik und Regionalstudien der Freien Universität Berlin tätig, bevor er 1985 wissenschaftlicher Mitarbeiter an die Universität Warschau am Institut für Staat und Recht wurde. 1986 wechselte er als Senior Fellow ans Institut für Politikwissenschaft der Universität Wien und war gleichzeitig als Lehrbeauftragter am Institute for European Studies der St. Lawrence University (Vienna Program) im Bundesstaat New York in den Vereinigten Staaten tätig. Im Jahr 1989 kehrte er nach Berlin zurück und arbeitete dort als Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Internationale Politik und Regionalstudien der Freien Universität Berlin.

1992 wurde Pradetto zum Professor für Politikwissenschaft, insbesondere auswärtige und internationale Politik der Staaten Osteuropas, ans Institut für Internationale Politik der Universität der Bundeswehr Hamburg berufen und war einige Jahre Sprecher der Abteilung Politikwissenschaft. Im Jahr 2006 wurde er nach Hongkong berufen, wo er als Professor für Politikwissenschaft/Internationale Beziehungen am Department for Government and International Studies der Hong Kong Baptist University lehrte und forschte. Zwei Jahre später kehrte er an die Helmut-Schmidt-Universität/Universität der Bundeswehr Hamburg zurück. Seit 2014 ist er emeritierter Professor.

Pradetto wurde zu einer Reihe von Gastprofessuren und Forschungs- und Lehraufenthalten eingeladen, die ihn an Universitäten und Forschungseinrichtungen in Europa, darunter in Russland und der Ukraine, in den Vereinigten Staaten, in Staaten des Nahen Ostens wie Israel, Oman und Jordanien, sowie in asiatischen Ländern, u. a. in Südkorea und Nordkorea, in der Volksrepublik China, Taiwan, Japan, den Philippinen, Indonesien, Indien und Staaten Zentralasiens wie Turkmenistan, Tadschikistan, Kirgisistan, Kasachstan und Usbekistan führten.

Pradetto war von 1993 bis 2014 Mitherausgeber der Studien zur Internationalen Politik (Helmut Schmidt Universität Hamburg), Koordinator der Manfred-Wörner-Stiftung des deutschen Bundesministeriums der Verteidigung für wissenschaftlichen Austausch mit osteuropäischen und zentralasiatischen Ländern, Mitglied des Beirats der der Europäischen Akademie Otzenhausen, Teilnehmer am Projekt Streitkräfte im 21. Jahrhundert, Herausgeber von Strategische Kultur Europas (Peter-Lang-Verlagsgruppe, Frankfurt am Main), Herausgeber von Human Security (Lit Verlag, Münster), und ist seit 2017 Mitglied der wissenschaftlichen Kommission des österreichischen Bundesministeriums für Landesverteidigung.

Pradettos wissenschaftliche Schwerpunkte sind europäische und internationale Konflikte und Konfliktmanagement seit 1945, die Außenpolitik osteuropäischer Staaten, NATO und NATO-Erweiterung nach dem Kalten Krieg sowie deutsche Außenpolitik. In den 1980er und 1990er Jahren lag sein wissenschaftlicher Schwerpunkt auf Entwicklungen und Transformationen in den kommunistischen und postkommunistischen Staaten und daraus resultierenden Veränderungen für die europäische und internationale Ordnung. Ab der ersten Hälfte der 2000er Jahre beschäftigte er sich vorrangig mit internationalen Sicherheitsstrukturen, der NATO-Osterweiterung und der europäischen Sicherheitsarchitektur sowie mit der Außenpolitik der Bundesrepublik Deutschland in diesen Fragen. Er hat ein Dutzend Bücher in den oben genannten Bereichen geschrieben oder herausgegeben und 170 Artikel in Fachzeitschriften und anderen Medien veröffentlicht. Ein weiterer Fokus lag auf der interventionistischen Politik einiger westlicher Staaten (z. B. in Südosteuropa, Afghanistan, Irak, Libyen, Syrien) und deren Rückwirkungen auf die internationale sicherheitspolitische Kultur. Ab 2014 war der Konflikt zwischen Russland, der Ukraine und dem Westen ein Schwerpunkt seiner wissenschaftlichen Arbeit.

Pradetto ist mit der Regisseurin Wilma Pradetto verheiratet.

Schriften (Auswahl)

Einzelnachweise

  1. ↑ Colette M. Schmidt: Ausgewandert: Was zieht „Ösis“ nach Berlin? In: derstandard.de. 4. September 2021, abgerufen am 23. Juli 2025.
Personendaten
NAME Pradetto, August
KURZBESCHREIBUNG deutscher Politikwissenschaftler
GEBURTSDATUM 1949
GEBURTSORT Graz