Aulus Vicirius Proculus (Eques)

Eine der beiden Inschriften aus Rusellae (AE 1980, 457)

Aulus Vicirius Proculus (vollständige Namensform Aulus Vicirius Auli filius Arnensis Proculus) war ein im 1. Jahrhundert n. Chr. lebender Angehöriger des römischen Ritterstandes (Eques). Durch drei Inschriften sind einzelne Stationen seiner Laufbahn bekannt.

Laufbahn

Durch zwei Weihinschriften, die in Rusellae, dem heutigen Roselle in Italien gefunden wurden, sind zwei Stationen aus der Laufbahn von Vicirius Proculus bekannt. Er war Tribunus militum sowie Flamen Augustalis; die Legion, in der er als Tribun gedient hatte, ist in diesen beiden Inschriften nicht angegeben.

Durch die Inschrift auf seinem Grabstein, der in Saena, dem heutigen Siena gefunden wurde, ist belegt, dass er Tribunus militum in der Legio IIII Scythica war. Nach seinem Militärdienst übernahm er regionale bzw. kommunale Ämter und wurde Ädil in Etrurien (aedilis Etruriae) sowie flamen Augustalis in Rusellae. Aus der Inschrift geht außerdem hervor, dass er durch einen Beschluss des dortigen Stadtrats (decreto decurionum) wegen seiner Verdienste mit einem öffentlichen Begräbnis (funus publicum) geehrt wurde.

Vicirius Proculus war in der Tribus Arnensis eingeschrieben und stammte aus Rusellae. Seine direkten Nachfahren waren der gleichnamige Suffektkonsul des Jahres 89, Aulus Vicirius Proculus, der vermutlich sein Enkel war, sowie Aulus Vicirius Martialis, Suffektkonsul des Jahres 98.

Expeditio Britannica

Aus der ersten Inschrift geht hervor, dass Vicirius Proculus ein Gelübde ablegt hatte, in dem er für das Wohlergehen, die Rückkehr und den Sieg von Claudius (41–54) bei der Eroberung Britanniens bat (Voto suscepto pro salute et reditu et Victoria Britannica ..); nach dem erfolgreichen Abschluss des Feldzugs löste er sein Gelübde durch die Errichtung dieser Weihinschrift ein (Victoriae Britannicae votum solvit).

Durch die zweite Inschrift ist belegt, dass er ein Gelübde ablegt hatte, das er durch die Errichtung dieser Weihinschrift eingelöst hatte (Ex voto suscepto .. posuit); in diesem Fall bat er aber für das Wohlergehen von Britannicus, dem Sohn von Claudius.

Jerzy Linderski nimmt an, dass Vicirius Proculus selbst an der expeditio Britannica teilgenommen hatte und erst spät im Jahr 46 nach Rusellae zurückkehrte, da er sein Gelübde erst lange nach der Rückkehr von Claudius aus Britannien und dessen anschließendem Triumphzug in Rom einlöste, zwei Ereignissen, die bereits im Jahr 43 bzw. im Jahr 44 stattfanden.

Identität

Laut Jerzy Linderski nahm V. Saladino, der die Inschriften als erster publizierte, an, dass sich alle drei Inschriften auf dieselbe Person beziehen. Dies wurde von Ségolène Demougin akzeptiert, während Hubert Devijver dies bezweifelte und G. Wesch-Klein dazu neigte, in der Inschrift aus Saena den Vater und in den beiden Inschriften aus Rusellae dessen Sohn zu sehen. Hubert Devijver datierte den Grabstein wegen der Angabe von Dis Manibus in die Zeit der Flavier (69–96); falls man dieser Datierung folgt, könnte man in den beiden Inschriften aus Rusellae den Vater und in der Grabinschrift aus Saena dessen Sohn sehen. Jerzy Linderski tendiert auf Grund von Ockhams Rasiermesser zur Identität, da alle drei Inschriften Parallelen aufweisen, wie z. B. flamen Augustalis und tribunus militum.

Datierung

Die Inschriften aus Rusellae werden bei der Epigraphik-Datenbank Clauss-Slaby in das Jahr 45 n. Chr. datiert, die Inschrift aus Saena in den Zeitraum von 45 bis 54. Die erste Inschrift kann durch die Angabe der Kaisertitulatur von Claudius (Tiberi Claudi Caesaris Augusti Germanici .. tribunicia potestate V imperatoris X .. consulis designati IIII) in die zweite Hälfte des Jahres 45 datiert werden.

Ségolène Demougin datiert seinen Militärdienst bei der Legio IIII Scythica auf einen Zeitpunkt vor 45; auf Grund der Angabe von Dis Manibus in der Grabinschrift geht sie davon aus, dass Vicirius Proculus bis in die Anfangsjahre der Regierungszeit von Vespasian (69–79) lebte.

Siehe auch

Commons: Aulus Vicirius Proculus – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Literatur

Einzelnachweise

  1. 1 2 3 Inschrift aus Roselle, Rovine di / Rusellae (AE 1980, 457).
  2. 1 2 Inschrift aus Roselle, Rovine di / Rusellae (AE 1980, 458).
  3. ↑ Inschrift aus Siena / Saena (CIL 11, 1806).
  4. Ségolène Demougin: Prosopographie, Nr. 694, S. 586–587.
    1. 1 2 S. 586.
    2. 1 2 S. 587.
  5. ↑ Werner Eck, Andreas Pangerl: Das erste Diplom für die Flotte von Britannien aus dem Jahr 93 n. Chr. In: Zeitschrift für Papyrologie und Epigraphik, Band 165 (2008), S. 227–231, hier S. 230–231 (Online).
  6. Jerzy Linderski: Updating the CIL, S. 429–431.
    1. 1 2 S. 429.
    2. 1 2 S. 430.
    3. ↑ S. 431.
Personendaten
NAME Vicirius Proculus, Aulus
KURZBESCHREIBUNG Angehöriger des römischen Ritterstandes (Kaiserzeit)
GEBURTSDATUM 1. Jahrhundert
STERBEDATUM 1. Jahrhundert