| Azurit | |
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(Größe: 4,0 cm × 3,0 cm × 2,0 cm) | |
| Allgemeines und Klassifikation | |
| IMA-Symbol |
Azu |
| Andere Namen |
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| Chemische Formel |
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| Mineralklasse (und ggf. Abteilung) |
Carbonate und Nitrate (ehemals Nitrate, Carbonate und Borate) |
| System-Nummer nach Strunz (8. Aufl.) Lapis-Systematik (nach Strunz und Weiß) Strunz (9. Aufl.) Dana |
Vb/B.01 V/C.01-010 5.BA.05 16a.02.01.01 |
| Ähnliche Minerale | Dumortierit, Malachit, Lapislazuli |
| Kristallographische Daten | |
| Kristallsystem | monoklin |
| Kristallklasse; Symbol | monoklin-prismatisch; 2/m |
| Raumgruppe | P21/c (Nr. 14) |
| Gitterparameter | a = 5,00 Å; b = 5,85 Å; c = 10,35 Å β = 92,3° |
| Formeleinheiten | Z = 2 |
| Physikalische Eigenschaften | |
| Mohshärte | 3,5 bis 4 |
| Dichte (g/cm3) | gemessen: 3,773(3); berechnet: 3,78 |
| Spaltbarkeit | vollkommen, aber unterbrochen nach {011}; deutlich nach {100}; undeutlich nach {110} |
| Bruch; Tenazität | muschelig; spröde |
| Farbe | tiefblau (Azurblau, Berliner Blau) |
| Strichfarbe | hellblau |
| Transparenz | durchsichtig bis durchscheinend |
| Glanz | Glas- bis schwacher Diamantglanz |
| Kristalloptik | |
| Brechungsindizes | nα = 1,730 nβ = 1,758 nγ = 1,838 |
| Doppelbrechung | δ = 0,108 |
| Optischer Charakter | zweiachsig positiv |
| Achsenwinkel | 2V = gemessen: 68°; berechnet: 64° |
| Pleochroismus | deutlich hellblau-dunkelblau |
| Weitere Eigenschaften | |
| Chemisches Verhalten | leicht löslich in verdünnter Salzsäure unter CO2-Abgabe |
Azurit, auch unter seiner bergmännischen Bezeichnung Bergblau, Kupferblau oder Kupferlasur bekannt, ist ein häufig vorkommendes Mineral aus der Mineralklasse der „Carbonate und Nitrate“ mit der chemischen Zusammensetzung Cu3(CO3)2(OH)2 und damit chemisch gesehen ein basisches Kupfercarbonat.
Azurit kristallisiert im monoklinen Kristallsystem und findet sich meist in Form kleiner, im Gestein eingebetteter Kristalle mit prismatischem, kurzsäuligem oder tafeligem Habitus. Er kommt aber auch in Form kugeliger, nieriger oder pulvriger Mineral-Aggregate sowie verwachsen mit Malachit vor. Das Mineral ist von charakteristischer, tiefblauer Farbe und seine Kristallflächen zeigen einen glas- bis schwach diamantähnlichen Glanz. Auf der Strichtafel hinterlässt Azurit einen blauen bis hellblauen Strich.
Mit einer Mohshärte von 3,5 bis 4 gehört Azurit zu den mittelharten Mineralien. Es lässt sich etwas leichter als das Referenzmineral Fluorit (Härte 4) mit einem Taschenmesser ritzen.

Zur Etymologie des Mineralnamens (abgeleitet von azur) siehe Hauptartikel Azurblau.
Seinen bis heute gültigen Mineralnamen erhielt Azurit 1824 durch den französischen Mineralogen François Beudant in Anlehnung an dessen Farbe.
Das Synonym Chessylith entstand aufgrund des historischen Lieferortes Chessy (auch Chessy-les-Mines) im französischen Département Rhône, der auch als Typlokalität gilt.
Azurit ist seit mehr als 4500 Jahren bekannt. Die Ägypter des Alten Reiches ca. 2500 v. Chr. verwendeten das pulverisierte Mineral als Augenschminke (Khol bzw. Lidschatten) und für Wandmalereien. Auch in den Wandmalereien der Maya von Bonampak wurde Azurit nachgewiesen. Bei den Griechen war das Mineral als ὰρμένιον und bei den Römern latinisiert als Armenium bzw. Armenischer Stein (lateinisch Lapis armenicus und Lapis armenius) bekannt.
Archäologen fanden Hinweise darauf, dass die Menschen entgegen der bisherigen Annahme bereits vor mehr als 13.000 Jahren Azurit als blaues Pigment kannten (Fund von Mühlheim-Dietesheim) und nutzten. Ihre Erkenntnisse publizierten die Wissenschaftler von der Universität Aarhus in Dänemark 2025 in der Fachzeitschrift Antiquity.
Da der Azurit bereits lange vor der 1958 gegründeten International Mineralogical Association (IMA) bekannt und als eigenständige Mineralart anerkannt war, wurde dies von ihrer Commission on New Minerals, Nomenclature and Classification (CNMNC) übernommen und der Azurit als sogenanntes „grandfathered“ (G) Mineral bezeichnet. Die seit 2021 ebenfalls von der IMA/CNMNC anerkannte Kurzbezeichnung (auch Mineral-Symbol) von Azurit lautet „Azu“.
Das Typmaterial des Minerals wird im Muséum national d’histoire naturelle (auch Museum, Paris; MHN) in Paris unter der Inventarnummer 103 (isol. xx) aufbewahrt.
In der letztmalig 1977 überarbeiteten und daher veralteten 8. Auflage der Mineralsystematik nach Strunz gehörte der Azurit zur gemeinsamen Mineralklasse der „Nitrate, Carbonate und Borate“ (Unterklasse „Carbonate“) und dort zur Abteilung „Wasserfreie Carbonate mit fremden Anionen“, wo er gemeinsam mit Aurichalcit, Hydrozinkit, Loseyit, Malachit und Rosasit in der „Azurit-Hydrozinkit-Gruppe“ mit der Systemnummer Vb/B.01 steht.
In der zuletzt 2018 überarbeiteten Lapis-Systematik nach Stefan Weiß, die formal auf der alten Systematik von Karl Hugo Strunz in der 8. Auflage basiert, erhielt das Mineral die System- und Mineralnummer V/C.01-010. Dies entspricht ebenfalls der Abteilung „Wasserfreie Carbonate, mit fremden Anionen“, wo Azurit zusammen mit Aurichalcit, Brianyoungit, Chukanovit, Georgeit, Glaukosphärit, Hydrozinkit, Kolwezit, Loseyit, Malachit, Mcguinnessit, Nullaginit, Parádsasvárit, Pokrovskit, Rosasit, Sclarit und Zinkrosasit die „Azurit-Rosasit-Reihe“ mit der Systemnummer V/C.01 bildet.
Die von der IMA zuletzt 2009 aktualisierte 9. Auflage der Strunz’schen Mineralsystematik ordnet den Azurit in die verkleinerte Klasse der „Carbonate und Nitrate“ (die Borate bilden hier eine eigene Klasse), dort aber ebenfalls in die Abteilung „Carbonate mit zusätzlichen Anionen; ohne H2O“ ein. Diese ist allerdings weiter unterteilt nach den in der Verbindung vorherrschenden Metallen. Das Mineral ist hier in der Unterabteilung „Mit Cu, Co, Ni, Zn, Mg, Mn“ zu finden, wo es als einziges Mitglied eine unbenannte Gruppe mit der Systemnummer 5.BA.05 bildet.
In der vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchlichen und zuletzt 1997 veröffentlichten Systematik der Minerale nach Dana hat Azurit die System- und Mineralnummer 16a.02.01.01. Das entspricht wie in der veralteten Strunz-Systematik der gemeinsamen Klasse der „Carbonate, Nitrate und Borate“ und dort der Abteilung „Carbonate mit Hydroxyl oder Halogen“. Hier findet er sich als einziges Mitglied in einer unbenannten Gruppe mit der Systemnummer 16a.02.01.
Azurit kristallisiert monoklin in der Raumgruppe P21/c (Raumgruppen-Nr. 14) mit den Gitterparametern a = 5,00 Å; b = 5,85 Å; c = 10,35 Å und β = 92,3° sowie 2 Formeleinheiten pro Elementarzelle.
Azurit ist ein Sekundärmineral, das in der Oxidationszone von sulfidischen Kupfer-Lagerstätten durch chemische Verwitterung aus Chalkopyrit und anderen Kupfersulfiden oder allgemein Kupfererzen entsteht. Durch Wasseraufnahme wandelt es sich zudem in den grünen Malachit um und ist deshalb oft mit ihm verwachsen zu finden. Bekannt sind auch Pseudomorphosen von Malachit nach Azurit sowie von Kupfer nach Azurit. Azurit ist oft auch ein Bestandteil von Kupferpecherz. Je nach Fundort kann Azurit in Paragenese mit verschiedenen Mineralen wie unter anderem Anglesit, Antlerit, Brochantit, Calcit, Chrysokoll, Cerussit, Cuprit (Rotkupfererz), Dolomit und Smithsonit (Galmei) auftreten.
Als häufige Mineralbildung ist Azurit an vielen Fundorten anzutreffen, wobei weltweit bisher rund 6700 Fundorte dokumentiert sind (Stand 2026). Im Altertum waren vor allem Armenien, Zypern und Andalusien in Spanien die Hauptlieferanten für Azurit. Bis zur Mitte des 17. Jahrhunderts war Ungarn die wichtigste Azurit-Quelle Europas. Spätere Lieferquellen, bis etwa zum Ende des 19. Jahrhunderts, waren Chessy bei Lyon in Frankreich, Mechernich in der deutschen Vulkaneifel und die Gruben bei Alghero auf der italienischen Insel Sardinien.
In Deutschland wurde Azurit neben seinem historischen Fundort Mechernich, wo er durch Sedimentation in den dortigen Buntsandsteinen ausgefällt wurde, unter anderem noch an vielen Stellen im Schwarzwald (Baden-Württemberg), in St. Barbara bei Wallerfangen (Saarland), im Thüringisch-Fränkischen Mittelgebirge, im Odenwald und Spessart (Hessen), im Harz (Niedersachsen bis Sachsen-Anhalt) und im Erzgebirge (Sachsen) gefunden.
Bekannt aufgrund außergewöhnlicher Azuritfunde ist unter anderem Tsumeb in Namibia, wo Kristalle von bis zu 20 Zentimeter Länge zutage traten. Bis zu 7 Zentimeter große Kristalle wurden in Touissit in Marokko entdeckt und die Kristalle in der historischen Fundstätte Chessy bei Lyon erreichten eine Länge von bis zu 5 Zentimetern. Kristallrosetten mit einem Durchmesser von bis zu 13 Zentimetern kennt man vor allem aus der Yang-Chweng-Mine in der chinesischen Provinz Guangdong.
In Österreich kennt man das Mineral vor allem aus Kärnten (Friesach-Hüttenberg, Hohe Tauern, Karawanken), Niederösterreich (Industrieviertel, Waldviertel) und Salzburg (Hohe Tauern, Leogang), der Steiermark (Fischbacher Alpen, Niedere Tauern, Schladming) und Tirol (Inntal, Brixlegg-Schwaz, Kitzbüheler Alpen).
In der Schweiz fand man Azurit vor allem in den Kantonen Graubünden (Albulatal, Vorder- und Hinterrheintal) und Wallis (Binntal, Martigny, Val d’Anniviers).
Mit der Erfindung von „Preußischblau“ Anfang des 18. Jahrhunderts verlor das Mineral in Europa seine Bedeutung als Pigment.
Weitere Fundorte liegen unter anderem in Afghanistan, Argentinien, Australien, Bolivien, Brasilien, Bulgarien, Chile, China, Demokratische Republik Kongo (Zaire), Griechenland, Iran, Irland, Japan, Kasachstan, Kanada, Madagaskar, Marokko, Mexiko, Mongolei, Namibia, Norwegen, Peru, Philippinen, Polen, Portugal, Russland, Schweden, Schweiz, Serbien, Simbabwe, Slowakei, Südafrika, Tschechien, Türkei, Ungarn, im Vereinigten Königreich (UK) und den Vereinigten Staaten von Amerika (USA).

Azurit ist ein Kupfererz, das keine große wirtschaftliche Bedeutung hat. Allerdings lässt es sich als Schmuckstein und Farbpigment schon in der oberen Altsteinzeit nachweisen. Häufig wurde es im alten Ägypten verwendet. Wegen seiner edlen, tiefblauen Farbe und seines hohen Preises fand Azurit besonders in kunstvoll ausgemalten mittelalterlichen Handschriften Verwendung.
Aus dem nördlichen Pakistan von den Hängen des K 2 stammen Granitstücke mit Einschlüssen von Azurit und gelegentlich auch Malachit, die unter den Handelsnamen K2-Azurit (auch K2-Granit oder K2-Stein) angeboten werden. Kleinere Stücke werden zu Anhängern oder Ringsteinen verarbeitet.
Da Azurit für die kommerzielle Nutzung als Schmuckstein zu weich und empfindlich (porös, gute Spaltbarkeit) ist, wird er oft mit Kunststoff stabilisiert, was nebenbei auch den Glanz erhöht. Auch Rekonstruktionen aus Azurit- und Malachitstaub (Verarbeitungsreste), vor allem um die Verwachsung Azurit-Malachit nachzuahmen, sind bekannt. Seit 1991 ist zudem eine Azurit-Malachit-Imitation aus gefärbtem und unter hohem Druck mit Kunststoff zusammengepreßtem Barytpulver im Umlauf.
In esoterischen Kreisen gilt Azurit als Stein der Erkenntnis und des geistigen Wachstums. Er soll die Konzentrationsfähigkeit und die geistige Aufnahmebereitschaft fördern, einen positiven Einfluss auf das zentrale Nervensystem nehmen, indem er die Leistungsfähigkeit des Gehirns und die Nerventätigkeit erhöht und die Sinneswahrnehmungen anregt. Zudem wird dem Mineral nachgesagt, dass es eine entgiftende Wirkung auf den Organismus ausübe, die Schilddrüsenfunktionen anrege und die Regeneration des Körpers nach Operationen oder Krankheiten unterstütze.
Für den Wirkungsbereich in der Esoterik gibt es allerdings keine wissenschaftlichen Belege.