BLEU (bilingual evaluation understudy) ist ein Maß zur automatischen Bewertung der Qualität von Texten, die aus einer natürlichen Sprache in eine andere maschinell übersetzt wurden. Qualität wird dabei als Übereinstimmung zwischen der Ausgabe einer Maschine und einer oder mehreren von Menschen erstellten Referenzübersetzungen aufgefasst: „Je näher eine maschinelle Übersetzung an einer professionellen menschlichen Übersetzung ist, desto besser ist sie“ – das ist die zentrale Idee hinter BLEU.
BLEU wurde 2001 am IBM Thomas J. Watson Research Center als Forschungsbericht vorgestellt und 2002 auf der Konferenz der Association for Computational Linguistics veröffentlicht. Es war eine der ersten Metriken, die auf Korpus- bzw. Systemebene eine hohe Korrelation mit menschlichen Qualitätsurteilen beanspruchen konnte. Verständlichkeit, Bedeutungsäquivalenz oder grammatische Korrektheit werden nicht unmittelbar bewertet; BLEU vergleicht lediglich Überlappungen zwischen dem maschinell übersetzten Text und manuell erstellten Referenzübersetzungen.
BLEU vergleicht einen Kandidaten (die maschinelle Übersetzung) mit mehreren Referenzübersetzungen. Der BLEU-Wert liegt zwischen 0 und 1. Je näher der Wert bei 1 liegt, desto größer ist die Übereinstimmung zwischen Kandidat und Referenzen. Die Zählungen werden satzweise ermittelt, aber über den gesamten Testkorpus aufsummiert.
Ein n-Gramm ist eine Folge von aufeinanderfolgenden Token (üblicherweise Wörtern). Ein 1-Gramm (Unigramm) ist etwa „der“ oder „Lehrer“, ein 2-Gramm (Bigramm) „der Lehrer“. Als Standard (BLEU-4) werden n-Gramme bis verwendet.
Gezählt wird zunächst, wie viele n-Gramme des Kandidaten in mindestens einer der Referenzen vorkommen, dies wird geteilt durch die Zahl der im Kandidaten vorkommenden n-Gramme (für also die Zahl der Wörter). Mehrfach im Kandidaten vorkommende n-Gramme werden dabei nur so oft gezählt wie sie auch in mindestens einer der Referenzen mehrfach vorgefunden werden (Clipping).
Zu lange Kandidaten werden bereits bestraft, weil überzählige n-Gramme, für die keine Übereinstimmung mit den Referenzen gefunden wurde, den Nenner des Bruchs erhöhen.
Um auch zu kurze Kandidaten zu bestrafen, gibt es eine multiplikative Kürzungsstrafe (englisch brevity penalty, BP).
Es sei
Dann ist der Faktor für die Kürzungsstrafe:
BLEU ist das mit der Kürzungsstrafe multiplizierte gewichtete geometrische Mittel der modifizierten n-Gramm-Präzisionen.
Es sei:
Dann ist das BLEU-Maß definiert als:
(Ist eines der gleich 0, wird BLEU ohne Glättung üblicherweise als 0 definiert.)
Im Originalartikel von Papineni et al. ist ; die Gewichte sind alle gleich . Dann gilt
Folgendes Beispiel veranschaulicht die Schritte zur Berechnung des BLEU-Wertes für einen einzelnen Satz:
| Kandidat | Die die die Katze sitzt auf dem Baum. |
| Referenz 1 | Die Katze sitzt seit heute Morgen auf dem toten Baum. |
| Referenz 2 | Die Katze sitzt auf dem toten Baum. |
1. Vorverarbeitung:
Im Originalpapier ist Kleinschreibung (case folding) die einzige genannte Normalisierung. In der Praxis (NIST, Moses, SacreBLEU) werden zusätzlich Satzzeichen tokenisiert. Für das Beispiel werden Kleinbuchstaben verwendet und der Satzendepunkt nicht als Token gezählt.
| Kandidat | die die die katze sitzt auf dem baum |
| Referenz 1 | die katze sitzt seit heute morgen auf dem toten baum |
| Referenz 2 | die katze sitzt auf dem toten baum |
Damit ist die Kandidatenlänge . Referenz 1 hat 10 Token, Referenz 2 hat 7 Token.
2. n-Gramme:
Der Kandidat wird in 1- bis 4-Gramme zerlegt.
| 1-Gramme | 2-Gramme | 3-Gramme | 4-Gramme |
|---|---|---|---|
| die | die die | die die die | die die die katze |
| die | die die | die die katze | die die katze sitzt |
| die | die katze | die katze sitzt | die katze sitzt auf |
| katze | katze sitzt | katze sitzt auf | katze sitzt auf dem |
| sitzt | sitzt auf | sitzt auf dem | sitzt auf dem baum |
| auf | auf dem | auf dem baum | |
| dem | dem baum | ||
| baum |
3. Clipping:
Die Zählung jedes n-Gramms im Kandidaten wird auf die höchste Häufigkeit begrenzt, in der es auch in einer Referenz vorkommt. Im Beispiel kommt das Unigramm „die“ im Kandidaten dreimal vor, in jeder Referenz aber nur einmal. Also wird „die“ auch nur einmal bei der Zählung der Übereinstimmungen berücksichtigt.
4. Berechnung der modifizierten n-Gramm-Präzision:
Berechnet wird jeweils:
In den Tabellen stehen die n-Gramme mit ihren Häufigkeiten. Der Nenner von ist die Gesamtzahl der n-Gramme der jeweiligen Ordnung im Kandidaten (sozusagen die „Länge“ des Kandidaten)
Für 1-Gramme des Kandidaten:
| 1-Gramme | Anzahl im Kandidaten | Maximale Anzahl in einer Referenz | Geclippte Anzahl der Übereinstimmungen |
|---|---|---|---|
| die | 3 | 1 | 1 |
| katze | 1 | 1 | 1 |
| sitzt | 1 | 1 | 1 |
| auf | 1 | 1 | 1 |
| dem | 1 | 1 | 1 |
| baum | 1 | 1 | 1 |
| Summe | 8 | 6 |
Für 2-Gramme des Kandidaten:
| 2-Gramme | Anzahl im Kandidaten | Maximale Anzahl in einer Referenz | Geclippte Anzahl der Übereinstimmungen |
|---|---|---|---|
| die die | 2 | 0 | 0 |
| die katze | 1 | 1 | 1 |
| katze sitzt | 1 | 1 | 1 |
| sitzt auf | 1 | 1 | 1 |
| auf dem | 1 | 1 | 1 |
| dem baum | 1 | 0 | 0 |
| Summe | 7 | 4 |
Das Bigramm „dem baum“ kommt in keiner Referenz vor.
Für 3-Gramme des Kandidaten:
| 3-Gramme | Anzahl im Kandidaten | Maximale Anzahl in einer Referenz | Geclippte Anzahl der Übereinstimmungen |
|---|---|---|---|
| die die die | 1 | 0 | 0 |
| die die katze | 1 | 0 | 0 |
| die katze sitzt | 1 | 1 | 1 |
| katze sitzt auf | 1 | 1 | 1 |
| sitzt auf dem | 1 | 1 | 1 |
| auf dem baum | 1 | 0 | 0 |
| Summe | 6 | 3 |
Für 4-Gramme des Kandidaten:
| 4-Gramme | Anzahl im Kandidaten | Maximale Anzahl in einer Referenz | Geclippte Anzahl |
|---|---|---|---|
| die die die katze | 1 | 0 | 0 |
| die die katze sitzt | 1 | 0 | 0 |
| die katze sitzt auf | 1 | 1 | 1 |
| katze sitzt auf dem | 1 | 1 | 1 |
| sitzt auf dem baum | 1 | 0 | 0 |
| Summe | 5 | 2 |
5. Berechnung der Kürzungsstrafe (brevity penalty):
Der Kandidat hat die Länge , die beiden Referenzen die Längen 7 und 10. 7 ist die Referenzlänge mit dem kleinsten Abstand zu , also ist .
Weil (8 > 7), gilt .
Wäre der Kandidat kürzer als , wäre .
6. Zusammenführen der Ergebnisse:
Mit gleichen Gewichten ist das geometrische Mittel
(Quelle: )
1. Vorverarbeitung:
Die Texte werden normalisiert, zum Beispiel durch Kleinschreibung. Dies stellt sicher, dass Unterschiede in der Groß- und Kleinschreibung die Bewertung nicht beeinflussen.
2. n-Gramm-Übereinstimmung:
Die n-Gramme (Wortfolgen der Länge n) in der maschinellen Übersetzung und den Referenzübersetzungen werden gezählt. Dies ermöglicht einen detaillierten Vergleich der Übersetzungsqualität auf Wortebene.
3. Clipping:
Die Zählungen der n-Gramme in der maschinellen Übersetzung werden auf das Maximum begrenzt, das in den Referenzen vorkommt. Dies verhindert, dass übermäßige Wiederholungen von Wörtern zu einer künstlich hohen Genauigkeit führen.
4. Berechnung der modifizierten n-Gramm-Genauigkeit:
Die Anzahl der geclippten n-Gramme wird durch die Gesamtanzahl der n-Gramme in der maschinellen Übersetzung geteilt. Dies gibt eine proportionale Genauigkeit der maschinellen Übersetzung im Vergleich zu den Referenzen an.
5. Berechnung der Kürzungsstrafe (brevity penalty):
Die Länge der maschinellen Übersetzung wird im Verhältnis zur nächsten Referenzlänge bestimmt. Dies stellt sicher, dass die Übersetzung nicht zu kurz und somit möglicherweise unvollständig ist.
6. Zusammenführen der Ergebnisse:
Der BLEU-Score wird durch die gewichtete geometrische Mittelung der logarithmierten modifizierten n-Gramm-Genauigkeiten und das Multiplizieren mit der Kürzungsstrafe berechnet. Dies liefert den endgültigen BLEU-Score, der die Gesamtqualität der maschinellen Übersetzung im Vergleich zu den Referenzen angibt.
Zu beachten ist, dass BLEU-Werte nur bei gleichem Testdatensatz, gleicher Referenzanzahl, gleicher Tokenisierung und gleichem Sprachpaar vergleichbar sind.
Eine allgemeingültige Skala für BLEU-Werte gibt es nicht. Google Cloud nennt als grobe, herstellerspezifische Orientierung folgende Bereiche:
| BLEU-Wert | Interpretation |
|---|---|
| 0–0,1 | Fast unbrauchbar |
| 0,1–0,2 | Schwierig, das Wesentliche zu verstehen |
| 0,2–0,3 | Das Wesentliche ist verständlich, aber es gibt erhebliche Grammatikfehler |
| 0,3–0,4 | Verständliche bis gute Übersetzungen |
| 0,4–0,5 | Hochwertige Übersetzungen |
| 0,5–0,6 | Sehr hochwertige, adäquate und flüssige Übersetzungen |
| 0,6–1,0 | Qualität oft besser als menschliche Übersetzungen |
Die Tabelle ist eine herstellerspezifische Faustregel, keine kalibrierte Skala. Je nach Aufgabenstellung können deutlich andere Werte sinnvoll sein.
Es ist wichtig zu beachten, dass ein hoher BLEU-Score nicht immer eine perfekte Übersetzung garantiert, da BLEU nur die Übereinstimmung der n-Gramme bewertet und keine semantischen oder kontextuellen Aspekte berücksichtigt. Deshalb sollte BLEU in Kombination mit anderen Metriken und menschlichen Bewertungen verwendet werden. BLEU unterscheidet nicht zwischen Inhalts- und Funktionswörtern.
BLEU korrelierte in frühen Studien gut mit menschlichen Einschätzungen und blieb lange ein Standard für die Bewertung von Übersetzungen. Es gibt jedoch wesentliche Einschränkungen:
Um Vergleichbarkeit zu verbessern, entwickelte Matt Post SacreBLEU: Die Tokenisierung erfolgt metrik-intern (WMT-Schema, Standardtokenizer 13a), gängige Testdaten werden kanonisch geladen, und eine Signatur dokumentiert alle Parameter.