Der BMW 801 ist ein luftgekühlter 14-Zylinder-Doppelstern-Flugmotor mit Benzindirekteinspritzung, der ab 1938 unter der Leitung von Martin Duckstein bei BMW entwickelt wurde. Die Erprobung des ersten Testmodells begann Ende April 1939 und im Dezember des Jahres erfolgte die Freigabe für die Produktion. Der Serienbau begann 1940 in der BMW Flugmotorenfabrik Eisenach. BMW entwickelte 22 Varianten, von denen 11 in Serie gebaut wurden. Insgesamt wurden über 21.000 Motoren dieses Typs hergestellt.
Einsatzgebiet
Dieser Motor wurde besonders bekannt, da er eines der Standard-Jagdflugzeuge der Luftwaffe im Zweiten Weltkrieg, die Focke-Wulf 190 der Serien A, B, F und G, antrieb. Die in der Fw190 eingesetzten Motoren waren von den Laderstufen für den Gebrauch in niedrigeren bis mittleren Höhen optimiert, was sich später gegen alliierteBomber und deren Begleitjäger als großer Nachteil erwies, da diese in großen Höhen von 8.000 bis 10.000 Metern operierten. Das National Advisory Committee for Aeronautics untersuchte 1945 die Eigenschaften der Motoren eingehend.
Technische Merkmale
Zwangskühlung
Der BMW 801 war der erste luftgekühlte Mehrfachsternmotor mit einer Gebläsekühlung, bei der die Kühlluft von einem stirnseitig montierten, axial arbeitenden Lüfterrad zwangsweise durch die Motorverkleidung gefördert wurde. Diese Bauform ermöglichte im Gegensatz zur reinen Fahrtwindkühlung eine zuverlässige, regelbare Kühlung auch am Boden und bei niedrigen Geschwindigkeiten und verringerte durch Verkleinerung der für die Kühlung erforderlichen Eintrittsfläche den Luftwiderstand. Auch die ringförmig vorn innerhalb der Motorverkleidung eingebauten Ölkühler wurden von der Gebläseluft zwangsdurchströmt, die durch einen Ringspalt wieder austrat. Es wurde eine spezielle Aluminiumlegierung für die Zylinderköpfe und Kühlrippen genutzt.
Einhebelbedienung
Kommandogerät zur Einhebelbedienung des BMW801
Der BMW 801 war einer der ersten Flugmotoren mit Einhebelbedienung: Ein von Heinrich Leibach konstruiertes Kommandogerät stellte automatisch als mechanischer Analogrechner alle Parameter (wie z. B. Zündzeitpunkt, Drosselklappenöffnung, Ladergang, Einspritzmenge, Luftschraubenverstellung) passend zu dem vom Piloten mit dem „Leistungswählhebel“ vorgegebenen Ladedruck (bzw. dazugehöriger Drehzahl) ein. Da keine gesonderten Hebel für Gemisch- und Luftschraubenverstellung bedient werden mussten, wurde der Pilot bei der Triebwerksbedienung entlastet und die Gefahr von Fehlbedienungen verringert. Die ebenfalls vom Kommandogerät gesteuerte Einspritzpumpe war eine Entwicklung der Münchner Firma Friedrich Deckel.
Kurzfristige Leistungssteigerung
Diverse Systeme zur kurzfristigen Leistungssteigerung, die beim 801D-2 und dessen Nebenentwicklungen einsetzbar waren, wurden entwickelt. Ab 1943 erhielten etliche Jagdbomber Fw190 F/G eine Anlage zur zusätzlichen Einspritzung von Kraftstoff (C3-Einspritzung). Dies erhöhte die Leistung kurzfristig von etwa 1730PS auf bis zu 1870PS und war nur im ersten Ladergang bis maximal 1000 Meter Flughöhe anwendbar. Ab Mitte 1944 erhielten die Fw-190-A-8-Jäger ein verwandtes System, das ebenfalls mit zusätzlichem Kraftstoff arbeitete (erhöhte Notleistung). Das System funktionierte in beiden Ladergängen und leistete bis zu 2100 PS im zweiten Ladergang. Aufgrund des Kraftstoffmangels Ende 1944/Anfang 1945 wurde die erhöhte Notleistung auf MW-50 (Methanol-Wasser-Einspritzung) umgestellt, die maximale Leistung reduzierte sich dann auf 2000 bis 2050 PS.
Triebwerksanlage
Auf Forderung des Reichsluftfahrtministeriums wurde der BMW 801 nicht nur als Einbautriebwerk, sondern ab 1942 auch als Motoranlage, die auch die üblicherweise zur Flugzeugzelle gehörige aerodynamische Verkleidung mit einschloss, und ab 1944 auch als Triebwerksanlage, die darüber hinaus um Abgasanlage und Einbaugerüst ergänzt war, hergestellt.
Technische Daten
Einbau des BMW 801 in der Fw190 A, Schnittzeichnung
BMW 801 D-2
Bohrung: 156 mm
Hub: 156 mm
Hubraum: 41,8 Liter
Verdichtungsverhältnis: 7,2:1
Ladedruck: 1,42 bar abs.
Laderbauart: einstufig, Zweigang
Durchmesser: 1290 mm
Länge: 2006 mm
Trockenmasse: 1010 kg
Startleistung: 1700 PS (1.250 kW) Startleistung in Meereshöhe bei 2700 min−1
801G-2: Bombertriebwerk, sonst wie 801D-2, Motoranlage MG, Triebwerksanlage TC
801H-2: 801G-2 mit linksdrehendem Propeller, nicht gebaut
801Q-2: 801D-2 mit verstärkter Ölkühlerpanzerung, Triebwerksanlage TU, 1944–45
Weiterentwicklungen
801J: Weiterentwicklung des 801D-2 mit Abgasturbolader, Triebwerksanlage TJ, 1.810 PS Startleistung, 1944–45
801K: wie 801J, mit Stirnradumkehrgetriebe (linksdrehender Propeller)
801S: 801D-2 mit besserem Lader und anderen Motorteilen des 801E-Projekts, Lader mit Vorsatzlaufer, verstärkte Ölkühlerpanzerung (Triebwerksanlage als TU), 2000 PS Startleistung mit MW-50 (2200 PS ab Anfang 1945 möglich), Triebwerksanlage TS, 1944–45
801H: ähnlich 801S
Projekte
801D: Jägertriebwerk mit Einstufen-Dreigang-Lader für 87-Oktan-Treibstoff, Entwicklung eingestellt
801Ds: Jägertriebwerk mit Turbolader
801E: Bombertriebwerk, Weiterentwicklung des 801D-2 mit einer höheren Laderübersetzung, Startleistung 2000 PS, 2300 PS für 5 Minuten möglich
801F(-1): Jägertriebwerk, Weiterentwicklung des 801E, Volldruckhöhe zwischen 7000 und 8000 Meter, größere Ventile, verstärkte Kurbelwelle, Einspritzpumpe mit höherer Leistung, verbesserte Aerodynamik der Triebwerksanlage TF, Startleistung 2000 PS, mit MW-50-Anlage 2400 PS, im Februar 1945 mit MW-50-Anlage 2580 PS, Triebwerksanlage TH
801F(-2) 2400 PS Startleistung, darüber hinaus Notleistung mit MW-50-Anlage; dieser Motor unterschied sich wesentlich vom 801F-1, die Bezeichnung 801F-2 wäre daher logisch, findet sich nur nicht in den Unterlagen von BMW
801M: wie 801Ds mit neuem Turbolader
801N: wie 801E mit anderem Lader
801R: Weiterentwicklung des 801E mit Zweistufen-Viergang-Lader, Volldruckhöhe: 11.000 Meter, GM-1-Injektion möglich über 11.000 Meter, für die Ladeluft waren Zwischen- und Endkühler vorgesehen, die Triebwerksanlge wurde weiter aerodynamisch verbessert.
801 Heimstoffmotor: Versuchsmotor zur Einsparung von Legierungswerkstoffen
Alle Leistungsangaben als Start- und Notleistung in Meereshöhe, die etwa 70 bis 100PS für den Antrieb des Lüfterrads sind berücksichtigt. Die oft angegebenen 1600PS der ersten Baureihe wurde erst in etwa einem Kilometer Flughöhe erreicht, die 1730PS der zweiten Baureihe ab 600m Flughöhe. Soweit nicht anders angegeben, drehten Kurbelwelle und Propeller im Uhrzeigersinn.
BMW 801 A–C–D–G, MA, ML, Flugmotor und Kommandogerät: Technisches Kompendium, Luftfahrt-Archiv, ISBN 3-939847-07-0.
Kyrill von Gersdorff, Kurt Grasmann, Helmut Schubert: Flugmotoren und Strahltriebwerke. Bernard & Graefe, Bonn 1995, ISBN 3-7637-6107-1.
Richard Faltermair: 14-Zylinder Sternmotor BMW 801: Das bayerische Kraftpaket. In: Flugzeug Classic, Nr. 10. GeraNova, Oberhaching, 2003 ISSN1617-0725, S.28–33.
Dietmar Hermann: BMW 801 E/F in der Fw 190: Der verhinderte Nachfolger. In: Flugzeug Classic, Nr. 9. GeraNova, München, 2007, ISSN 1617-0725, S. 28–33.
↑United States Strategic Bombing Survey, Aircraft Division (Hrsg.): Aircraft Division Industry Report. Second Edition, January 1947, Tabelle VII-1, S. 99 ff.
↑Till Lorenzen:BMW als Flugmotorenhersteller 1926–1940. Staatliche Lenkungsmaßnahmen und unternehmerische Handlugsspielräume. Oldenbourg Wissenschaftsverlag, München 2008, ISBN 978-3-486-58155-3, S.285.
↑
NASA Technical Reports Server (NTRS) 19930093290: Characteristics of the BMW 801D2 Automatic Engine Control as Determined from Bench Tests. NASA Technical Reports Server (NTRS), Washington 1945 (Online bei Archive.org).
↑
Automotive and Aviation Industries 1945-02-01: Vol 92 Iss 3. Washington 1945, S.29 (Online bei Archive.org).