Baal (auch BaÊżal und, seltener, Bel) (ugaritisch đđđ, phönizisch đ€đ€đ€, althebrĂ€isch ŚŚąŚ) ist im Altertum eine Bezeichnung fĂŒr verschiedene Gottheiten im westsemitischen (syrischen und levantinischen) Raum und bedeutet je nach Kontext, in dem das Wort verwendet wird, Herr, Meister, Besitzer, Ehemann, König oder Gott. Baal war ein Titel, der fĂŒr jeden Gott verwendet werden konnte. Als Baal wird gewöhnlich der oberste Gott des örtlichen Pantheons bezeichnet. Er ist meist ein Berg-, Wetter- und Fruchtbarkeitsgott. Mit Baal gleichgesetzt wurde oft der babylonische Wettergott Adad.



Die Auswertung der Schrifttafeln aus Ebla ergab etwa 500 Gottheiten. Teilweise wurden sumerische und hurritische Götternamen ĂŒbernommen. Jahrhunderte spĂ€ter sind noch etwa 50 herausragende Gottheiten in Syrien belegt. DagÄn als Herr (bel) der Götter hat dabei eine fĂŒhrende Aufgabe.
Den tiefsten Einblick in die Götterwelt Kanaans geben die praktisch komplett aufgefundenen Keilschriftarchive der um 1200 v. Chr. zerstörten Stadt Ugarit, Hauptstadt des gleichnamigen bronzezeitlichen Stadtstaates. Die Tafeln hielten unter anderem Epen, Mythen, Gebete, Götter- und Opferlisten, zeremonielle Texte und Vorschriften fest.
Der lĂ€ngste Mythenzyklus aus Ugarit beschĂ€ftigt sich mit Baal. Baal war in der ugaritischen Religion ein Wettergott, der Wind, Wolken und Regen beherrscht. Indem er die DĂŒrre beendet, ist er Spender der Fruchtbarkeit.
Als Gewittergott, der ĂŒber die Wolken eilt, der die Wolken âwie KĂ€lber vor sich hertreibtâ und ĂŒber Donner und Blitz verfĂŒgt, ist er dynamisch, mĂ€chtig und kampfkrĂ€ftig. Dargestellt wird er mit einem erhobenen Arm einherschreitend, mit dem er die Donnerkeule hĂ€lt, wĂ€hrend er in der linken Hand den Blitzspeer trĂ€gt. Die Zuordnung von Figuren des âSchreitenden Gottesâ an bestimmte Gottheiten ist allerdings meist nicht möglich.
Der fĂŒr Wasser, Brot, Wein, Ăl, KrĂ€uter (Nahrung fĂŒr das Vieh) und ihr Gedeihen verantwortliche Gott ist in einer bĂ€uerlichen Kultur von besonderer Bedeutung. Die Motive des zitierten Hymnus finden sich in Psalm 65 der Bibel auch fĂŒr JHWH. (Ps 65,7-13 LUT)
In den Ugarit-Texten wird Baal als Zabul (FĂŒrst), Herr der Erde und als Wolkenreiter bezeichnet.
In Ugarit wurde eine Entwicklung aus Ebla ĂŒbernommen und stellte eine auf Ugarit bezogene Einzigartigkeit dar: Die verstorbenen Könige wurden vergöttlicht und bekamen einen eigenen Kult. Damit erreichten sie den gleichen Rang wie der Gott Baal selbst.
Nach S. Moscati wurde in jeder phönizischen Stadt eine Trias aus Mann, Ehefrau und jugendlichem Sohn verehrt. Sie haben lokal unterschiedliche Namen. Die Göttin Aschtoret/Astarte/Tanit (rabat) galt als Gattin des Baal. Auch hier gibt es unterschiedliche lokale Namen: Astarte von Sidon, Astarte des Libanon, BaÊżalat-Gebal, BaÊżalat von Tyros
In Palmyra wurde Bel ĂŒberwiegend als Trias zusammen mit dem Mondgott Aglibol und dem Sonnengott Jarchibol verehrt.
An die Namen Baal wurden oft ZusÀtze (z. B. Stadt oder Name) angehÀngt. Einige Beispiele:
| Der Gott Baal | ||||||||||||||
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Name | Baal BËr | |||||||||||||
| Der Herr des Nordens | ||||||||||||||
| Baal-Saphon â BËr-ážpn | ||||||||||||||
Baal wird erstmals im Neuen Reich unter Amenophis II. genannt. Ein Heiligtum hatte er in Memphis und trug dort analog zur hebrĂ€ischen Bezeichnung ŚÖ·ÖŒŚąÖ·Ś ŚŠÖ°Ś€ÖčŚ [baÊal tÍĄsÉÉžÉn] âHerr des Nordensâ den Beinamen Safon. Exodus 14,2 lut zufolge existierte ein Heiligtum am Schilfmeer. Unter der Annahme der HistorizitĂ€t des Exodus und der VerlĂ€sslichkeit in den BĂŒchern Chroniken und Könige angegebener Zahlen mĂŒsste dieses Heiligtum bereits zur Zeit von Thutmosis III. oder frĂŒher gebaut worden sein.
In der Ramessidenzeit drang Baal als kriegerischer, mĂ€chtiger Gott in die Ă€gyptische Königsideologie ein; dem König wurden seitdem Epitheta wie âstarkmĂŒtig wie Baalâ, âgroĂ an Schrecken wie Baalâ, âBaal in Personâ, âGebrĂŒll wie das des Baal im Himmelâ, âwie Baal, der Macht hat ĂŒber seine Feindeâ zugeordnet.
Baals Funktionen und Darstellungen wurden in Ăgypten also völlig verĂ€ndert: Er wurde mit Seth gleichgestellt: Seth als Baal und Baal als Seth. Typisch asiatische Merkmale der Ă€gyptischen Darstellung sind: konische MĂŒtze, Stierhörner und ein bestimmter Schurz. Die Attribute Götterbart, Lebenszeichen und Zepter wurden an die Ă€gyptische Umgebung angepasst. Lediglich seine Eigenschaft als Wettergott blieb erhalten.
In der Bibel wird der Ausdruck Baal synonym als Name fĂŒr eine Reihe von Lokalgottheiten verwendet; das hebrĂ€ische Wort Baal erscheint in der Bibel jedoch auch in seiner nichtreligiösen Bedeutung Herr, Besitzer, Ehemann.
Nach dem biblischen Bericht gerieten die Israeliten bereits wĂ€hrend der WĂŒstenwanderung in Kontakt mit dem Baalskult (4 Mos 25,3 EU). In den ErzĂ€hlungen wird meist ein scharfer Gegensatz betont. Andererseits zeigen Baal-haltige Namen, dass in der FrĂŒhzeit Israels JHWH- und Baal-Verehrung nicht als Gegensatz empfunden worden sind: Saul nannte seinen ersten Sohn Jonathan (J(H)W(H) hat geschenkt), einen weiteren Ischbaal (Mann Baals). David nannte einen Sohn Adonija (Mein Herr ist JH(WH)), einen anderen Beeljada (Baal hat erkannt, 1 Chr 14,7 EU).
Baal wurde ĂŒber Jahrhunderte hinweg insbesondere in Nordisrael verehrt (vgl. z. B. 1 Kön 16,32 EU); sowohl in den biblischen Elija-ErzĂ€hlungen als auch im Buch Hosea wird dagegen polemisiert und stattdessen monolatrische JHWH-Verehrung gefordert. Hos 2,18 EU legt nahe, dass das Wort Baal (entsprechend seiner ursprĂŒnglichen Etymologie) als Titel vormals auch fĂŒr JHWH selbst gebraucht worden war (wogegen sich der Prophet aus mehreren GrĂŒnden wendet). Dessen Verehrung in Nordisrael ist zumindest teilweise mit dem kulturellen und religiösen Einfluss von Tyros zu erklĂ€ren.
In der prophetischen Kritik begegnet auch der Vorwurf der Verbrennung von Kindern als Opfer fĂŒr Baal (Jer 19,5 EU), der Ă€hnlich von den Römern gegen die Karthager erhoben wurde. Die HistorizitĂ€t der antiken Berichte ĂŒber Kindsopfer fĂŒr Baal und die Deutung der archĂ€ologischen Evidenz im phönizisch-punischen Bereich ist allerdings umstritten.
Bibelstellen zu Baal:
Im Koran wird auf Baal als Götze Bezug genommen. In Sure 37, Verse 123â132, heiĂt es âAuch Elias war (oder: ist) wirklich einer der (von Gott) Gesandten. (Damals) als er zu seinen Leuten sagte: âWollt ihr (denn) nicht gottesfĂŒrchtig sein? Wollt ihr (denn) zu Baal beten und (dafĂŒr) den besten Schöpfer (den man sich denken kann) aufgeben, (den einen) Gott, euren Herrn und den Herrn eurer VorvĂ€ter?â Da ziehen sie ihn der LĂŒge. [âŠ] Und wir hinterlieĂen ihm (als VermĂ€chtnis) unter den spĂ€teren (Generationen den Segenswunsch): âHeil sei ĂŒber Elias!â So vergelten wir denen, die fromm sind. Er ist (einer) von unseren glĂ€ubigen Dienern.â

Der Name Baal lebt in Balthasar (von Bel-ĆĄarru-uáčŁur, â(Der) Herr/Gott schĂŒtze (den) Königâ) und Hannibal (phönizisch fĂŒr âBaal ist gnĂ€digâ, wörtlich â(Die) Gnade (des) Herrnâ) fort.
Auch der Name eines Stadtgottes der Philister Baal-Sebub (vermutlich von Baal Zebul, âerhabener Herrâ und im Tanach verballhornt zu Beelzebub, âHerr der Fliegenâ) hat denselben Ursprung und stellt im Neuen Testament eine Bezeichnung fĂŒr den Teufel dar (vgl. spĂ€ter auch den DĂ€mon Baal).
Im Jahr 218 n. Chr. wurde versucht, den Baal von Emesa, die Gottheit Elagabal, als Reichsgott des Imperium Romanum einzufĂŒhren; der Gottheit wurde in Rom ein groĂer Tempel, das Elagaballium, errichtet, doch nach der Ermordung des Kaisers Elagabal (Marcus Aurelius Antoninus) im Jahr 222 wurde das Vorhaben, das bei der stadtrömischen Bevölkerung auf UnverstĂ€ndnis gestoĂen war, abgebrochen.
Der Vergleich mit dem Teufel wurde im christlichen SpĂ€tmittelalter aufgegriffen und fĂŒhrte zur Vorstellung Baals als DĂ€mon und FĂŒrst der Hölle, allerdings mit völlig unterschiedlichen und vielleicht unabhĂ€ngig voneinander entwickelten Vorstellungen, deren EinflĂŒsse bis in die Gegenwart reichen.
Baal findet sich auch als Bestandteil von Ortsnamen, z. B.: