Bad Osterfingen

Bad Osterfingen (2011)
Bad Osterfingen (2011)

Das Bad Osterfingen im Schweizer Kanton Schaffhausen wurde 1472 erstmals urkundlich erwähnt, muss aber schon lange vorher erbaut worden sein.

Es steht in der Gemeinde Wilchingen unweit des Dorfes Osterfingen am Ausgang des Wangentals. Das Kurbad hielt sich bis in die 1920er-Jahre. Heute (2026) ist das Bad Osterfingen ein traditionelles Gasthaus mit Weingut und steht auf der Liste der Kulturgüter in Wilchingen.

Geschichte

Lehen und Besitz

Das Bad Osterfingen war zur Zeit der ersten schriftlichen Erwähnung 1472 Eigentum des Vogts Hans Wilhelm Im Thurn. Von diesem ging es an die Familie von Fulach und 1577 an die Stadt Schaffhausen. Es war ein Lehen des Landgrafen Heinrich von Lupfen. Mit dem Bad verbunden war eine Taverne, die dem Lehensherrn das «Weinumgeld» als Steuer einbrachte. Das Lehen umfasste anfangs sowohl das Bad wie auch die Gastwirtschaft, der Bader und der Wirt war damals dieselbe Person.

Postkarte Bad Osterfingen (1985–1995)
Postkarte von Bad Osterfingen (1985–1995)

Das Osterfinger Bad blieb teilweise über mehrere Generationen in derselben Familie, z. B. um 1500 bei den Osterfingern Wolf und Stoll, danach den Schaffhausern Beugger und im 17. und 18. Jahrhundert bei den Kirchhofer. Die Brüder Kirchhofer erwirkten 1702 eine Teilung des ererbten Besitzes, indem Hans Jakob das Bad und Johannes die Wirtschaft mit je einem eigenen Lehensbrief übernahm. Der Wirt baute das Gasthaus an der Strasse nach Jestetten. Es war unter dem Namen «Wirtshaus zum Ochsen beim Bad» bekannt. Erst 1925 wurde es vom Badbesitztum abgetrennt und an den Schlosser Jakob Hablützel von Wilchingen verkauft.

Die Trennung des Lehens blieb über 150 Jahre bestehen. Erst Jakob Hallauer, der den in Konkurs geratenen Badebetrieb 1848 übernahm, kaufte 1860 auch das Gasthaus, womit beide Teile wieder in eine Hand übergingen. Am 23. Februar 1863 wurde das mittelalterliche Lehensrecht vom Grossen Rat des Kantons Schaffhausen aufgehoben.

1896 von Heinrich Schönle-Meyer erworben, befindet sich das Bad Osterfingen mit dem Weingut Badreben seit 1927 im Besitz der Familie Meyer.

Kurbad

Eine erste Erwähnung über die Wirkung der Quelle, die als Bach am Hasenberg entspringt, stammt vom Chronisten Johann Jakob Rüeger (1548–1606). Er bezeichnete das Wasser als «nützlich für offene Schäden und bresthafte Glieder». Vom Schaffhauser Stadtarzt Georg Möckli ist ein Gutachten von 1599 erhalten geblieben, in dem er beschrieb, wie er das alaun-, schwefel- und kupferhaltige Wasser untersucht habe. Seine Aufzählung der vielen Krankheiten, die durch eine Kur im Bad Osterfingen behoben werden könnten, schien sich positiv auf die Zahl der Kurgäste ausgewirkt zu haben.

Im 19. Jahrhundert florierte das Bad Osterfingen durch die vermehrte therapeutische Anwendung von Wasserkuren und Benützung von Heilbädern. Dazu beigetragen haben die Schriften von Sebastian Kneipp sowie bequemere Kutschen und bessere Verkehrswege.

Allerdings wurde die Heilwirkung des Wassers 1860 durch eine Analyse des Apothekers Johann Conrad Laffon (1801–1882) wieder relativiert, da der Mineralgehalt zu gering war. Der Badwirt Hablützel behalf sich daraufhin mit einer Erlaubnis des Regierungsrats, Salzsole von den Rheinsalinen beziehen zu dürfen. So durfte der Nachfolger Heinrich Schönle das Bad Osterfingen noch am Anfang des 20. Jh. in Zeitungsinseraten als «heil- und erholsam» anpreisen. Die grossen Zeiten des Kurbades waren allerdings vorbei. Die Bauern der Umgebung nutzten zwar die Wannen mit dem erwärmten Wasser im Osterfinger Bad als samstägliche Reinigungsbäder, die Kurgäste blieben jedoch aus. Von 1929 bis nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges belebten Ferienkolonien der Schaffhauser Stadtschulen das Bad Osterfingen.

Einzelnachweise

  1. 1 2 Reinhard Frauenfelder: Das Bad Osterfingen: kurzer Abriss seiner Geschichte. In: Schaffhauser Beiträge zur vaterländischen Geschichte. Band 39, 1962, doi:10.5169/seals-841253 (e-periodica.ch [abgerufen am 9. Oktober 2026]).
  2. ↑ Andreas Schiendorfer: Osterfingen. Ortsteil der Gemeinde Wilchingen. In: Unser Kulturerbe. Baukultur im Regionalen Kulturpark Schaffhausen. 2021.
  3. 1 2 3 4 Kurt Bächtold: Osterfingen. Die Geschichte eines Weinbaudorfes. Hrsg.: Gemeinde Osterfingen. Fotorotar, Egg 1994.
  4. 1 2 3 Max Ruh: Das Bad Osterfingen. In: René Steiner (Hrsg.): Schaffhauser Magazin. Nr. 3. Steiner + Grüninger, Schleitheim 1985, S. 21–23.