Bagheria

Bagheria
Bagheria (Italien)
Bagheria (Italien)
Staat Italien
Region Sizilien
Metropolitanstadt Palermo (PA)
Lokale Bezeichnung Baarìa
Koordinaten 38° 5′ N, 13° 31′ OKoordinaten: 38° 4′ 49″ N, 13° 30′ 33″ O
Höhe 76 m s.l.m.
Fläche 29 km²
Einwohner 53.152 (31. Dez. 2025)
Postleitzahl 90011
Vorwahl 091
ISTAT-Nummer 082006
Bezeichnung der Bewohner Bagheresi
Schutzpatron San Giuseppe
Website Bagheria

Bagheria

Bagheria [baɡeˈriːa] (Italienisch Bagherìa; sizilianisch Bagarìa; im lokalen Dialekt Siziliano Occidentale Baarìa) ist eine Stadt der Metropolitanstadt Palermo in der Region Sizilien in Italien mit 53.152 Einwohnern (Stand 31. Dezember 2025).

Lage und Daten

Bagheria liegt 16 km östlich von Palermo.

Die Stadtteile von Bagheria sind Aspra und Mongerbino. Aspra ist für seine reichen Zitronenplantagen bekannt. In Mongerbino gibt es unberührte, kleine Strände. Hier wohnen die Reichen von Palermo und Umgebung.

Bagheria liegt an der Autobahn A19 und an der SS 113 Trapani–Messina. Der Ort liegt an der Bahnstrecke Palermo–Agrigent/Porto Empedocle.

Die Nachbargemeinden sind Ficarazzi, Misilmeri und Santa Flavia.

Geschichte

1658 baute sich Giuseppe Branciforte, Spross der sizilianischen Adelsfamilie Branciforte, an der Stelle der heutigen Stadt ein mittelalterlich gestaltetes Schloss und nannte es Villa Butera. Der Bau der Villa Butera (heute Palazzo Butera genannt) gilt offiziell als Geburtsstunde von Bagheria. Salvatore Branciforte, Enkel von Giuseppe Branciforti, initiierte 1769 die erste Stadtplanung. So entstand die Stadt um die heute noch zentrale Kirche Chiesa Madrice herum. Auch die beiden heutigen Hauptachsen und Einkaufsstraßen von Bagheria, der Corso Butera und der Corso Umberto I, gehen auf diese erste Stadtplanung zurück.

Eine einzigartige Komponente der Stadtentwicklung in Bagheria war der Bau vieler Villen durch weitere sizilianische Adelsfamilien, die von Palermo aus ins Umland zogen. Die Sizilien-Karte von Samuel von Schmettau von 1720/1721 zeigt bereits 38 dieser Villen. Ihre Gestaltung folgte zumeist nicht mehr wie die Villa Butera der mittelalterlichen, sondern der damals modernen barocken Ästhetik. Die Villen fielen nicht nur durch ihre Größe und riesige Gärten auf, sondern auch durch ihre Fassaden. Alleen bildeten zueinander ausgerichtete Achsen. Heute versteht man die Villen von Bagheria daher als barockes Gesamtkunstwerk.

Mit dem im Roman Der Gattopardo beschriebenen Niedergang des sizilianischen Adels im 19. Jahrhundert ging der Aufstieg des sizilianischen Bürgertums und der Cosa Nostra einher. Besonders in den 1950er und 1960er Jahren war eines deren Geschäftsfelder die Bauspekulation mit Geldern aus dem von Rom zur Verfügung gestellten Entwicklungsfonds für den armen Süden. Auf diese Weise entstanden in den ehemaligen Gartenanlagen der Villen hässliche Wohnsilos schlechter Bauqualität. Die italienische Schriftstellerin Dacia Maraini beschrieb diese Situation aus eigener Anschauung in ihrem Buch Bagheria – Eine Kindheit auf Sizilien.

Bagheria gehörte vor allem während des Zweiten Mafiakrieges zu den berüchtigsten Zentren der Gewalttätigkeit, in dem sich besonders viele Morde häuften. Zusammen mit den Gemeinden Altavilla Milicia und Casteldaccia bildete es in der Zeit von 1981 bis 1982 das sogenannte Dreieck des Todes (ital. triangolo della morte). Die Tötungen gingen größtenteils von Filippo Marchese und seiner Corso dei Mille-Familie aus, die auf der Seite der Corleonesi einen blutigen Feldzug gegen die verbleibenden Palermitaner Mafiafamilien führten. Bernardo Provenzano betrieb in der Umgebung von Bagheria in einer stillgelegten Eisen- oder Nagelfabrik für die Fraktion der Corleonesi eine Art Hinrichtungsort, welches in bestimmten Kreisen als campo di sterminio di Bagheria („KZ von Bagheria“) bekannt wurde und in der vermutlich mindestens 100 Personen ermordet wurden. Die Opfer wurden ähnlich wie die in der camera della morte („Todeskammer“) an der Piazza Sant’Erasmo, in der Innenstadt Palermos, häufig in Säure aufgelöst, so dass die Taten nicht mehr nachgewiesen werden konnten. Ein weiterer Höhepunkt bildete am 25. Dezember 1981 das sogenannte Weihnachtsmassaker (ital. strage di Natale), als es in Bagheria zu einer wilden Verfolgungsjagd und offener Schießerei zwischen zwei verfeindeten Clans kam. Danach hatte sich die Macht der Corleonesi tief in der Stadt verfestigt und kontrollierte gewissermaßen das öffentliche Leben.

Auch nach Ende des Zweiten Mafiakrieges, geriet die Mittelmeerstadt wegen Mafia-Kriminalität erneut in die Schlagzeilen. Giuseppe „Pino“ Scaduto, Oberhaupt der Scaduto-Familie und während der Herrschaft der Corleonesi eine wichtige Person der Cupola, wurde im Jahr 2008 im Zuge der Polizeioperation „Operazione Perseo“ festgenommen und verdächtigte seine Tochter Maria Caterina, die mit einem Carabiniere liiert war, des Verrates. Sein Sohn Paolo Scaduto sollte die Familienehre wiederherstellen und seine eigene Schwester umbringen, was jedoch von ihm nicht durchgeführt wurde. „Pino“ Scaduto wurde kurz nach seiner Freilassung wegen weiterer Delikte erneut festgenommen und verurteilt.

Am Ende des 20. Jahrhunderts begann der Niedergang der Cosa Nostra sich auch in Bagheria positiv auszuwirken. Einzelne Baudenkmäler in öffentlichem Besitz werden renoviert und für kulturelle und touristische Zwecke genutzt. Die Umwandlung des Corso Umberto I zur Fußgängerzone brachte Ruhe in die Stadt. Das im Januar 2010 vorgestellte Projekt Bagheria-baarìa, l’altra città ist eine Zusammenfassung von fast 40 Teilprojekten, die Bagheria endgültig zu einer attraktiven Stadt für einen nachhaltigen Tourismus machen sollen.

Villen von Bagheria

Die barocken Villen von Bagheria sind fast alle auf ein System von Wegeachsen bezogen, das zum Rückgrat der erst später in dieser Ausdehnung entstandenen Stadt wurde. Die älteste und zentrale Achse führt auf den Palazzo Butera und wurde als Corso Butera zur Hauptstraße des Ortes. Die Achse der Villa Palagonia zweigt von dieser in spitzem Winkel und leicht ansteigend ab. Auch die Achsen der Villen S. Cataldo, S. Isodoro und Ramacca zweigten von der Hauptachse ab, auch wenn diese Situation heute durch die Eisenbahn gestört wird. Die meisten der Villen existieren noch. Einige der weitläufigen Gärten und Parkanlagen, in denen die Villen standen, fielen allerdings in den 1970er und 1980er Jahren den Bauspekulationen der Mafia zum Opfer. Die folgende Liste beschreibt die heute noch auf dem Territorium der Stadt Bagheria befindlichen Barock-Villen. Weitere Villen dieser Art befinden sich auf dem Territorium der Nachbargemeinde Santa Flavia.

Palazzo Butera
Villa Cattolica
Villa Comitini-Trabia
Villa Palagonia
Villa San Cataldo

Museen und Parkanlagen

Söhne und Töchter

Film

Literatur

Commons: Bagheria – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. ↑ Bilancio demografico e popolazione residente per sesso al 31 dicembre 2025. ISTAT. (Bevölkerungsstatistiken des Istituto Nazionale di Statistica, Stand 31. Dezember 2025).
  2. ↑ Palazzo Butera, il più antico palazzo di Bagheria (Memento vom 27. Dezember 2010 im Internet Archive). Website Guidasicilia. Abgerufen am 3. Januar 2011.
  3. ↑ Thomas Dittelbach: Geschichte Siziliens – Von der Antike bis heute. 1. Auflage. C.H. Beck, München 2010, ISBN 978-3-406-58790-0.
  4. ↑ Enrico Deaglio: Patria 1978-2010. Il Saggiatore, 2010 S. 111
  5. ↑ Pietro Grasso: Storie di sangue, amici e fantasmi: Ricordi di mafia. Feltrinelli Editore. 2017.
  6. ↑ Carefree cries replace screams at Cosa Nostra 'Death Factory' The Telegraph. In: The Daily Telegraph. 22. August 2004, abgerufen am 1. April 2020 (englisch).
  7. ↑ Bagheria. La strage del 25 dicembre 1981, è diventato un libro. Ecco uno stralcio. La Voce di Bagheria. 13. April 2013 (it.) (Memento des Originals vom 26. Juni 2018 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.
  8. ↑ Sizilianische Mafia: Der Boss aus Bagheria. Die Geschichte der Familie Scaduto handelt von einem rachsüchtigen Vater, einer Tochter mit bewegtem Liebesleben und einem Sohn, der sich weigerte, seine Schwester zu töten. Süddeutsche Zeitung. 1. November 2017. Abgerufen am 1. April 2020.
  9. ↑ Mafia boss accused of ordering hit on his daughter over policeman lover. Pino Scaduto, head of the Bagheria syndicate in Sicily, arrested after he allegedly asked his son to carry out killing. The Guardian. 31. Oktober 2017. Abgerufen am 1. April 2020 (englisch).
  10. ↑ Bagheria – baarìa l’altra città (Seite nicht mehr abrufbar, festgestellt im März 2018. Suche im Internet Archive). Ausführliche Darstellung des Zukunftsplan für Bagheria. [PDF]
  11. ↑ Bagheria – baarìa l’altra città (Seite nicht mehr abrufbar, festgestellt im März 2018. Suche im Internet Archive). Visualisierung des Zukunftsplans für Bagheria. [PDF]
  12. ↑ Fronte comune contro gli esattori del pizzo e la mafia di Aspra e Bagheria. In: Reference POST. Abgerufen am 11. Oktober 2026 (italienisch).