
Als Baptist War (deutsch: Baptistischer Krieg) wird eine elftägige Sklavenrevolte bezeichnet, die sich um die Jahreswende 1831/32 auf Jamaika ereignete. Sie gilt als die größte Revolte in der damals britischen Karibik. Neben ihrem Anführer Samuel Sharpe (1801–1832), einem Sklaven und baptistischen Diakon, waren auch viele andere Aufständische Mitglieder jamaikanischer Baptistengemeinden. Der Aufstand, der bis 60.000 der rund 300.000 Slaven Jamaikas mobilisierte, ist auch unter dem Namen Christmas Rebellion (deutsch: Weihnachtsrebellion) in die Geschichte eingegangen. Während der Revolte starben ca. 200 Teilnehmer der Revolte, nach ihrer Niederschlagung wurden etwa 300 Aufständische hingerichtet.
Der Baptist War gilt als Meilenstein in der Geschichte der Sklavenbefreiung im britischen Kolonialreich.
Wie die meisten britischen Kolonien der Karibik war Jamaika überwiegend von Sklaven bewohnt. Auf zwölf dieser aus Afrika stammenden Menschen kam nur ein Weißer mit meist europäischen Wurzeln. Die Revolte hatte mehrere Ursachen: Zum einen litt die Karibikinsel unter einer schweren Wirtschaftskrise, die vor allem auch verarmte Weiße betraf. Zum andern wurde im britischen Parlament über die Abschaffung der Sklaverei diskutiert, was auf Jamaika zu heftigen Reaktionen der Sklavenbesitzer führte. Sie hetzten in Wort und Schrift gegen die Anzeichen der beginnenden Sklavenemanzipation im Britischen Weltreich, die 1833 Gesetz wurde.
Zum Hintergrund gehört auch, dass bekannte neutestamentliche Aussagen von Baptisten in kirchlichen und nichtkirchlichen Versammlungen neu interpretiert wurden. Das Jesus-Wort zum Beispiel, dass niemand zwei Herren dienen kann (Mt 6,24 EU), wurde so ausgelegt: Ein Mensch kann nicht gleichzeitig seinem himmlischen Christus und seinem irdischen „Massa“ Gehorsam leisten. Die Aussage „Wenn der Sohn [=Jesus Christus] euch frei macht, seid ihr wirklich frei.“ (Joh 8,36 EU) bezog man auch auf die äußere Freiheit eines Menschen. Im Paulus-Wort Gal 3,28 EU, dass es „in Christus weder Sklaven noch Freie“ gibt, sahen sie die Forderung nach der Gleichheit aller Menschen angelegt.
Die Plantagenbesitzer protestierten gegen eine christliche Missionsarbeit unter Sklaven. Zum einen stuften sie die Bildungsfähigkeit der Schwarzen als zu gering für das Verständnis theologischer Zusammenhänge ein, zum anderen fürchteten sie, dass der Besuch von Gottesdiensten und Gebetsstunden die Arbeitszeit ihrer Leibeigenen verkürzen und sich dadurch eine allgemeine Arbeitsscheu ausbreiten könne. Für Samuel Sharpe war es jedoch Verpflichtung, gerade den Sklaven das Evangelium zu predigen, da es freimachen kann – auch im wörtlichen Sinne.


Diakon Samuel Sharpe, von seinen Gemeindemitglieder auch „Papa Sharpe“ genannt, hatte aufgrund seiner geistlichen Funktion eine begrenzte Bewegungsfreiheit auf Jamaika. Ihm war es unter anderem erlaubt, gottesdienstliche Zusammenkünfte und überregionale Versammlungen anlässlich christlicher Feiertage zu organisieren. Sharpe nutzte diese Möglichkeiten und lud am Ende eines regulären Gebetstreffens, das Mitte Dezember 1831 stattfand, eine ausgewählte Gruppe von Mitarbeitern zu einer Besprechung ein. Auf der Tagesordnung stand die Planung eines Streiks. Um die Versammelten zu ermutigen, erinnerte er in seiner einleitenden Rede an bekannte Sklavenerhebungen auf verschiedenen karibischen Inseln und an den Sklavenaufstand in Guyana, der 1823 in Demerara stattgefunden hatte. Nachdem er seinen Plan entfaltet hatte, ließ er die Teilnehmer des Geheimtreffens auf die Bibel schwören, sich an diesen Plan zu halten und bis zum vereinbarten Termin Stillschweigen zu bewahren. Zu den engen Mitarbeitern Sharpes gehörten unter anderem der Zimmermann Campbell (York Estate), der Fuhrmann Robert Gardner (Greenwich Estate), Thomas Dove (Belvedere Estate), John Tharp (Hazlelymph Estate) sowie George Taylor, ebenfalls ein baptistischer Diakon.
Der geplante Streik begann kurz nach dem Weihnachtsfeiertag 1831. Über 60.000 der rund 300.000 jamaikanischen Sklaven konnten im Laufe der folgenden Tage für die Arbeitsniederlegung gewonnen werden. Zentrale Forderungen an die Adresse der Sklavenhalter waren zunächst mehr Freizeit und vor allem die Auszahlung von Lohn. Bereits am Montag, dem 27. Dezember, eskalierte der Streik. Auf dem Anwesen Kensington Estate, das in der Nähe von Montego Bay lag, wurden die erntereifen Zuckerrohrfelder in Brand gesteckt. Eine Miliz unter dem Befehl des Oberst William Grignon versuchte, die Revolte niederzuschlagen, musste aber vor der Übermacht der Aufständischen weichen und ihnen die Kontrolle über die ländlichen Gebiete der St. James Parish überlassen. Erst als die Kolonialregierung am letzten Tag des Jahres 1831 das Kriegsrecht verhängte, die auf der Insel stationierten britischen Streitkräfte in Bewegung setzte und zusätzlich die jamaikanischen Maroons aus Accompong Town als Hilfstruppen einsetzte, konnte der Sklavenaufstand niedergeschlagen werden. Am 4. Januar 1832 ergaben sich Sharpe und die Teilnehmer der Revolte. Vierzehn Weiße und 207 Rebellen, unter ihnen Sharpes Stellvertreter Campbell, kamen während der Revolte ums Leben.
In den Gerichtsverhandlungen, die im Anschluss an den Baptist War stattfanden, wurden zwischen 310 und 340 Sklaven zum Tode verurteilt. Unter ihnen war auch Samuel Sharpe, Robert Gardner und die anderen Führer der Revolte. Die Gerichtsakten belegen, dass viele der Todesurteile bereits aufgrund von geringfügigen Vergehen erfolgten; so waren der Diebstahl eines Schweins oder einer Kuh Grund genug, um eine Hinrichtung zu vollziehen. Der Missionar Henry Bleby berichtete 1853, dass die Gerichte üblicherweise drei oder vier Personen gleichzeitig hinrichteten. Im Anschluss daran wurden die Leichen aufgestapelt und schließlich von Sklaven in Massengräbern beigesetzt. In einem Bericht, den die Kolonialregierung im März 1832 präsentierte, wurde der wirtschaftliche Schaden der Christmas Rebellion mit 1.154.589 Pfund beziffert. Mehr als 100 Gebäude waren durch die Aufständischen angezündet und gut 40 Zuckerfabriken sowie Wohnhäuser von etwa 100 weißen Jamaikanern zerstört worden. Die weißen Baptistenmissionare gerieten in Verdacht, als eigentliche Anstifter hinter der Sklavenrevolte zu stecken. William Knibb und Henry Bleby, ihre bekanntesten Vertreter, wurden deshalb festgenommen und, nachdem man sie „geteert und gefedert“ hatte, wieder freigelassen. Weiße Mobs zerstörten außerdem Kirchen verschiedener Konfessionen, die vor dem Aufstand durch schwarze Gemeinden als Gotteshäuser genutzt worden waren.