Barbara Ercolano (* 1977 in Neapel) ist eine italienische Astrophysikerin und Hochschullehrerin.
Ercolano verbrachte ihre Kindheit in Neapel und ging dort zur Schule. Nach Abschluss ihrer Schulzeit studierte sie ab 1995 in London am University College London (UCL) Astrophysik. Hier promovierte sie 2002 mit einer Arbeit zum Thema Three-dimensional Monte Carlo simulations of photonized nebulae. Im Rahmen ihrer Doktorarbeit entwickelte Ercolano ein Programm mit dem Namen Mocassin, mit dessen Hilfe verschiedene Strahlungsvorgänge in der Astronomie modelliert werden können.
Nach einer Postdoc-Zeit am UCL wechselte sie auf eine Forschungsstelle am Harvard-Smithsonian Center for Astrophysics in Cambridge (Massachusetts). Hier entwickelte sie ihr Mocassin-Programm weiter und dehnte es auf den Bereich der Röntgenstrahlung aus. Zurückgekehrt nach England bekam sie ein Forschungs-Stipendium vom Science and Technology Facilities Council. Damit setzte sie ihre Arbeit am Institute of Astronomy, Cambridge und am UCL fort. Außerdem hielt sie Vorlesungen an der University of Exeter.
2010 wurde Ercolano als Professorin für Theoretische Astrophysik an die Ludwig-Maximilians-Universität München berufen. Hier leitet sie die Gruppe Theoretische Sternen- und Planetenentstehung (SPF Group) an der Universitäts-Sternwarte München. Außerdem koordiniert sie das Exzellenzcluster im Forschungsbereich F.
Ercolano forscht über Planetenentstehung und Protoplanetare Scheibenentwicklung. Sie untersucht die Röntgenstrahlung des neugeborenen Sterns und ihren Einfluss auf die Bildung von Planeten. Sie arbeitet über die Rolle, die die Röntgen-Photoevaporation bei der Ausbreitung der protoplanetaren Scheibe spielt. Unter anderem beschäftigt sie sich mit der Planetenentstehung in der Staubscheibe von TW Hydrae.
Ercolano leitet eine von der Deutschen Forschungsgemeinschaft geförderte Forschungsgruppe, die zum Thema Planet Formation Witnesses and Probes: Transition Disks forscht.
Ercolano hält populärwissenschaftliche Vorträge zum Thema Astrophysik und trägt so zur Erweiterung der Bildung Interessierter bei. Unter anderem hielt sie einen Vortrag über Planetenentstehung in der Reihe Café & Kosmos als Teil des von Josef M. Gaßner moderierten YouTube-Kanals Urknall, Weltall und das Leben.
Das Mocassin-Programm ist ein frei verfügbares Programm mit offenem Quellcode (in Fortran 90 programmiert) unter GNU General Public License. Der Name Mocassin steht für MOnte CArlo SimulationS of Ionized Nebulae. Das Programm benutzt die Monte-Carlo-Simulation, um die Übertragung von Strahlung durch Medien mit beliebiger Geometrie und Dichteverteilung zu modellieren. Ursprünglich entwickelt für die Modellierung von H-II-Gebieten und planetarischen Nebeln, wurde es erweitert und kann nun auch zur Modellierung von klumpigen, staubigen Supernova-Hüllen, Sternentstehungsgebieten, protoplanetaren Scheiben und Fluoreszenzemission in Sternen verwendet werden.
Für ihre Entwicklung des Mocassin-Programms zum Studium der Gasnebel in der Astronomie erhielt Ercolano den Fowler Award der Royal Astronomical Society für frühe Karriereerfolge in der Astronomie.
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Ercolano, Barbara |
| KURZBESCHREIBUNG | italienische Astrophysikerin |
| GEBURTSDATUM | 1977 |
| GEBURTSORT | Neapel |