Barbara Kavemann (geboren am 14. November 1949 in Seligenstadt) ist eine deutsche Soziologin. Sie forscht und publiziert seit den frühen 1980er Jahren zum Thema sexuelle Gewalt in Kindheit und Jugend.
Barbara Kavemann absolvierte von 1968 bis 1970 eine Ausbildung als Buchhändlerin. Anschließend studierte sie von 1970 bis 1976 Soziologie an der Freien Universität Berlin. Seitdem ist sie als freiberufliche Sozialwissenschaftlerin tätig. 1995 erfolgte ihre Promotion an der Technischen Universität Berlin.
Kavemann war seit den 1970er Jahren in der Frauenbewegung in Berlin aktiv und arbeitete bei der wissenschaftlichen Begleitung des ersten Frauenhauses mit, wo sie sich besonders mit den Problemen der Kinder beschäftigte, die mit ihren Müttern ins Frauenhaus kamen. 1984 veröffentlichte sie mit der Rechtsanwältin Ingrid Lohstöter das Buch Väter als Täter, das sexuelle Gewalt gegen Mädchen durch ihre Väter thematisierte. Im Juli desselben Jahres widmete auch das Nachrichtenmagazin Der Spiegel dem sexuellen Missbrauch in der Familie eine Titelgeschichte. Der Band schilderte ausgehend von den Erfahrungen der Betroffenen die zerstörerischen Folgen des Missbrauchs und wie die Betroffenen versuchten, ihn zu bewältigen. Er fasste die wesentlichen Forderungen der sich entwickelnden Bewegung gegen sexuellen Missbrauch zusammen. Das Buch wurde 2018 neu aufgelegt.
Seit dem Jahr 2000 hat Kavemann eine Honorarprofessur an der Katholischen Hochschule für Sozialwesen Berlin inne. Seit 2004 ist sie Mitarbeiterin des Sozialwissenschaftlichen Forschungsinstituts zu Geschlechterfragen in Freiburg (SoFFI F). Sie gehört zu den sieben Mitgliedern der 2016 einberufenen Unabhängigen Kommission zur Aufarbeitung sexuellen Kindesmissbrauchs, die Ausmaß, Art und Folgen von sexuellem Kindesmissbrauch in der Bundesrepublik Deutschland und in der DDR untersucht und im Juli 2021 eine erste Bilanz vorlegte. Darüber hinaus ist sie als Anhörungsbeauftragte der Kommission tätig und führt vertrauliche Gespräche mit Menschen, die in ihrer Kindheit oder Jugend sexuelle Gewalt erlebt haben.
Neben den Forschungsschwerpunkten sexuelle Gewalt gegen Kinder und Jugendliche und Gewalt in Paarbeziehungen entwickelte Kavemann Präventionskonzepte gegen sexuellen Kindesmissbrauch mit. Sie führte für Forschungszwecke Interviews mit Frauen und Männern, die sexuelle Gewalt in der Kindheit erlebt hatten. Dabei stellte sie fest, dass ein „nicht unerheblicher Anteil von Betroffenen“ auch von Formen ritueller und organisierter Gewalt berichtete. 2019 sagte sie in einem Interview, dass Frauen bei organisiertem Missbrauch „als Organisatorinnen und Profiteurinnen nicht selten eine gewichtige Rolle spielen“. Ihre Einschätzung wurde von einer 2021 veröffentlichten Studie der Unabhängigen Kommission bestätigt.
Ein weiterer Schwerpunkt ihrer Arbeit ist die Aufarbeitung sexueller Gewalt gegen Menschen mit Behinderungen. Im Rahmen Kampagne Offen für deine Geschichte (2026) setzte sie sich dafür ein, Menschen mit Behinderungen, die in ihrer Kindheit oder Jugend sexuelle Gewalt erlebt hatten, zur Schilderung ihrer Erfahrungen zu ermutigen, auch weil diese unter den bislang von der Kommission angehörten Betroffenen kaum repräsentiert waren. Zu den Hindernissen für den Schutz dieser Menschen zählen laut Kavemann die unzureichend zugängliche Informationen über sexuelle Gewalt und gesellschaftliche Vorurteile über die Sexualität von Menschen mit Behinderungen. Sie weist auf die Bedeutung barrierefreier Beratungsangebote, die Fortbildung von Betreuungspersonal und die Umsetzung von Schutzkonzepten im Einrichtungsalltag hin. Insbesondere Menschen mit Lernschwierigkeiten mangelt es laut Kavemann an therapeutischen Angeboten zur Bewältigung sexueller Gewalterfahrungen.
| Personendaten | |
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| NAME | Kavemann, Barbara |
| KURZBESCHREIBUNG | deutsche Sozialwissenschaftlerin |
| GEBURTSDATUM | 14. November 1949 |
| GEBURTSORT | Seligenstadt |