| Basilia | |
|---|---|
| Alternativname | Kastell auf dem Münsterhügel |
| Limes | ORL NN (RLK) |
| Strecke (RLK) | A) Obergermanischer Limes, ältere Rheinlinie B)+C) Donau-Iller-Rhein-Limes |
| Datierung (Belegung) | A.a) augusteisch (um 25 v. u. Z.) A.b) tiberisch (17/20 u. Z.) B.a) Mitte 3. Jahrhundert B.b) konstantinisch C) valentinianisch |
| Typ | A)+B) Auxiliarkastell (?) C) Burgus |
| Erhaltungszustand | stellenweise konservierte Bodendenkmale |
| Ort | Basel |
| Geographische Lage | 611519 / 267308 |
| Höhe | 260 m ü. M. |
| Vorhergehend | Cambete (nördlich) |
| Anschließend | Augusta Raurica (östlich) |

Basilia ist der lateinische Name der militärischen und zivilen römischen Besiedlung der Stadt Basel im schweizerischen Kanton Basel-Stadt. Basilia gehörte administrativ zunächst zum Heeresbezirk und der späteren Provinz Germania superior und in der Spätantike zur Provinz Maxima Sequanorum.
Die Fundstellen befinden sich inmitten des Stadtgebiets von Basel, zu beiden Seiten des Rheins, der in Stadt beim Rheinknie seine Fliessrichtung von Ost–West nach Süd–Nord ändert. Dort endet der Hochrhein und der Oberrhein beginnt. In diesem Bereich mündet von Südwesten her der Birsig und von Nordosten her die Wiese in den Rhein. Das Gebiet liegt im südlichen Bereich des Oberrheingrabens, der von drei Gebirgszügen umgeben ist: im Westen von den französischen Vogesen, im Südwesten, Süden und Südosten von den Ausläufern des französischen und schweizerischen Juragebirges und im Osten vom deutschen Schwarzwald. Geologisch sind die Berge von den Buntsandsteinen und Muschelkalken des Trias, sowie von den Kalken des Juras und der Kreide geprägt. Plattentektonische Prozesse im Oligozän besorgten die Erhebung des Schwarzwalds und der Vogesen, die Brüche des Juras, sowie den Einbruch des Rheingrabens. In Miozän und Pliozän kam es zu vulkanischen Aktivitäten am Kaiserstuhl und zu Faltungen im Faltenjura. Während der Eiszeiten des Pleistozäns blieb das unmittelbare Baseler Gebiet frei von Gletschern, auch wenn ein arktisches Klima herrschte. Felsen wurden durch Frostsprengung zerkleinert, Schotter durch Gletscher in der Nähe abgelagert. Im Laufe der Eiszeiten schnitt sich der Rhein immer tiefer in den Untergrund ein, lagerte verschiedene Schotter ab, die schließlich Hoch- und Niederterrassen bildeten. Der Siedlungsplatz Basel, am Übergang zwischen dem eng eingefassten Hochrhein und der weiten Oberrheinischen Tiefebene mit den Tälern der Birs, der Wiese und des Birsigs war als Verkehrsknotenpunkt und unter strategischen Gesichtspunkten optimal geeignet. Der Fluss stellte ein natürliches Annäherungshindernis dar und der rund sechs Hektaren umfassende Münsterhügel, der sich etwa 40 Meter über die Rheinebene erhebt und zum Birsig und Rhein hin steil abfällt, ist gleichsam eine natürliche Festung.
Die Namensform Basilia wird erstmals bei Ammianus Marcellinus für das Jahr 374 erwähnt, es scheint jedoch nicht unwahrscheinlich, dass dieser Name schon in frühkaiserzeitlicher, wenn nicht sogar schon in keltischer Zeit bestand, zumal dieser Ortsname in Gallien häufiger vorkommt.
Die Forschungen in Basel standen lange im Schatten der Untersuchungen in Augusta Raurica. Erst ab dem frühen 19. Jahrhundert wurden römische Relikte auf Basler Stadtgebiet wahrgenommen. Insbesondere konnten zwischen 1837 und 1895 Abschnitte der Kastellmauer freigelegt, und dabei Spolien wie Grabsteine geborgen werden. Die wachsenden Erkenntnisse wurden von Franz Dorotheus Gerlach, Wilhelm Vischer, Theophil Burckhardt-Biedermann und Felix Staehelin publiziert. Emil Vogt war 1928 der Erste, der ausgusteische und tiberische Keramik (in der Bäumleingasse) nachweisen konnte, und 1944 wurden auf dem Münsterplatz frühkaiserzeitliche, aber auch spätantike Siedlungsbefunde entdeckt. In den 1950er bis 1970er Jahren wurden weitere frühkaiserzeitliche und spätantike Befunde untersucht, 1973 der Burgus auf der rechten Rheinseite entdeckt. Seit den 1980er Jahren zeichnet die Archäologische Bodenforschung Basel-Stadt für die Erforschung und Publikation (auch) der römischen Befunde verantwortlich.
Archäologische Funde belegen, dass das Gebiet beiderseits des Rheins bereits in der Späten Bronzezeit, etwa ab dem Jahr 1100 v. u. Z. besiedelt war. Rechtsrheinisch wurden verschiedene Fundstellen am Kleinbasler Ufer festgestellt. In dem stark bewaldeten Umland kam dem Rhein eine wichtige Rolle als Verkehrs- und Transportweg zu. So entstand am Rheinufer auf dem Gebiet des heutigen Stadtteils St. Johann vielleicht schon um das Jahr 1100 v. u. Z., spätestens in der ersten Hälfte des sechsten Jahrhunderts vor unserer Zeitrechnung eine große keltische, städtisch geprägte Handelssiedlung von überregionaler Bedeutung. Die Bebauung aus Holz und Lehm stand auf großen Parzellen mit Gärten und Silogruben. Das Fundmaterial belegt Wohlstand und intensive Handelskontakte zum Mittelmeerraum, was durch die Funde von Gold-, Silber- und Buntmetallmünzen, sowie Fragmenten von Weinamphoren belegt ist. In der Siedlung wurde Feinkeramik produziert. Zwei Gräberfelder und Einzelbestattungen zeugen von komplexen Bestattungsritualen. Im ersten Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung legten die nach der Schlacht bei Bibracte auf Basler Gebiet zurückkehrenden und dort siedelnden Rauriker auf dem Münsterhügel zudem ein stark befestigtes Oppidum an.

Spätestens im Jahr 50 v. u. Z., zum Ende des Gallischen Kriegs war das Basler Gebiet Bestandteil des Imperium Romanum. Die jüngere Forschung nimmt an, dass unter dem Statthalter Lucius Munatius Plancus das römische Basel um 44/43 v. u. Z. zunächst zum Hauptort der Civitas Rauricorum wurde. Um die Mitte des dritten Jahrzehnts v. u. Z. besetzten die Römer den Münsterhügel und errichteten dort im Kontext der Vorbereitungen der Augusteischen Alpenfeldzüge ein erstes Kastell, das sich vom keltischen Murus Gallicus in Höhe der Bäumleingasse bis etwa zum Anfang der Martinsgasse erstreckte. Im Zentrum, im Bereich des späteren Münsters, stand ein rund 33 m langer Holzbau, der als Mannschaftsbaracke oder Exerzierhalle interpretiert wird. Südlich des Lagers entstand ein Kastellvicus, die Zivilsiedlung des Kastells, in dem sich die Angehörigen des Trosses niederließen. Die Bebauung des Vicus entsprach der typischen Bauweise in den Nordwestprovinzen entsprechend aus Streifenhäusern, die im ersten Jahrhundert in Fachwerkbauweise, ab dem zweiten Jahrhundert auch aus Stein errichtet wurden. Nach dem Tod des Drusus (9 v. u. Z.) scheint das Militärlager aufgelassen worden zu sein, während das zivile Lagerdorf weiterhin Bestand hatte. Dies änderte sich erst wieder mit der defensiven Ausrichtung der römischen Germanenpolitik unter Tiberius und der damit verbundenen Einrichtung einer Kastellkette an Hoch- und Oberrhein. In diesem Zusammenhang wurde zwischen den Jahren 17 und 20 u. Z. ein neues Kastell errichtet. Sein südliches Ende entsprach dem des ersten Lagers, während seine nördliche Begrenzung durch einen Römischer Spitzgraben östlich des Rathauses nachgewiesen werden konnte. Der zentrale Holzbau wurde durch ein massives Steingebäude ersetzt, dessen Keller partiell noch heute unter dem Münster erhalten sind. Der Vicus erblühte wieder, worauf entsprechende Befunde und Funde verweisen. Im Bereich der Birsigmündung befand sich vermutlich eine Schiffsanlegestelle. Die Nekropole dieser Zeit lag südlich der Siedlung zwischen den heutigen Strassen Aeschenvorstadt und Elisabethenstrasse. Bedingt durch die rechtsrheinische Okkupationen durch die Römer ab der frühclaudischen Zeit verminderte sich zusehends die strategische Bedeutung der Befestigungsanlage. Ein Zerstörungshorizont im Vicus verweist vermutlich auf die Ereignisse des Vierkaiserjahres 69 u. Z. In der flavischen Zeit scheint der Münsterhügel vom Militär geräumt worden zu sein, wobei einige Bauwerke des Kastells aufgelassen wurden. Nach dem Abzug der Truppen entwickelte sich das Lagerdorf zu einem regulären Vicus, der sich auch nach Norden auf das Gebiet des vormaligen Kastells und nach Osten entlang der Straße nach Augusta Raurica ausdehnte, jedoch aufgrund seiner verkehrsgeographisch ungünstigen Lage abseits der römischen Fernstraßen keine größere Bedeutung erlangte.
Die zunehmenden Plünderungszüge der Alamannen ab der Mitte des dritten Jahrhunderts gab wieder Raum für strategische Erwägungen. Es wurde eine Wehrmauer errichtet, in der Spolien aus älteren Bauwerken vermauert wurden und die innenseitig mit einem Agger verstärkt war. Der genaue Erbauungszeitpunkt ist nicht bekannt, es wird jedoch vermutet, dass diese Massnahmen im Kontext der Bemühungen des Gallienus (254–268) stand, nach dem Alamanneneinfall des Jahres 254 eine Art Auffang-Limes zu errichten, worauf die hohe Anzahl von Prägungen des Gallienus unter den Fundmünzen hinweist. Der neuerliche Ausbau zu einem Kastell wurde dann vermutlich bereits unter Diokletian (284–305) geplant, aber erst unter Konstantin I. zum Abschluss gebracht. Die Erbauung erfolgte wohl durch Vexillationen der Legio I Martia, worauf die Funde von Ziegelstempeln mit der Inschrift LEG I MR verweisen. Es wurde von einer Mauer geschützt, deren Fundamente zwei Meter breit, und deren Aufgehendes vermutlich 1,20 m breit und zehn Meter hoch war. Bei dem spätrömischen Kastell handelte es sich wohl um einen Bautypus mit relativ großer freier Innenfläche und Bebauungsschwerpunkten an den Rändern, wie er sich heute noch am Münsterplatz widerspiegelt, wo sich spätantike Baubefunde fast ausschließlich unter der mittelalterlichen Randbebauung nachweisen lassen. So finden sich dort verschiedene, zum Teil hypokaustierte Gebäude, ein 18 m breites und 50 m langes, auf Pfeilern ruhendes und außen mit Stützpfeilern verstärktes Horreum (Getreidespeicher) am nördlichen Rand des Münsterplatzes unter dem Haus zur Mücke, massive Mauern innerhalb des Basler Münsters, die als Relikte der Principia (Stabsgebäude) und/oder des Praetoriums (Wohn- und Dienstgebäude des Kommandanten) angesprochen werden, sowie Spuren einer Thermenanlage am südlichen Ende des Münsterplatzes. Ein Sodbrunnen im Zentrum des Platzes diente wohl der Versorgung der spätrömischen Befestigung mit Trinkwasser, ein weiterer Brunnen wurde in der Rittergasse entdeckt. Innerhalb des Strassenzuges der heutigen Freiestrasse scheint die römische Strasse von Augusta Raurica nach Argentorate verlaufen zu sein, die im Bereich des Spiegelhofes beim Übergang über den Birsig eine Statio (Strassenstation) oder einen Zollposten passierte, worauf zahlreiche spätrömische Münzfunde dort hinweisen. Die spätantiken Bestattungsplätze fanden sich zwischen Aeschenvorstadt und Elisabethenstrasse, wie schon in frühkaiserlicher Zeit und zusätzlich im Bereich des Blumenrains.
Bereits im Jahr 374 war im Kontext des valentinianischen Festungsbauprogramms auf der rechtsrheinischen Seite ein Burgus prope Basiliam (deutsch: in der Nähe von Basel) errichtet worden, der mit Robur identisch ist. Die Mauern verfügten über eingefügte Balkenroste, im Inneren wurden ungestempelte Ziegel der eingestürzten Bedachung gefunden.
In der Notitia Galliarum des ausgehenden vierten / beginnenden fünften Jahrhunderts wird die Civitas Balinesium als Bestandteil der Provinz Maxima Sequanorum aufgeführt. Funde aus den oben erwähnten Gräberfeldern belegen eine beginnende Christianisierung und eine Siedlungskontinuität bis ins siebte Jahrhundert hinein. Gräberfelder am Gotterbarmweg und in Kleinhüningen zeigen für das beginnende fünfte Jahrhundert die rechtsrheinische Präsenz alamannischer Siedler, während die romanisierte Bevölkerung linksrheinisch im Bereich des Münsterhügels verblieb. Deutlich zurückgehendes Fundmaterial ab der zweiten Hälfte des Jahrhunderts sprechen dafür, das Lager und Zivilsiedlung um diese Zeit aufgelassen wurden, ohne dass es Zerstörungshorizonte gibt. Die im selben Zeitraum zwar erfolgende, aber quantitativ geringe Zunahme an fränkischen Funden, die sich auch im sechsten Jahrhundert nicht erhöht, sprechen zwar für zunehmende fränkische Einflüsse, aber gegen eine Siedlungskontinuität zum Mittelalter hin. Spuren baulicher Änderungen erscheinen erst Ende des siebten und im achten Jahrhundert in Form von Grubenhäusern.


Die museale Präsentation der römischen Vergangenheit Basels erfolgt in erster Linie im Historischen Museum Basel in der Barfüsserkirche. Thematisch verwandt ist das Antikenmuseum Basel, dessen Spektrum grundsätzlich weit über den lokalen Raum hinaus geht, jedoch anlässlich von Sonderausstellungen zuweilen Überschneidungen aufweist.
Denkmalpflege und Denkmalschutz unterliegen in der Schweiz den Kantonen. Die Archäologische Bodenforschung Basel-Stadt ist die kantonale Fachstelle und der Abteilung Kultur des Präsidialdepartements des Kantons Basel-Stadt angegliedert. Zu ihren Aufgaben gehört unter anderem die Bewahrung von Bodenarchiven. In verschiedenen Publikationsreihen informiert sie die Fachwelt und die interessierte Öffentlichkeit.
Die Archäologische Bodenforschung Basel-Stadt hat insgesamt 25 Archäologische Informationsstellen im Ortsbild eingerichtet, von denen drei epochenübergreifend sind und fünf sich auf die römische Zeit beziehen. Dies sind im Einzelnen:
Involviert in die Erforschung des römischen Basels ist auch der Fachbereich Ur- und Frühgeschichtliche und Provinzialrömische Archäologie der Universität Basel.