Bass Reeves

Bass Reeves (um 1910)

Bass Reeves (geboren im Juli 1838 in Crawford County (Arkansas); gestorben am 12. Januar 1910 in Muskogee (Oklahoma)) war ein US-amerikanischer Polizist. Er war der erste afroamerikanische Deputy U.S. Marshal westlich des Mississippi River. Er arbeitete meistens in Arkansas und im Oklahoma-Territorium. Während seiner langen Berufszeit verhaftete er mehr als 3000 gefährliche Verbrecher und erschoss 14 in Notwehr.

Frühes Leben

Reeves wurde 1838 als Sklave in Crawford County (Arkansas) geboren. Er wurde nach seinem Großvater Bass Washington benannt. Reeves und seine Familie wurden durch Arkansas Abgeordneten William Steele Reeves versklavt. Als Bass acht Jahre alt war (etwa 1846), zog William Reeves nach Grayson County (Texas) in die Nähe von Sherman (Texas) in die Peters Colony. Es erscheint plausibel, dass Reeves von William Steele Reeves’ Sohn als Sklave gehalten wurde, Colonel George R. Reeves, der ein Sheriff und Abgeordneter in Texas war und Speaker im Repräsentantenhaus von Texas bis zu seinem Tod durch Tollwut im Jahr 1882.

Als der Sezessionskrieg begann, trat George Reeves, der Sklavenhalter von Bass, der Armee der Konföderierte Staaten von Amerika bei und nahm Bass mit. Es bleibt unklar, wie und wann genau Bass Reeves seinen Sklavenhalter verließ, aber zu einem gewissen Zeitpunkt während des Krieges erlangte er seine Freiheit. Ein Bericht erzählt davon, dass Bass Reeves und George Reeves einen Streit über ein Kartenspiel hatten. Bass schlug seinen Sklavenhalter und floh in ein Indianerreservat, wo er mit den Cherokee, Creeks und Seminolen lebte. Dort blieb er und lernte die Sprachen der Ureinwohner, bis er durch den 13. Zusatzartikel zur Verfassung der Vereinigten Staaten, mit dem die Sklaverei abgeschafft wurde, befreit wurde.

Als Freigelassener zog er nach Arkansas und betrieb in der Nähe von Van Buren (Arkansas) Landwirtschaft.

Berufliche Laufbahn

Bass Reeves (1907)

Reeves und seine Familie blieben Bauern bis 1875, als Isaac Parker zum Bundesrichter für das Indianerreservat berufen wurde. Parker ernannte James F. Fagan zum U.S. Marshal und wies ihn an, 200 Deputy Marshals einzustellen. Fagan hatte von Reeves, der die Indianerreservate und die Sprachen der Ureinwohner kannte, gehört und stellte ihn als Deputy US Marshal ein. Reeves wurde dem Deputy US Marshal für den westlichen Gerichtsbezirk von Arkansas zugeteilt, in dessen Zuständigkeitsbereich auch die Indianerreservate lagen. Dort leistete er bis 1893 Dienst. In diesem Jahr wurde er für eine kurze Dauer zum östlichen Gerichtsbezirk von Texas in Paris (Texas) versetzt. 1897 wurde er wieder versetzt, diesmal zum Muskogee Federal Court im Indianerreservat.

Reeves arbeitete 32 Jahre lang als Federal Peace Officer (Bundesfriedensbeamter) im Indianerreservat und wurde zu einem der am meisten geschätzten Deputys von Richter Parker. Reeves verhaftete einige der gefährlichsten Verbrecher seiner Zeit. Er wurde nie verwundet, nur sein Gürtel und sein Hut wurden ihm bei verschiedenen Gelegenheiten abgeschossen.

Er war ein guter Schütze mit dem Gewehr und dem Revolver und entwickelte während seiner langen Karriere herausragende detektivische Fähigkeiten. Bis er 1907 in den Ruhestand ging, hatte er über 3000 Verbrecher verhaftet. Er tötete 14 Verbrecher aus Notwehr. Reeves musste auch seinen eigenen Sohn Benjamin als Mörder verhaften. Benjamin „Bennie“ Reeves wurde angeklagt, seine Ehefrau getötet zu haben. Bass Reeves war von dem Vorfall erschüttert, kam jedoch seiner Amtspflicht nach, Bennie vor den Richter zu bringen. Bennie saß seine Haftstrafe 11 Jahre lang in Fort Leavenworth in Kansas ab, bis seine Strafe umgewandelt wurde. Berichten zufolge verbrachte Bennie den Rest seines Lebens als Musterbürger.

Als Oklahoma 1907 zum Bundesstaat wurde, war Bass Reeves im Alter von 68 Jahren Polizist bei der Polizei von Muskogee. Er leistete dort zwei Jahre lang Dienst, bis er erkrankte.

Hohes Alter und Tod

Reeves wurde selbst einmal wegen Mordes an dem Koch einer sogenannten Posse Comitatus angeklagt, einer Art Bürgermiliz, die zur Verbrechensbekämpfung oder Verteidigung eines Countys vom örtlichen Gesetzeshüter einberufen werden konnte. Vor seinem Richter Parker berichtete Reeves, dass er aus Versehen geschossen hatte, während er seine Waffe reinigte. Er wurde vor Gericht durch den Anwalt W. H. H. Clayton, der sein Freund und Kollege war, vertreten. Ihm wurde geglaubt, und er wurde freigesprochen – möglicherweise auf der Grundlage seiner Vorgeschichte.

Nachdem er in den Ruhestand getreten war, verschlechterte sich sein Gesundheitszustand. Reeves starb am 12. Januar 1910 an einer Nierenentzündung.

Familie und Nachfahren

Bass Reeves war zweimal verheiratet und zeugte elf Kinder. Im Jahr 1864 ehelichte er Nellie Jennie († 1896) und nach ihrem Ableben Winnie Sumter (1900–1910). Seine Kinder hießen Newland, Benjamin, George, Lula, Robert, Sally, Edgar, Bass Jr., Harriet, Homer und Alice.

Reeves ist der Großonkel von Paul L. Brady, der 1972 als erster Afroamerikaner zum Federal Administrative Law Judge ernannt wurde. Sein Urururenkel ist der Eishockeyspieler Ryan Reaves.

Rezeption

Dokumentarfilm

Fernsehen

Film

Theater

Spiele

Hall of Fame

1992 wurde Bass Reeves in die Hall of Great Westerners des National Cowboy & Western Heritage Museums aufgenommen.

Literatur

Commons: Bass Reeves – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. 1 2 3 Art T. Burton: Black Gun, Silver Star: The Life and Legend of Frontier Marshal Bass Reeves. U of Nebraska Press, Lincoln, Nebraska 2008, ISBN 978-0-8032-0541-3, S. 19–20 (englisch).
  2. 1 2 3 4 5 6 7 Art T. Burton: The Legacy of Bass Reeves: Deputy United States Marshal. In: The Crisis. 106. Jahrgang, Nr. 3, 1999, ISSN 0011-1422, S. 38–42 (englisch).
  3. 1 2 3 Art T. Burton: Black Gun, Silver Star: The Life and Legend of Frontier Marshal Bass Reeves. U of Nebraska Press, Lincoln, Nebraska 2008, ISBN 978-0-8032-0541-3, S. 21–23 (englisch).
  4. ↑ Bass Reeves - Black Hero Marshal. In: Legendsofamerica.com. Abgerufen am 9. Juni 2016 (englisch).
  5. 1 2 3 4 5 Bass Reeves, the Most Feared U.S. Deputy Marshal. The Norman Transcript, 3. Mai 2007, archiviert vom Original am 7. September 2012; abgerufen am 31. August 2016 (englisch).
  6. 1 2 United States Census, 1870. In: FamilySearch.org. p. 10, family 75, NARA microfilm publication M593 (Washington D.C.: National Archives and Records Administration, n.d.); FHL microfilm 545,550, abgerufen am 1. April 2016 (englisch): „Bass Reeves, Arkansas, United States“
  7. 1 2 United States Census, 1880. In: FamilySearch.org. enumeration district ED 50, sheet 582A, NARA microfilm publication T9 (Washington D.C.: National Archives and Records Administration, n.d.), roll 0042; FHL microfilm 1,254,042, abgerufen am 1. April 2016 (englisch): „Bass Reeves, Van Buren, Crawford, Arkansas, United States“
  8. 1 2 United States Census, 1900. In: FamilySearch.org. citing sheet 20B, family 468, NARA microfilm publication T623 (Washington, D.C.: National Archives and Records Administration, n.d.); FHL microfilm 1,241,853, abgerufen am 1. April 2016 (englisch): „Bass Reeves, Muscogee (part of M K & T Railway) Muscogee, Creek Nation, Natives Territory, United States“
  9. 1 2 Deputy U.S. Marshal Bass Reeves. In: U.S. Marshals Museum. U.S. Marshals Museum, Inc., archiviert vom Original am 2. März 2014; abgerufen am 27. August 2013 (englisch).
  10. ↑ Arthur T. Burton: Black Gun, Silver Star: The Life and Legend of Frontier Marshal Bass Reeves. University of Nebraska Press, Lincoln 2006, ISBN 978-0-8032-1338-8, S. 139–148 (englisch, archive.org).
  11. ↑ Judge Paul L. Brady Retires from Job Safety Commission. United States Occupational Safety and Health Review Committee, 15. April 1997, archiviert vom Original (nicht mehr online verfügbar) am 15. Februar 2013.
  12. ↑ Josh Gold-Smith: Reaves putting Kane feud aside, joining him for 'much bigger cause'. In: theScore.com. (englisch).
  13. ↑ Thad Morgan: Was the Real Lone Ranger a Black Man? In: History. 31. August 2018, abgerufen am 27. November 2019 (englisch).
  14. ↑ Dylan Goforth: Bridge to be renamed in tribute to famed lawman In: Muskogee Phoenix, 11. November 1977. Abgerufen am 6. August 2013 (englisch). 
  15. ↑ „Statue of U.S. marshal to travel from Oklahoma to Arkansas Wednesday“, Associated Press in The Oklahoman, May 16, 2012 (pay site).
  16. ↑ Bass Reeves. In: Western Heritage from the Texas Trail of Fame. www.texastrailoffame.org, 26. Dezember 2013, abgerufen am 14. April 2018 (englisch).
  17. ↑ Black Far West - Nicht alle Cowboys waren weiß. Internet Movie Database, abgerufen am 16. Oktober 2022.
  18. ↑ Black Far West - Nicht alle Cowboys waren weiß bei Fernsehserien.de, abgerufen am 16. Oktober 2022.
  19. ↑ IMDB Eintrag Gunslingers, „Bass Reeves - The Real Lone Ranger“ abgerufen am 8. November 2020
  20. ↑ How It's Made: Resin Figurines. In: science.discovery.com. Science Channel, archiviert vom Original am 22. September 2013; abgerufen am 19. Juni 2014 (englisch).
  21. ↑ The Murder of Jesse James Eintrag in der IMDB
  22. ↑ IMDB Eintrag Drunk History, Oklahoma abgerufen am 8. November 2020
  23. ↑ IMDB Eintrag Wynonna Earp, Everybody Knows abgerufen am 8. November 2020
  24. ↑ IMDB Eintrag Greenleaf, The Royal Family abgerufen am 8. November 2020
  25. ↑ IMDB Eintrag Justified, Cut Tiles abgerufen am 8. November 2020
  26. ↑ In 80 Tagen um die Welt (2021). Abgerufen am 23. Dezember 2021.
  27. ↑ 1883: The Bass Reeves Story. In: IMDb. (englisch).
  28. ↑ Lucy Mangan: Lawmen: Bass Reeves review – this utterly distinctive western is a rare treat, The Guardian, 5. November 2023 (englisch). 
  29. ↑ Bass Reeves auf IMDb
  30. ↑ They Die by Dawn auf IMDb.
  31. ↑ Hell On The Border auf IMDb.
  32. ↑ Amanda N’Duka: Amazon Studios Lands Biopic on Bass Reeves, First Black U.S. Deputy Marshal, From 'The Rider' Helmer Chloé Zhao. In: Deadline.com. 20. April 2018, abgerufen am 12. Mai 2018.
  33. ↑ Faction Lawmen - All Unit Cards. (PDF) In: Wild West Exodus. Archiviert vom Original (nicht mehr online verfügbar) am 16. August 2022; abgerufen am 14. April 2022 (amerikanisches Englisch).  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.
  34. ↑ Western Legends. Abgerufen am 14. April 2022 (amerikanisches Englisch).
  35. ↑ Cartaventura: Oklahoma. Abgerufen am 14. April 2022 (amerikanisches Englisch).
  36. ↑ Hall of Great Westerners. In: National Cowboy & Western Heritage Museum. Abgerufen am 22. November 2019 (englisch).
  37. ↑ Book Page: Nebraska Press. In: www.nebraskapress.unl.edu. (englisch).
  38. ↑ The Legend of Bass Reeves. In: Kirkus Reviews. 2006 (englisch).
  39. ↑ Alex Jakubowski im Gespräch mit Liane von Billerbeck: „Lucky Luke: Fackeln im Baumwollfeld“ – Gemeinsam gegen den Ku-Klux-Klan im Deutschlandfunk Kultur vom 29. Oktober 2020.
  40. ↑ Alex Jakubowski: Neuer „Lucky-Luke“-Band – Mit dem Cowboy gegen Rassismus. In: tagesschau.de. 29. Oktober 2020, archiviert vom Original (nicht mehr online verfügbar) am 29. Oktober 2020; abgerufen am 29. Oktober 2020.
Personendaten
NAME Reeves, Bass
KURZBESCHREIBUNG US-amerikanischer Polizist
GEBURTSDATUM Juli 1838
GEBURTSORT Crawford County (Arkansas), Vereinigte Staaten
STERBEDATUM 12. Januar 1910
STERBEORT Muskogee (Oklahoma), Vereinigte Staaten