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Staatsoberhäupter · Wahlen · Nekrolog · Kunstjahr · Literaturjahr · Musikjahr · Filmjahr · Sportjahr
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1910 | |
|---|---|
wird in Portugal die Erste Republik proklamiert. | |
gegen Präsident Porfirio Díaz aus. |
wird König von Großbritannien und Kaiser von Indien. |
| 1910 in anderen Kalendern | |
| Armenischer Kalender | 1358/59 (Jahreswechsel Juli) |
| Äthiopischer Kalender | 1902/03 (Jahreswechsel 10./11. September) |
| Baha'i-Kalender | 66/67 (Jahreswechsel 20./21. März) |
| Bengalischer Solarkalender | 1315/16 (Jahresbeginn 14. oder 15. April) |
| Buddhistische Zeitrechnung | 2453/54 (südlicher Buddhismus); 2452/53 (Alternativberechnung nach Buddhas Parinirvana) |
| Chinesischer Kalender | 76. (77.) Zyklus
Jahr des Metall-Hundes 庚戌 (seit 10. Februar, davor Erde-Hahn 己酉) |
| Chula Sakarat (Siam, Myanmar) / Dai-Kalender (Vietnam) | 1272/73 (Jahreswechsel April) |
| Dangun-Ära (Korea) | 4243/44 (2./3. Oktober) |
| Iranischer Kalender | 1288/89 (um den 21. März) |
| Islamischer Kalender | 1327/28 (12./13. Januar) |
| Japanischer Kalender | Meiji 43 (明治43年); Kōki 2570 |
| Jüdischer Kalender | 5670/71 (3./4. Oktober) |
| Koptischer Kalender | 1626/27 (10./11. September) |
| Malayalam-Kalender | 1085/86 |
| Rumi-Kalender (Osmanisches Reich) | 1325/26 (1. März) |
| Seleukidische Ära | Babylon: 2220/21 (Jahreswechsel April)
Syrien: 2221/22 (Jahreswechsel Oktober) |
| Suriyakati-Kalender (Thai-Solar-Kalender) | 2452/53 (1. April) |
| Vikram Sambat (Nepalesischer Kalender) | 1966/67 (Jahreswechsel April) |
Das herausragende Ereignis des Jahres 1910 ist der Sturz der Monarchie in Portugal. Der letzte König Manuel II. muss das Land verlassen. Der neu gegründeten Ersten Republik gelingt es jedoch in den nächsten Jahren nicht, Stabilität zu erlangen.
Auch in Mexiko bricht unter der Führung von Francisco Madero eine Revolution gegen den Langzeitpräsidenten Porfirio Díaz aus und in mehreren Kolonien Afrikas, Asiens und Ozeaniens gibt es Aufstände gegen die Kolonialherren aus Europa.

Selbst das sonst sehr stabile Großbritannien erlebt unruhige Zeiten: Wegen des Sozialprogramms der liberalen Regierung unter Premierminister Herbert Henry Asquith und Finanzminister David Lloyd George kommt es zu einem Machtkampf zwischen den beiden Häusern des Parlaments, König Edward VII. stirbt und wird von seinem Sohn George V. beerbt, Suffragetten fordern immer vehementer das Frauenwahlrecht ein und im November kommt es zum Tonypandy-Aufstand von Bergarbeitern in Wales.
Mit einem Telegramm von Roald Amundsen an Robert Falcon Scott beginnt der „Wettlauf zum Südpol“ zwischen der britischen Terra-Nova-Expedition unter Scotts Führung und der norwegischen Fram-Expedition unter der Leitung von Amundsen. Und auch eine japanische Expedition unter der Leitung von Shirase Nobu bricht während dieses „Goldenen Zeitalters der Antarktis-Forschung“ in antarktische Gewässer auf.
Kulturelle Höhepunkte des Jahres sind die Uraufführung einer späten Oper von Jules Massenet, Don Quichotte, in Monte Carlo nach dem gleichnamigen Roman von Miguel de Cervantes und Igor Strawinskys erster Erfolg, das Ballett Der Feuervogel, aufgeführt von Sergei Pawlowitsch Djagilews Ballets Russes in Paris.



Zwei Jahre nach der Ermordung seines Vaters Karl I. und seines Bruders Ludwig Philipp ist es dem jungen König Manuel II. aus dem Haus Sachsen-Coburg-Gotha trotz seiner Politik der Beruhigung, im Zuge derer die meisten autoritären Maßnahmen seines Vorgängers zurückgenommen worden sind, nicht gelungen, die unbeliebte Monarchie in Portugal zu stabilisieren. Regierungen wechseln einander in rascher Folge ab. Der erst am 22. Dezember des Vorjahres vereidigte Ministerpräsident Francisco António da Veiga Beirão stürzt bereits am 26. Juni über einen Skandal bei der Bank Credito Predial, in den mehrere Mitglieder seiner Regierung verwickelt sind. Nachfolger wird der bisherige Innenminister António Teixeira de Sousa.

Bei den Parlamentswahlen am 28. August erringt der republikanische Partido Republicano Português (PRP), der seit Anfang des Jahres für eine Abschaffung der Monarchie auch mit Waffengewalt eintritt, einen historischen Erfolg. Unter anderem werden Teófilo Braga und Miguel Bombarda in die Cortes gewählt.
Bombarda, Psychiater und Vordenker der republikanischen Bewegung, wird am 3. Oktober von einem psychisch kranken ehemaligen Patienten ermordet. Die Gewalttat hat vermutlich keinen politischen Hintergrund, trotzdem führt sie in der gleichen Nacht zu Aufständen gegen König Manuel II. und die portugiesische Monarchie.
Zwei Tage später wird die erste Portugiesische Republik proklamiert. König Manuel II., der bereits am Vortag vom Militär zur Flucht aus Lissabon gezwungen worden ist, verlässt das Land und erreicht am 17. Oktober sein Exil in England. Teófilo Braga wird erster Präsident einer provisorischen Regierung des Landes. Der bekannte Schriftsteller und Intellektuelle versucht, eine überparteiliche Regierung zu bilden.
Die neue Regierung ist strikt antiklerikal und laizistisch und beginnt mit einer radikalen Trennung von Staat und Kirche. Sämtliche Jesuitenkloster werden aufgelöst, die Gefängnisse in Lissabon füllen sich mit katholischen Priestern und Ordensbrüdern. Der Religionsunterricht wird verboten, ebenso alle religiösen Bezüge bei Staatsakten, die Adelstitel werden aufgehoben. Der apostolische Nuntius verlässt unter Protest Lissabon. Das Tragen religiöser Habits in der Öffentlichkeit wird verboten, die Zivilehe und die Ehescheidung eingeführt. Die Republik ist trotz der anfänglichen Euphorie in den folgenden Jahren aber von einem großen Maß an politischer Instabilität gekennzeichnet.







Von Mai bis November findet in der argentinischen Hauptstadt Buenos Aires die Exposición Internacional del Centenario statt. Der Zeitpunkt der Ausstellung soll an die Mai-Revolution von 1810 erinnern. Die Ausstellung hat zum Thema die Bereiche Landwirtschaft und Viehzucht, Industrie, Eisenbahn und Überlandtransport, Hygiene und die Schönen Künste. Unter anderem wird auch das Gelände der seit 1886 stattfindenden Landwirtschaftsausstellung La Rural genutzt. Außerdem gibt es zahlreiche Pavillons für die einzelnen argentinischen Provinzen. Zu den ausstellenden Ländern gehören Deutschland, England, Italien, Österreich-Ungarn, Paraguay, Schweiz und Spanien. Entsprechend dem Zeitgeist spielt der Jugendstil eine große Rolle bei der Gestaltung der Ausstellungsgebäude. Eine Reihe junger italienischer Architekten bleiben nach dem Ende der Exposicíon in Buenos Aires. Die von ihnen erbauten Gebäude sind zum Teil immer noch bedeutend für das dortige Stadtbild. Anlässlich der Ausstellung wird am 25. Mai die Transandenbahn zwischen den Städten Los Andes in Chile und Mendoza in Argentinien nach mehr als zwanzigjähriger Bauzeit offiziell eröffnet.





Während des sogenannten „Goldenen Zeitalters der Antarktis-Forschung“ kehrt die Fünfte Französische Antarktis-Expedition mit dem Schiff Pourquoi-Pas ? IV unter der Leitung von Jean-Baptiste Charcot nach Hause zurück, die seit 1908 in der Antarktis unterwegs war und dabei die Bellingshausen-See und die Amundsen-See erforscht und unter anderem die Marguerite Bay und die Charcot-Insel entdeckt hat.
Etwa zur gleichen Zeit verlässt das Schiff Kainan Maru unter dem Befehl von Shirase Nobu am 1. Dezember den Hafen von Tokio in Richtung Antarktis. Damit beginnt die Japanische Antarktisforschung. Die Expedition dauert bis zum 20. Juni 1912.

Knud Rasmussen und Peter Freuchen gründen in Uummannaq nahe Kap York in Nordwestgrönland den Handelsposten Thule. Sie wollen den in der Region lebenden Polareskimos damit nach dem Ende der zwei Jahrzehnte währenden regelmäßigen Präsenz Robert Pearys die Fortsetzung ihres Handels mit Fellen zu fairen Konditionen ermöglichen. Gleichzeitig will Rasmussen die Station als Ausgangsbasis für Expeditionen ethnographischer und geographischer Natur nutzen, zu deren Finanzierung der erwirtschaftete Gewinn herangezogen werden soll.

| Nr. und Name | Durchmesser (km) |
Datum der Entdeckung | Entdecker |
|---|---|---|---|
| (696) Leonora | 75,8 | 10. Januar | Joel Hastings Metcalf |
| (697) Galilea | 80,1 | 14. Februar | Joseph Helffrich |
| (698) Ernestina | 27,0 | 5. März | Joseph Helffrich |
| (699) Hela | ? | 5. Juni | Joseph Helffrich |
| (700) Auravictrix | 15,4 | 5. Juni | Joseph Helffrich |
| (701) Oriola | 40,2 | 12. Juli | Joseph Helffrich |
| (702) Alauda | 194,7 | 16. Juli | Joseph Helffrich |
| (703) Noëmi | ? | 3. Oktober | Johann Palisa |
| (704) Interamnia | 316,6 | 2. Oktober | Vincenzo Cerulli |
| (705) Erminia | 134,2 | 6. Oktober | Emil Ernst |
| (706) Hirundo | 29,2 | 9. Oktober | Joseph Helffrich |
| (707) Steina | ? | 22. Dezember | Gustav Witt |



















Kleinere Unglücksfälle sind in den Unterartikeln von Katastrophe und in der Liste von Katastrophen aufgeführt.
Einträge von Leichtathletik-Weltrekorden siehe unter der jeweiligen Disziplin unter Leichtathletik.
| Preis | Person | Land | Begründung für die Preisvergabe | Bild |
|---|---|---|---|---|
| Nobelpreis für Physik | Johannes Diderik van der Waals (1837–1923) |
„für seine Arbeiten über die Zustandsgleichung der Gase und Flüssigkeiten“ (Van-der-Waals-Gleichung) | ||
| Nobelpreis für Chemie | Otto Wallach (1847–1931) |
„als Anerkennung des Verdienstes, den er sich um die Entwicklung der organischen Chemie und der chemischen Industrie durch seine bahnbrechenden Arbeiten auf dem Gebiet der alicyclischen Verbindungen erworben hat“ | ||
| Nobelpreis für Physiologie oder Medizin | Albrecht Kossel (1853–1927) |
„in Anerkennung des Beitrages, den seine Arbeiten über Eiweißstoffe einschließlich der Nukleine für unsere Kenntnis der Chemie der Zelle geleistet haben“ (Anmerk.: die DNS war damals noch unbekannt – die Substanzen des Zellkerns wurden als Nukleine bezeichnet) | ||
| Nobelpreis für Literatur | Paul Heyse (1830–1914) |
„als Huldigungsbeweis für das vollendete und von idealer Auffassung geprägte Künstlertum, das er während einer langen und bedeutenden Wirksamkeit als Lyriker, Dramatiker, Romanschriftsteller und Dichter von weltberühmten Novellen an den Tag gelegt hat“ | ||
| Friedensnobelpreis | Bureau International Permanent de la Paix (Bern) (gegr. 1891) | (Ständiges Internationales Friedensbüro) |
| Kernstädte | |||||
|---|---|---|---|---|---|
| Rang | Name | Region | Einwohner | Stand | |
| 1. | London | Vereinigtes Königreich | 7.160.441 | 1911 | |
| 2. | New York City | Vereinigte Staaten | 4.766.883 | 1910 | |
| 3. | Paris | Frankreich | 2.888.110 | 1911 | |
| 4. | Chicago | Vereinigte Staaten | 2.185.283 | 1910 | |
| 5. | Wien | Österreich-Ungarn | 2.083.630 | 1910 | |
| 6. | Berlin | Deutsches Kaiserreich | 2.071.257 | 1910 | |
| 7. | Tokio | Japanisches Reich | 2.050.100 | 1914 | |
| 8. | Sankt Petersburg | Russisches Kaiserreich | 1.962.000 | 1910 | |
| 9. | Moskau | Russisches Kaiserreich | 1.617.157 | 1912 | |
| 10. | Buenos Aires | Argentinien | 1.582.884 | 1914 | |
| 11. | Philadelphia | Vereinigte Staaten | 1.549.008 | 1910 | |
| 12. | Bombay | Britisch-Indien | 1.018.388 | 1911 | |
| 13. | Hamburg | Deutsches Kaiserreich | 931.035 | 1910 | |
| 14. | Istanbul/Konstantinopel | Osmanisches Reich | 909.978 | 1914 | |
| 15. | Budapest | Österreich-Ungarn | 880.371 | 1910 | |
| 16. | Shanghai | Kaiserreich China | 832.500 | 1910 | |




























