1914

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Staatsoberhäupter · Wahlen · Nekrolog · Kunstjahr · Literaturjahr · Musikjahr · Filmjahr · Sportjahr

Kalenderübersicht 1914
Januar
Kw Mo Di Mi Do Fr Sa So
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Februar
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5 1
6 2 3 4 5 6 7 8
7 9 10 11 12 13 14 15
8 16 17 18 19 20 21 22
9 23 24 25 26 27 28
März
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9 1
10 2 3 4 5 6 7 8
11 9 10 11 12 13 14 15
12 16 17 18 19 20 21 22
13 23 24 25 26 27 28 29
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April
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14 1 2 3 4 5
15 6 7 8 9 10 11 12
16 13 14 15 16 17 18 19
17 20 21 22 23 24 25 26
18 27 28 29 30
Mai
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18 1 2 3
19 4 5 6 7 8 9 10
20 11 12 13 14 15 16 17
21 18 19 20 21 22 23 24
22 25 26 27 28 29 30 31
Juni
Kw Mo Di Mi Do Fr Sa So
23 1 2 3 4 5 6 7
24 8 9 10 11 12 13 14
25 15 16 17 18 19 20 21
26 22 23 24 25 26 27 28
27 29 30
Juli
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27 1 2 3 4 5
28 6 7 8 9 10 11 12
29 13 14 15 16 17 18 19
30 20 21 22 23 24 25 26
31 27 28 29 30 31
August
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31 1 2
32 3 4 5 6 7 8 9
33 10 11 12 13 14 15 16
34 17 18 19 20 21 22 23
35 24 25 26 27 28 29 30
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September
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36 1 2 3 4 5 6
37 7 8 9 10 11 12 13
38 14 15 16 17 18 19 20
39 21 22 23 24 25 26 27
40 28 29 30
Oktober
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40 1 2 3 4
41 5 6 7 8 9 10 11
42 12 13 14 15 16 17 18
43 19 20 21 22 23 24 25
44 26 27 28 29 30 31
November
Kw Mo Di Mi Do Fr Sa So
44 1
45 2 3 4 5 6 7 8
46 9 10 11 12 13 14 15
47 16 17 18 19 20 21 22
48 23 24 25 26 27 28 29
49 30
Dezember
Kw Mo Di Mi Do Fr Sa So
49 1 2 3 4 5 6
50 7 8 9 10 11 12 13
51 14 15 16 17 18 19 20
52 21 22 23 24 25 26 27
53 28 29 30 31
Attentat von Sarajevo, zeitgenössische, nachempfundene Darstellung
1914
Gavrilo Princip wird nach dem Attentat in Sarajewo von der Polizei verhaftet.
Gavrilo Princip wird nach dem Attentat in Sarajewo von der Polizei verhaftet.
Das Attentat von Sarajevo auf Erzherzog Franz Ferdinand und seine Gemahlin Sophie löst die Julikrise aus.
Deutsche Mobilmachung am 2. August
Deutsche Mobilmachung am 2. August
Europaweit erfolgt die Mobilmachung der Streitkräfte.
Der Auszug deutscher Soldaten aus ihrer Garnisonsstadt Der Erste Weltkrieg
beginnt unter großer
Kriegsbegeisterung.

Russische Gefangene nach der Schlacht bei Tannenberg Das Deutsche Reich
besiegt Russland in der
Schlacht bei Tannenberg.

1914 in anderen Kalendern
Armenischer Kalender 1362/63 (Jahreswechsel Juli)
Äthiopischer Kalender 1906/07 (10./11. September)
Baha'i-Kalender 70/71 (20./21. März)
Bengalischer Solarkalender 1319/20 (Jahresbeginn 14. oder 15. April)
Buddhistische Zeitrechnung 2457/58 (südlicher Buddhismus); 2456/57 (Alternativberechnung nach Buddhas Parinirvana)
Chinesischer Kalender 76. (77.) Zyklus

Jahr des Holz-Tigers 甲寅 (seit 26. Januar, davor Wasser-Büffel 癸丑)

Chuch’e-Ideologie (Nordkorea) Chuch’e 3
Chula Sakarat (Siam, Myanmar) / Dai-Kalender (Vietnam) 1276/77 (Jahreswechsel April)
Dangun-Ära (Korea) 4247/48 (2./3. Oktober)
Iranischer Kalender 1292/93 (um den 21. März)
Islamischer Kalender 1332/33 (18./19. November)
Japanischer Kalender Taishō 3 (大正元年);
Kōki 2574
Jüdischer Kalender 5674/75 (20./21. September)
Koptischer Kalender 1630/31 (10./11. September)
Malayalam-Kalender 1089/90
Minguo-Kalender (China) Jahr 3 der Republik
Rumi-Kalender (Osmanisches Reich) 1329/30 (1. März)
Seleukidische Ära Babylon: 2224/25 (Jahreswechsel April)

Syrien: 2225/26 (Jahreswechsel Oktober)

Suriyakati-Kalender (Thai-Solar-Kalender) 2456/57 (1. April)
Tibetischer Kalender 1660
Vikram Sambat (Nepalesischer Kalender) 1970/71 (April)

Das Jahr 1914 stellt in mehrfacher Hinsicht eine historische Zäsur dar. Das Attentat von Sarajevo, bei dem serbische Nationalisten den österreichisch-ungarischen Thronfolger Erzherzog Franz Ferdinand und seine Gemahlin Sophie ermorden, löst die Julikrise aus, und mit dem daraus resultierenden Ersten Weltkrieg schlittert die Menschheit in die „Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts“. Damit endet unter anderem die Belle Époque und die von manchen als „Langes 19. Jahrhundert“ bezeichnete Ära der Emanzipation des Bürgertums und das Zeitalter des Imperialismus.

Der Krieg, der sich aufgrund einer Mischung aus Großmachtphantasien und vielfachen politischen Fehleinschätzungen von einem regionalen Konflikt auf dem Balkan rasch auf die meisten Länder Europas – und deren Kolonien – ausweitet, wird anfangs mit überwiegender Begeisterung und Patriotismus aufgenommen, während kritische Stimmen, unter ihnen der neu gewählte Papst Benedikt XV., kaum zu hören sind. Doch der allseits vorherrschende Optimismus, die Kampfhandlungen noch im selben Jahr siegreich beenden zu können, stellt sich bald als Illusion heraus. Und während sich langsam ein langwieriger Stellungs- und Grabenkrieg entwickelt, blitzt mit dem Weihnachtsfrieden ein letztes Mal so etwas wie Menschlichkeit an der Westfront auf.

Ereignisse

Politik und Weltgeschehen

Julikrise und Erster Weltkrieg

Das Attentat von Sarajevo und die Julikrise
Gavrilo Princip
Alexander Hoyos
Die Attentäter im Gerichtssaal
  • 12. Oktober bis 23. Oktober: In Sarajewo findet die Gerichtsverhandlung gegen 25 Beteiligte am Attentat von Sarajevo wegen Hochverrats und Meuchelmordes statt. Alle Beteiligten bestreiten eine Verbindung zum offiziellen Serbien. Drei von ihnen werden im Verfahren zum Tod durch den Strang verurteilt, die meisten sind jedoch zu jung für ein Todesurteil.
Kriegsbeginn und Augusterlebnis
Die offizielle Bündnissituation in Europa während der Julikrise
Berliner Bevölkerung mit Extrablatt, August 1914
  • 1. August: Gleichzeitig mit der Kriegserklärung des Deutschen Reiches an Russland erfolgt die Mobilmachung des Reichsheeres, Frankreich mobilisiert ebenfalls seine Armee. In weiten Teilen der deutschen Bevölkerung kommt es zu großer Kriegsbegeisterung, dem sogenannten „Augusterlebnis“.
  • 2. August: Das Deutsche Reich richtet ein Ultimatum an Belgien, mit dem man freien Durchmarsch durch Belgien fordert, andererseits das Land als Feind betrachtet werde. Deutschland verstößt damit gegen das Londoner Protokoll aus dem Jahr 1839, das die belgische Neutralität garantiert.
  • 3. August: Das Deutsche Reich erklärt Frankreich den Krieg. König Albert von Belgien weist das deutsche Ultimatum vom Vortag ab. Der britische Außenminister Edward Grey erklärt die Verletzung der Neutralität Belgiens als unvereinbar mit den Interessen Großbritanniens.
US-Propagandaplakat 1918
  • 4. August: Deutsche Truppen rücken im Ersten Weltkrieg völkerrechtswidrig in das neutrale Belgien ein, was Großbritannien zu einem Ultimatum mit Kriegsandrohung gegenüber Deutschland veranlasst. Der deutsche Kanzler Bethmann Hollweg bedauert gegenüber dem britischen Botschafter, dass Großbritannien wegen eines „Fetzen Papiers“ (gemeint ist die belgische Neutralitätserklärung) bereit sei, gegen Deutschland in den Krieg zu ziehen. Belgien übermittelt eine Kriegserklärung an das Deutsche Reich. Der sogenannte „Rape of Belgium“ wird in der Folge zum Propagandabegriff der Alliierten.
Ein Künstlerflugblatt Max Liebermanns aus dem August 1914 zeigt die Volksmenge vor einem Balkon des Schlosses und zitiert Wilhelms Worte vom 4. August: „Ich kenne keine Parteien mehr, ich kenne nur noch Deutsche“
Die „Heimatfront“
Der Krieg in Europa
Der Einmarsch in Belgien und die Westfront
Schützenlinie belgischer Infanterie bei Herstal, nordöstlich von Lüttich
Die zerstörte Bibliothek
Zerstörte Häuser in Dinant
Sitz des Militärgouvernements in Brüssel
Karte der Schlacht an der Marne
Langemarck im Oktober 1914
  • 20. Oktober bis 18. November: In der Ersten Flandernschlacht kommen auf jeder Seite der Front rund 100.000 Soldaten ums Leben. Das Ziel der Deutschen, die britischen Einheiten von ihren Nachschublinien abzuschneiden, kann nicht erreicht werden. Bei den deutschen Einheiten kommt es in dieser Schlacht zu eklatanten materiellen Engpässen.
  • 11. November: Ein kleines Gefecht im Rahmen der Flandernschlacht in der Nähe der Ortschaft Langemarck begründet später den deutschen Mythos von Langemarck.
Deutsche und britische Truppen während des Weihnachtsfriedens
Die Fronten des Habsburgerreiches
Österreich-ungarische Truppen bei einer Rast während eines laufenden Vorstoßes
Russische Artillerie in der Schlacht von Lemberg
    • 3. bis 11. September: Nach einer Reihe von Niederlagen gegen die kaiserlich-russische Armee bricht nach der Schlacht von Rawa Ruska Österreich-Ungarns Front in Galizien zusammen. Die Schlacht von Lemberg zwischen den Truppen Russlands unter dem Kommando von Nikolai Russki und Österreich-Ungarns geht mit einer Niederlage für die Habsburgermonarchie zu Ende, von der sie sich nicht mehr erholt.
  • 4. September: In Österreich-Ungarn werden erste ruthenische (ukrainische) Bewohner aus Galizien, denen Sympathien zum Kriegsgegner Russland unterstellt werden, in ein eigens eingerichtetes Internierungslager bei Graz deportiert.
  • 6. September bis 4. Oktober: Die Schlacht an der Drina zwischen den angreifenden österreichisch-ungarischen Streitkräften unter Oskar Potiorek und den Serben unter Radomir Putnik endet unentschieden und mündet zeitweise in einen Stellungskrieg am Balkan.
  • 24. September: Im Ersten Weltkrieg beginnt die Belagerung von Przemyśl durch die zaristische Armee. Die von Österreich-Ungarn gehaltene Festung wehrt heftige Angriffe der Russen ab und hält ihrem Ansturm vorerst stand.
  • 16. November: Die Schlacht an der Kolubara zwischen Österreich-Ungarn und Serbien beginnt mit einer neuerlichen Offensive durch Oskar Potiorek. Ende November wird Belgrad erobert.
  • 3. Dezember: Die serbischen Einheiten unter Radomir Putnik und Živojin Mišić beginnen mit einer Gegenoffensive, die zur kompletten Räumung Serbiens durch Österreich-Ungarn bis zum 15. Dezember führt.
Deutsche Ostfront
Schlacht bei Gumbinnen
Die Fronten des Osmanischen Reichs
Enver Pascha als Kriegsminister
  • 3. Januar: Sultan Mehmed V. ernennt Enver Pascha zum Kriegsminister des Osmanischen Reichs. Dieser säubert zunächst das Offizierskorps durch massenhafte Zwangspensionierungen von Kritikern der Jungtürken.
  • 15. November: Mehmed V. ruft die Muslime, die als Soldaten aus den Kolonien auf Seiten Englands und Frankreichs kämpfen, zum Dschihad, zum Heiligen Krieg gegen ihre Kolonialherren auf und fordert sie auf, zu desertieren und auf die islamische Seite zu wechseln. Deutschland beteiligt sich mit der Nachrichtenstelle für den Orient an diesem Versuch, indem es das Halbmondlager und ein vergleichbares Lager (das Weinberglager) im nahegelegenen Ort Zossen einrichtet. Hier sollen die Gefangenen zum Überlaufen und zum Kampf gegen ihre Kolonialherren bewegt werden.
  • 12. Dezember: Colmar von der Goltz wird deutscher Militärberater des osmanischen Sultans.
Europa
  • 5. November: Die Briten annektieren die bis dahin zum Osmanischen Reich zählende Insel Zypern.
  • 7. November: Serbien erklärt dem Osmanischen Reich den Krieg.
Kaukasus
Erfrorene osmanische Soldaten
  • 22. Dezember: Mit einem osmanischen Angriff beginnt die Schlacht von Sarıkamış, die aber bis Ende des Jahres nur geringe Geländegewinne bringt. Stattdessen fallen wegen der schlechten Versorgungslage und einer meterhohen Schneedecke rund 10.000 osmanische Soldaten Kälte, Hunger und Erschöpfung zum Opfer.
Mesopotamien und Ägypten
Operationen an der Mesopotamienfront 1914
Der Krieg in den Kolonien
Europäische Kolonien in Afrika vor Kriegsbeginn 1914
Westafrika
Die Kämpfe in Togo, August 1914
  • 6. August: Französische und britische Truppen fordern die deutsche Kolonie Togo auf, sich zu ergeben. Am nächsten Tag marschieren britische Truppen aus der Goldküste und französische Truppen aus Dahomey ein, ohne auf Gegenwehr zu treffen. Die deutschen Truppen ziehen sich ins Landesinnere zurück und beschränken sich darauf, die Eisenbahnbrücken über den Sio- und Lili-Fluss zu sprengen, um den feindlichen Vormarsch zu bremsen. In Anbetracht der maritimen und militärischen Bedeutung der kleineren Funkstation Togblekovhe wird nachträglich ein deutsches Kommando zurückbefohlen, um die Funkstelle nicht in Feindeshand fallen zu lassen. Das Kommando trifft per Eisenbahn Lome–Atakpame am 11. August ein und macht die Station vor dem endgültigen Rückzug unbrauchbar.
  • 12. August: Die alliierten Truppen besetzen nach ungehindertem Vormarsch durch Togo dessen Hauptstadt Lomé und marschierten dann auf die Großfunkstation Kamina östlich von Atakpamé zu. Entlang der Bahnlinie Lome–Atakpame entwickelt sich über mehrere Tage ein Kleinkrieg zwischen der zurückweichenden Polizeitruppe der Deutschen und den von der Küste vorrückenden britisch-französischen Kolonialtruppen.
  • 22. August: Beim Chra-Fluss kommt es zum schwersten Gefecht in Togo. Britische und französische Truppen laufen stundenlang gegen eine Stellung an, in der sich 60 Deutsche und etwa 500 einheimische Söldner verschanzt haben, und verlieren dabei 73 Mann. Aufgrund der demoralisierten Söldner und Träger sowie Munitionsmangel muss die Position jedoch am folgenden Tag von den Deutschen geräumt werden. Somit war der Weg zu der bei Atakpame gelegenen Großfunkstation Kamina frei. Diese wird in der Nacht vom 24. auf den 25. August durch die Deutschen selbst zerstört, indem die Maschinen in Brand gesetzt und die Funkmasten umgelegt werden. Der deutsche Kommandeur ergibt sich am nächsten Tag. Nach Verhandlungen zwischen Rittmeister von Roebern als Emissär und Frederick Bryant vom britisch-französischen Expeditionskorps findet am 27. August schließlich die Übergabe der Kolonie Togo statt.
  • 24. August: Der Angriff auf Kamerun beginnt mit der Beschießung der Küste durch französische Schiffe.
Südliches Afrika
Kolonien im südlichen Afrika: britisch (rot), portugiesisch (grün)
  • 9. September: Nach der wahrheitswidrigen Angabe von Premierminister Louis Botha, deutsche Truppen hätten von Deutsch-Südwestafrika aus die südafrikanische Grenze überschritten, beschließt das südafrikanische Parlament mit großer Mehrheit den Kriegseintritt auf Seiten der Entente. Vor allem der burische Teil der Bevölkerung und vor allem der Streitkräfte ist gegen diesen Schritt. Im Oktober kommt es zum offenen Aufstand.
  • 10. September: Deutsche Truppen besetzen die südafrikanische Exklave Walvis Bay.
  • 19. September: Südafrikanische Truppen besetzen die Lüderitzbucht und dringen von hier aus ins Landesinnere vor.
  • 21. September: Südafrikanische Polizeieinheiten übernehmen kampflos Schuckmannsburg.
Deutscher Unteroffizier kurz vor der Schlacht bei Sandfontein
Ostafrika
Deutsche Soldaten mit Feldgeschütz in Deutsch-Ostafrika
Ostasien und Ozeanien
Hissung des Union Jack auf Samoa, 30. August 1914
  • 29. August: Die deutsche Kolonie Samoa wird von neuseeländischen Truppen besetzt. Da es keine förmliche Kapitulation gibt, wird der deutsche Gouverneur Erich Schultz-Ewerth, der gemeinsam mit Vertretern der Siedler und Familienverbände in einem Gouvernementsrat am 5. August den Beschluss gefasst hat, eine militärische Besetzung Samoas ohne Widerstand hinzunehmen, nach Auckland deportiert und ab 17. September auf der Quarantäneinsel Motuihe Island / Te Motu-a-Ihenga festgehalten. Die Neuseeländer verkünden die Weitergeltung deutschen Rechts und sichern den deutschen Beamten zunächst die Weiterbeschäftigung in ihren Stellungen bei vollem Gehalt zu. Zwischen dem 7. und 12. September legen allerdings alle deutschen Beamten, die noch in neuseeländischen Diensten verblieben sind, ihr Amt nieder, um nicht als Helfer der Besatzung gelten zu müssen. Am 12. September werden sie nach Neuseeland gebracht und interniert.
Landung der Japaner vor Tsingtao
Hissung der britischen Fahne auf Nauru, 7. November 1914
See- und Luftkrieg
Deutsches U 15
Bombardierung Antwerpens durch einen Zeppelin im Jahr 1914, Gemälde von Themistokles von Eckenbrecher
  • 24. August: Ein deutscher Zeppelin bombardiert Antwerpen.
  • 28. August: Im Seegefecht bei Helgoland versenken die Briten ohne eigene Schiffsverluste drei deutsche Kleine Kreuzer und ein Torpedoboot.
Versenkung der Panzerkreuzer vor der niederländischen Küste (nach einer Originalzeichnung von Hans Bohrdt)
Das Seegefecht bei den Falklandinseln

Weitere Ereignisse auf dem Balkan

Deklaration der nordepirotischen Unabhängigkeit am 1. März in Gjirokastra
  • Ende Januar fordern die Großmächte Griechenland auf, auf Basis des Londoner Vertrages seine Truppen aus Nordepirus abzuziehen. Als Druckmittel dient dabei die Drohung, dass andernfalls die griechischen Forderungen auf Lesbos, Chios und Samos nicht anerkannt würden. Nach dem Abzug Griechenlands wird von griechischen Einwohnern der Region am 28. Februar eine provisorische Regierung für Nordepirus eingesetzt, die am darauffolgenden Tag die unabhängige Autonome Republik Nordepirus ausruft. Als Premierminister fungiert der bisherige griechische Generalgouverneur Georgios Christakis-Zografos. Hauptstadt des neuen Staates ist Gjirokastra, weiters gehören unter anderem Himara, Kolonja, Përmet und Saranda zum kontrollierten Gebiet.
Wilhelm zu Wied und Gemahlin bei ihrer Ankunft in Albanien
  • 7. März: Der im Vorjahr in London zum König bestimmte Wilhelm zu Wied trifft mit seiner Frau Sophie von Schönburg-Waldenburg und seiner Familie in der albanischen Hauptstadt Durrës ein. Er soll das im Vorjahr neu gegründete Fürstentum Albanien in die Selbständigkeit führen.
  • 15. März: Turhan Pascha Përmeti wird zum neuen albanischen Regierungschef ernannt.
  • 4. April: Albanien ruft die Mobilmachung aus. Krieg mit dem benachbarten Griechenland wird befürchtet.
  • Mai: Das von Griechenland, Albanien und den Großmächten unterzeichnete Protokoll von Korfu bedeutet zwar das Ende der vollen staatlichen Unabhängigkeit des Nordepirus, sieht jedoch eine weitreichende Autonomie unter der Souveränität Albaniens vor. Nordepirus erhält das Recht, eigene Streitkräfte auszurüsten, und als Amtssprache wird Griechisch festgelegt.
  • 3. September: Wilhelm zu Wied verlässt das für ihn unregierbare Fürstentum Albanien nach nur sechs Monaten, ohne jedoch formell abzudanken.
  • 5. Oktober: Essad Pascha Toptani wird mit serbischer und italienischer Unterstützung neuer Ministerpräsident in Albanien.
Ferdinand von Rumänien

Weitere Ereignisse in Mitteleuropa

Weitere Ereignisse in Europa

Bernardino Machado
  • 9. Januar: Die Regierung unter Ministerpräsident Afonso Augusto da Costa in Portugal tritt nach genau einem Jahr zurück. Staatspräsident Manuel José de Arriaga holt den in Brasilien weilenden früheren Außenminister Bernardino Machado nach Portugal zurück und beauftragt ihn mit der Regierungsbildung. Die Regierung Machado wird am 9. Februar angelobt.
  • 6. Februar: Der schwedische König Gustav V. unterstützt auf einer Demonstration konservative Gegner der liberalen Regierung, obwohl er zur parteipolitischen Neutralität verpflichtet wäre. Dadurch kommt es zur Borggårdskrise.
  • 21. April: Zum 10-jährigen Bestehen der Entente cordiale besucht das englische Königspaar Paris.
  • 25. Mai: Das britische Unterhaus gestattet im Government of Ireland Act 1914 Irland mehr Souveränität. Das Home-Rule-Gesetz wird jedoch nicht umgesetzt, weil der Erste Weltkrieg und der irische Osteraufstand im Jahr 1916 die politische Szene verändern.
  • 12. Dezember: Victor Hugo de Azevedo Coutinho wird nach dem Wahlsieg des Partido Democrático neuer Ministerpräsident von Portugal. Der bisherige Ministerpräsident Machado plant, für die Präsidentschaftswahlen 1915 zu kandidieren.

Mexiko/Vereinigte Staaten

  • 9. April: US-amerikanische Marineangehörige werden im mexikanischen Tampico festgenommen, weil sie sich auf Landgang in umkämpftem Sperrgebiet aufgrund der Mexikanischen Revolution befinden. Sie werden innerhalb einer Stunde wieder freigelassen. Eine von den Truppen Victoriano Huertas angebotene offizielle Entschuldigung wird von den Amerikanern jedoch nicht angenommen.
  • 14. April: US-Präsident Woodrow Wilson nutzt den Tampico-Zwischenfall, um Mexiko „ernsthafteste Konsequenzen“ anzudrohen.
Die US-Flotte während des Angriffs auf Veracruz
Venustiano Carranza
  • 23. Juni: In der Mexikanischen Revolution besiegt in der Schlacht bei Zacatecas eine von Pancho Villa geführte, doppelt so große Armee Aufständischer die Regierungstruppen des Präsidenten Victoriano Huerta. Nach dem Sieg bricht jedoch neuer Streit zwischen den verschiedenen Fraktionen des Revolutionslagers aus. Venustiano Carranza nimmt die Exekutivgewalt für sich in Anspruch, stößt dabei jedoch auf den Widerstand von Pancho Villa und Emiliano Zapata, die sich weigern, an dem von Carranza für Anfang Oktober einberufenen Konvent der Gouverneure und Generäle in Mexiko-Stadt teilzunehmen.
  • 15. Juli: Victoriano Huerta tritt als Präsident Mexikos zurück. Er begibt sich auf dem deutschen Kreuzer Dresden ins Exil nach Jamaika und von dort weiter zunächst nach Europa, später in die USA.
  • Oktober: Zur Überraschung Carranzas ist auch der von ihm einberufene Konvent nicht bereit, ihm die verlangte alleinige „Exekutivgewalt“ zuzugestehen. Er vertagt sich, um seine Sitzungen in Aguascalientes wieder aufzunehmen, bestätigt Villa in seiner Stellung als Befehlshaber der von ihm kommandierten Revolutionsarmee und ernennt einen provisorischen Präsidenten. Im nun beginnenden erneuten Bürgerkrieg, diesmal ausgetragen zwischen „Konventionisten“ und „Konstitutionalisten“, wendet sich Carranza mit Hilfe Álvaro Obregóns zunächst gegen Villa, den stärksten seiner Gegner.
  • 23. November: Die Besetzung von Veracruz durch amerikanische Einheiten endet.
Pancho Villa (links) und Emiliano Zapata (rechts) im Präsidentenpalast nach ihrem Einzug in Mexiko-Stadt
  • 28. November: Der mexikanische Rebellenführer Pancho Villa zieht nach dem Rückzug von Obregóns Einheiten mit seinen Truppen in der Hauptstadt Mexiko-Stadt ein, wo er sich unter anderem mit Emiliano Zapata trifft, ohne dass die beiden sich jedoch auf eine konkrete Vorgangsweise gegen Venustiano Carranza einigen können.

Weitere Ereignisse weltweit

Karte aus dem Vertragswerk von Shimla: Die McMahon-Linie ist rot nachgezeichnet

Wirtschaft

Ausstellungen

Geldwirtschaft

Patente

  • 16. Mai: Im Deutschen Reich wird an die Firma Merck ein Patent erteilt für ein Syntheseverfahren, bei dem als Zwischenprodukt unter anderem der spätere Ecstasy-Wirkstoff MDMA entsteht.
  • 13. Oktober: Der US-amerikanische Erfinder Garrett Morgan erhält ein Patent auf die Gasmaske.

Produktion

  • 5. Januar: Auf einer Pressekonferenz kündigt Henry Ford die Einführung des Achtstundentags bei Ford zum 12. Januar und einen Mindestlohn von fünf US-Dollar pro Tag an. Dass die Löhne bei Ford das bis dahin Übliche erheblich übersteigen, ist dabei nach Fords eigener wiederholter Aussage wirtschaftliches Kalkül: Er will nicht die persönliche Situation seiner Arbeiter verbessern, sondern die Kaufkraft der Arbeiterschaft massiv stärken, um den Absatz massengefertigter Produkte wie seiner Autos zu gewährleisten. Damit schafft Ford die Grundlagen der Konsumgesellschaft, wie sie für das 20. Jahrhundert typisch sind. Auch die gestiegene Freizeit der Arbeiter soll der Nachfrage nach Produkten und deren Abnutzung durch die Verwendung dienen.
  • 14. Januar: Henry Ford lässt die Produktion des Automobils Ford Modell T auf Fließbandfertigung umstellen, was ein Senken des Verkaufspreises für das Kraftfahrzeug ermöglicht.

Unternehmen

Verkehr

Die Aquitania 1914
Karte des Panamakanals und der Kanalzone
  • 15. August: Das 200 Passagiere transportierende Paketboot Ancona durchfährt als erstes Wasserfahrzeug den Panamakanal in voller Länge. Offizielle Eröffnungsfeierlichkeiten entfallen wegen des Kriegsausbruchs in Europa.
Bahnhof Arosa 1914

Sonstiges

  • 2. Januar: Die Einwohner Schwedens dürfen nur noch zwölf Liter Spirituosen pro Vierteljahr kaufen.
  • 14. August: Die Diamantenmine Big Hole im südafrikanischen Kimberley, aus der seit 1871 insgesamt 2722 kg Diamanten gefördert worden sind, wird geschlossen.
  • Das Jahr 1914 ist das Jahr, welches zur Berechnung von Gebäudeversicherungen benutzt wird, siehe: Versicherungswert.

Wissenschaft und Technik

Antarktisforschung

Arbeiten, um das Schiff zu befreien
  • 8. August: Die Endurance-Expedition, die letzte große Expedition des sogenannten Goldenen Zeitalters der Antarktis-Forschung verlässt Plymouth unter der Leitung von Ernest Shackleton in Richtung Buenos Aires. Nach einem weiteren einmonatigen Aufenthalt in Grytviken, Südgeorgien, bricht die Endurance am 5. Dezember in die Antarktis auf.
  • Oktober: Aeneas Mackintosh, von Shackleton zum Leiter der zur Expedition gehörenden Ross Sea Party ernannt, trifft wie vereinbart in Sydney ein und findet dort chaotische Zustände vor. Das Schiff Aurora befindet sich nicht in einem für eine Antarktisexpedition geeigneten Zustand und muss generalüberholt werden. Zahlreiche Mannschaftsmitglieder, die das Vertrauen in die Expedition verlieren, springen ab und müssen durch Neulinge ersetzt werden. Erst am 24. Dezember kann die Aurora von Hobart aus in Richtung Antarktis auslaufen.
  • Am 14. Dezember ist die Endurance erstmals im Packeis gefangen, doch am 22. Dezember eröffnen sich Fahrrinnen, so dass sich das Schiff in den nächsten Wochen stetig nach Süden vorarbeiten kann.

Archäologie

Fundstelle – mit weißem Kreuz markiert – Aufnahme von 1914
Profilzeichnung des Grabes von 1914

Arbeiter entdecken am 12. Februar das Doppelgrab von Oberkassel im heutigen Bonn in einem Steinbruch. Das Grab aus der Zeit der späteiszeitlichen Federmesser-Gruppen ist etwa 14.000 Jahre alt und enthält die gut erhaltenen Skelette eines etwa 50 Jahre alten Mannes, einer 20- bis 25-jährigen Frau, die Überreste eines Hundes, weitere Tierreste und bearbeitete Tierknochen. Der Steinbruchbesitzer meldet den Fund der Bonner Universität. Ab dem 21. Februar wird die Fundstelle von den Wissenschaftlern Max Verworn, Robert Bonnet und Gustav Steinmann genau untersucht. Sie legen im Jahr 1919 einen umfassenden Bericht vor.

Naturwissenschaften

Lehre und Forschung

Technische Leistungen

  • 10. Januar: Alberto Garelli bezwingt mit einem selbst gebauten Motorrad den 1925 Meter hohen, tief verschneiten Pass von Mont Cenis in der Nähe von Moncenisio bei klirrender Kälte, ein Unternehmen, das zur damaligen Zeit als unmöglich galt.
  • 30. Juli: Der Norweger Tryggve Gran überfliegt als erster Mensch alleine die Nordsee. Er benötigt für den Flug von Schottland nach Norwegen bei günstigem Wind rund 4½ Stunden.
  • 8. August: In Cleveland wird mit dem Simplex Traffic Signal die erste Verkehrsampel Nordamerikas aufgestellt. Sie wird noch im selben Jahr patentiert.

Kultur

Bildende Kunst

Plakat für die Ausstellung des Deutschen Werkbundes, Entwurf von Peter Behrens
Franz Marc: Tirol, 1914, Neue Pinakothek, München

Literatur

Musik und Theater

Francesca da Rimini, Umschlag des Librettos

Sonstiges

Gesellschaft

Religion

Die Unterzeichnung des Konkordats mit Serbien am Vorabend des Ersten Weltkrieges
Benedikt XV.

Katastrophen

Die Explosion der HMS Bulwark

Kleinere Unglücksfälle sind in den Unterartikeln von Katastrophe und in der Liste von Katastrophen aufgeführt.

Natur und Umwelt

Martha, die letzte Wandertaube

Sport

Olympische Ringe

Einträge von Leichtathletik-Weltrekorden befinden sich unter der jeweiligen Disziplin unter Leichtathletik.

Nobelpreise

Preis Person Land Begründung für die Preisvergabe Bild
Nobelpreis für Physik Max von Laue
(1879–1960)
 Deutsches Reich „für seine Entdeckung der Beugung von Röntgenstrahlen beim Durchgang durch Kristalle“ Max von Laue
Nobelpreis für Chemie Theodore William Richards
(1868–1928)
(verliehen 1915)
 Vereinigte Staaten „als Anerkennung seiner genauen Bestimmungen des Atomgewichts von zahlreichen chemischen Elementen“ Theodore William Richards
Nobelpreis für Physiologie oder Medizin Robert Bárány
(1876–1936)
(verliehen 1915)
 Österreich-Ungarn „für seine Arbeiten über Physiologie und Pathologie des Vestibularapparates“ Róbert Bárány
Nobelpreis für Literatur nicht verliehen
Friedensnobelpreis nicht verliehen

Geboren

Januar

Februar

März

April

Alec Guinness, 1973

Mai

Juni

Juli

August

Tove Jansson, 1956

September

James Van Allen

Oktober

Thor Heyerdahl
Jonas Salk, 1988

November

Dezember

Karl Carstens, 1973

Genaues Geburtsdatum unbekannt

Gestorben

Erstes Quartal

George Westinghouse

Zweites Quartal

Bertha von Suttner, um 1886
Das Auto, in dem Franz Ferdinand und seine Frau erschossen wurden

Drittes Quartal

Pius X.
August Macke, Selbstporträt mit Hut (1909)

Viertes Quartal

Feldpostbrief für Peter Kollwitz mit Retourenvermerk: „Zurück – tot“
August Weismann
Johann Wilhelm Hittorf, 1893

Genaues Todesdatum unbekannt

Commons: 1914 – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien